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Buffonade und Totenmesse zugleich

Dank des Engagements einer Handvoll RheintalerInnen ist das hier nicht der siebentausendste Text zum DaDa-Jubiläum geworden, sondern ein Bericht von Zwischenzonen der Lebendigkeit.
Von  Michael Felix Grieder

Ja, der Titel ist ein Zitat von Hugo Ball, der damit die von ihm mitbegründete Spielwiese «DaDa» zu beschreiben versuchte. Keine Ahnung, wie der Immobilienmarkt anno Weltkrieg eins in Zürich gewesen ist, ob es damals «Zwischennutzungen» gegeben hat – jedenfalls ist es heutzutage kaum denkbar, dass eine Gruppe revolutionär eingestellter Persönlichkeiten aus so ziemlich überall im Niederdörfli: a. ein Szenelokal bekommt, und b. nicht innerhalb von dreieinhalb Sekunden von Grenadierbullen aus der Stadt geworfen wird, denn wie man in der Zwinglistadt Turīcum so schön zu sagen pflegt: «Erlaubt ist, was nicht stört.»

Auch wenn letzteres Bonmot glücklicherweise keine grössere regionale Ausbreitung erleben durfte, so könnte man sagen, ist diese Scheisse doch längst als Gesamtpaket zum Wahrheitsregime von Standortfaktor und liberaler [sic!] Regierungskunst geworden.

Dies betrifft die Saitenregion gleichermassen: ein subtiler Krieg der Räume kombiniert mit Erlaubnisterror und dem lebensfeindlichen Gebot, «niemals zu stören», ist auf der kulturellen Ebene evident und ernstzunehmen. So fällt auch ins Auge, wie hochnotgrotesk derzeit ein omnipräsenter DaDa-Geburstag anmutet. Die Buffonade wird aufgelöst in historisierender Ernsthaftigkeit und die Totenmesse zum Schenkelklopfer.

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Szenenwechsel i.d.S., von der Metaebene ab in die Zwischenzonen, namentlich in diejenige mit ebendiesem programmatischen Titel, welche sich erfrecht, pünktlich zum Jubiläum in einer veritablen Messe DaDa zu beerdigen – weil: «100 Jahre sind genug» –, um gleichzeitig schwer-buffonesk den darum notwendigen «Gugusismus» auszurufen. Nicht wirklich Stadt, sonst aber irgendwie auch nicht viel ist dieses Heerbrugg, sagen zumindest Leute, die es wissen müssen, und doch findet sich gegenüber von Betonwüste, zwischen Kebabjoint und TT-Bar (höhö) im ehemaligen «Sternen» eine Antithese, die sich gewaschen hat.

Die vom Widnauer Künstler Kuspi 016 (dem man eigentlich im Mindesten ein ganzes Heft widmen müsste) proklamierte Kunstform des Gugusismus beschäftigt sich in kynischer Weise mit Motiven der Vergänglichkeit und genau darum mit Lebendigkeit, die ihre perfekte Allegorie in eben dieser Zwischenzone findet: ein wunderhübsches altes Haus umstellt mit Bauvisieren, das vielleicht schon Anfang März irgendeiner rentablen Bausünde weichen muss, und in der Zeit dazwischen von einer Gruppe sehr sympathischer Leute bespielt wird. Und dadurch mehr «lebt», als man es von irgendeinem nicht-tot-geschriebenen Bau gewohnt ist.

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Kuspi 016 sagt Gugus.

Pünktlich zur vollen Stunde dringt der Gugusismus in Form von Soundinterventionen einige Minuten auf die Strasse und hinterlässt einen als vermeintlichen Passanten positiv verwirrt. Im Hochparterre, wo die Musik herkommt, findet man sich in einem Kuriositäten-Kabinett (gestaltet u.a. vom Skulpturkünstler Paul Müller) wieder: Da sind Titelseiten von Gala («Grosse Gefühle 2015»), Adel heute («Charlene – wird 2016 ihr Schicksalsjahr») und In Touch («Ist sie wieder schwanger?») ausgestellt, eine mit Gaffatape zensierte verzierte Videoinstallation von Sareena und DiEule zeigt ein historisches Fussballspiel und anschliessend einen rennenden Hund mit rötschem Fell.

Die Welt steht nicht Kopf, hängt aber quer – als Globus an der Wand. Die beiden oberen Stockwerke zeigen klassischere Ausstellungen, wobei «klassisch» das fälscheste Wort ist, um die anregenden Werke von Jasmin Véron, Kuspi 016, Sandro Heule und Simon Kness zu beschreiben, aber ja, da sind auch Gemälde, und die sind allesamt sehr sehenswert. Sogar der Kleiderständer im Treppenhaus ist ziemlich Duchamp.

Kuspi’s aktionistische Performance beginnt erst mit Musik unterlegt, steht unter Schnullerzwang und lernt dem phantasielosen Volksmund Mores und dem Schreibenden neue Worte: «Kellerficker! Antiseptikum! Hinterthurgau! Frikadellensalat! Linguistikproblem! Surrealistennutte! Tigerente! Wertsverarschung! Heilandsversteher! Trottelcomputer! Nazischwein! Oralstimulationstabletten! Kuhfladenpilz! Stinkgüggel!»

Auf das Kommende eingestimmt folgt die Ansage: «Ihr seid Zeugen! Gugusismus! Jede lebende Bakterie, alles was lebt ist und bleibt KünstlerIn! Auch das künstliche Leben ist frei! Kein Gesetz darf die Kunst in Zwänge und Muster drängen! Das Zeichen des Gugusismus ist der Schnuller! Lutscht euch frei!»

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Die Zuschreibung «Dorforiginal» stört Kuspi kein bisschen, doch ist diese Rolle eher Performance als Introversion. «Man muss offen bleiben in diesem Tal, sonst geht man unter». Und offen ist Kuspi auf jeden Fall. Der Autor von Dialektbüchern versteht dieses «Gugus» denn auch weniger unter der Bedeutung von «Bloscht», sondern eher in der Kindersprache, ein Aufmerksamkeit heischendes «Guguseli!», und ohne nur niedlich zu sein, liegt darin eine ungeheure Kraft, etwas Verspieltes und Kämpferisches. Dieser Künstler spricht vom Leben überhaupt und hat etwas Rares darüber zu sagen.

Der Verein Zwischenzone bespielt den ehemaligen «Sternen» voraussichtlich noch bis Ende Februar und plant, solches an anderen Orten wieder zu tun. Spricht Mitinitiant Sandro Heule von den leuchtenden Augen, die ihm in der Zwischenzone so häufig begegnen, und kommt dabei selbst bei aller Bescheidenheit ins Schwärmen, demonstriert dies auf der ganzen Linie das allgemeine Bedürfnis nach solchen schwer definierbaren Gegenorten; der Notwendigkeit, verspielten Impulsen nachzugeben und sich – egal wo – lebendige Zwischenzonen zu erkämpfen.

Heute Abend duellieren sich übrigens Klangforscher und Bademeister im lauschigen Darkroom der Zwischenzone.

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
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Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
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Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
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Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
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Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
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Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
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Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
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Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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