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«Die allerschönste Sache der Welt»

«Swing it Kids!» von Fabian Kimoto dokumentiert den Bandalltag der Ostschweizer Swing Kids von Gründer und Bandleader Dai Kimoto aus Romanshorn – mit schönen Szenen, aber auch mit solchen, die zum Nachdenken anregen.
Von  Corinne Riedener , 
Erobern zusammen die Welt: die Swing Kids (Bild: pd)

Bei Takt 32 muss es klingen «wie eine Bombe, die explodiert», sagt Dai Kimoto und schwingt den Taktstock. «Hier müsst ihr Qualität liefern, Schweizer Qualität.» Gelächter in der Band. Doch die Ansprache zeigt Wirkung, beim nächsten Versuch nickt der Leader und lächelt zufrieden.

What A Wonderfull World, Peter Gun Theme, Rock Around The Clock, In The Mood. Schliesst man die Augen, würde man nicht denken, dass dieser satte Sound von 15 Ostschweizer Jugendlichen zwischen neun und 18 Jahren kommt. Aber die Swing Kids, 2005 vom Romanshorner Dai Kimoto gegründet, sind auch nicht irgendeine Jugendband, sondern ein wilder Haufen, der sich mit Leib und Seele dem Swing und dem Jazz verschrieben hat. Und fleissig Preise einheimst: 2005 den Kulturpreis des Rotary Clubs Oberthurgau, 2007 zogen sie in die Big Band Hall of Fame ein, 2008 gewannen sie den Swiss Jazz Award und 2009 den Thurgauer Kulturpreis.

Geprobt wird zweimal pro Woche, insgesamt geben die Swing Kids rund 50 Konzerte im Jahr, und während den Schulferien gehen sie gemeinsam auf Auslandstour. So waren sie schon in Argentinien, zweimal in Nord- und Südamerika und bereits sechsmal in Japan, wo Bandleader Dai aufgewachsen ist. Oder am Montreux Jazz Festival. Oder, wie letztes Jahr, auf der Openair-Bühne im Sittertobel.

Mit 18 in den Ruhestand

Der neue Dokfilm Swing it Kids! von Fabian Kimoto, Dais Sohn, begleitet die Jugendlichen unter anderem auf einer der Japan-Tourneen. Während der 81 Film-Minuten gibt es allerhand schöne Momente: Dai zum Beispiel, der mit geschlossenen Augen in der Toilette das Adagio aus dem Concerto d’Aranjuez anspielt. Oder die tränenreiche Massenumarmung, als zwei Bandmitglieder mit 18 in die «Pension» entlassen werden. Oder das einfallsreiche Geblödel zwischen den Auftritten und Proben, das man irgendwo zwischen Kissenschlacht und Impro-Theater verorten könnte.

Fabian Kimoto belässt es aber nicht bei der heilen, manchmal fast schon kitschigen Welt, sondern schürft tiefer und zeigt auch Szenen, die zum Nachdenken anregen; den zerstörten Osten Japans nach dem Erdbeben in Fukushima etwa – inklusive Reaktionen der Swing Kids darauf. Oder die neunjährige Saxophonistin Ayleen, die seit der Scheidung ihrer Eltern den Vater schmerzlich vermisst und obendrauf auch noch Mühe hat, ihre Hobbys mit der Schule zu vereinbaren. Eindrücklich ist auch die Aussprache unter den Jugendlichen im Hotelzimmer, als sich der Zusammenhalt zusehends verschlechtert während der Japanreise.

In diesen Momenten wird klar, dass die Swing Kids trotz all ihrer Talente, all den Konzerten, Standing Ovations und virtuosen Solis immer noch eines sind: Kinder. Mit Knatsch untereinander. Die Grossen mit den Kleinen, der eine mit dem anderen Bruder, die Ambitionierten mit den weniger Ambitionierten.

«Ein ganz normaler Mitläufer»

Hin und wieder fragt sich, ob bei den Swing Kids kleine Stars herangezüchtet werden sollen, ob man das Selbstvertrauen der Kinder nicht doch ein klein wenig zu arg pusht. Wenn eines zum Beispiel sagt, dass es «ein ganz normaler Mitläufer» geworden wäre, wenn es nicht bei den Swing Kids gelandet wäre – eben «ein 0815Typ.» Oder wenn andere darüber klagen, dass ihre Freunde in der Schule nur immer über Games sprechen, über den Ausgang und ihre Besäufnisse. «Sie verstehen das noch nicht», so ihr Urteil. «Bei den Swing Kids passiert das alles auf einem höheren Niveau. Wir sprechen über philosophische Themen. Wie kann man anderen eine Freude machen oder ein erfülltes Leben haben?»

Dieses Bild der «anderen», der nicht Musizierenden, ist fragwürdig. Handkehrum ist es eine Wohltat, wie selbstbewusst diese Swing Kids miteinander umgehen, zu sehen, dass sie trotz Auslandstourneen und harter Probearbeit – davon hätte der Film ruhig noch ein wenig mehr zeigen dürfen – nicht «domestiziert» oder gekünstelt wirken und alles in ihrer Umgebung neugierig aufsaugen. Man mag es, den Swing Kids zuzusehen beim Spielen und Streiten und Grosswerden. Und man glaubt es Dai, wenn er nicht nur Leistung will, sondern immer wieder auch sagt: « Musik ist die allerschönste Sache der Welt. Das Publikum muss die Freude spüren!»

 

Ostschweizer Premiere mit Konzert: 12. Februar, 17.30 Uhr und 20.15 Uhr, Kino Roxy, Romanshorn. Weitere Vorstellungen: 14. Februar 17.30 Uhr, 18. Februar, 20.15 Uhr und 20. Februar 20.15 Uhr.
swingkidsfilm.ch/

Vorstellungen im Kinok St.Gallen:
Sonntag, 14. Februar, 18 Uhr
Montag, 15. Febraur, 17 Uhr
Samstag, 20. Februar, 15:30 Uhr
Dienstag, 23. Februar, 20:30 Uhr
Sonntag, 28. Februar, 12:15 Uhr

Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.

 

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