Kategorie
Autor:innen
Jahr

Die «alte Dame» wird verjüngt

Das Theater St.Gallen muss renoviert werden. Es ist mit 50 Jahren technisch und räumlich an seine Grenzen gekommen. Regierungsrat und Bauchef Marc Mächler, auf den Tag zwei Jahre jünger als das Theater, stellte heute das 47,6 Millionen-Vorhaben vor.
Von  Peter Surber , 
Visualisierung der Theaterfassade nach der Renovation. (Bild: Hochbauamt)

«Grosser Handlungsbedarf», «dringende Sanierung», «unzumutbare Platzverhältnisse»: Was an der Medienkonferenz am Montagmorgen im Theaterfoyer mit starken Worten benannt wurde, bestätigte sich beim anschliessenden Blick hinter die Kulissen unter Führung von Bühnenmeister Georges Hanimann.

Die Garderoben: engste Verhältnisse. Die Duschen: zu schmal selbst für schmale Tenöre. Die Waschküche für sämtliche Kostüme: ein Minikämmerlein, kaum ausreichend für einen Einpersonenhaushalt. Die Werkstätten: zusammengedrängt. Der Ballettsaal: zu niedrig für hohe Sprünge. Die Winden für die Bühnenbauten: Handbetrieb mit Kurbeln. Die Bodenheizung (Bild): defekt.

Den drastischen Ernstfall hat das Theater letzten Donnerstag bei einer Galavorstellung von Tanz der Vampire erlebt: Die Steuerung für eines der Bühnenpodien gab den Geist auf und musste manuell neu in Betrieb gesetzt werden. Es blieb zum Glück bei einem kurzen Unterbruch – andernfalls hätte das Publikum nach Hause geschickt werden müssen, sagt Theaterdirektor Werner Signer.

Energetisch und arbeitsrechtlich illegal

Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des Baudepartements, spricht von der «alten Dame» Theater, die jetzt dringend verjüngt werden müsse. Das im März 1968 eröffnete Gebäude von Claude Paillard, eine der europaweit bedeutendsten Architekturikonen im Stil des «beton brut», wie Kantonsbaumeister Werner Binotto hervorhebt, ist in mehrfacher Hinsicht nicht mehr gesetzeskonform. Die riesigen Fensterflächen im Foyer müssen energetisch saniert und asbestbefreit werden. Die Sichtbetonfassade weist Risse auf, die Türen sind undicht, die Heizungsrohre rosten (Bild unten), die Lüftung ist höchstens noch ein Fall für den Denkmalschutz.

Arbeitsrechtlich taugt das alte Gebäude ebenfalls nicht mehr. Die technischen Räume wurden beim Bau ausschliesslich für Männer konzipiert, geschlechtergetrennte Toiletten und andere sanitäre Anlagen fehlen ebenso wie genügend Licht und Platz. Garderoben und Maske sind dem stark gewachsenen Betrieb nicht mehr gewachsen. Dass einzig der Malsaal eine ausreichende Grösse hat, liegt gemäss Werner Signer an der zur Entstehungszeit des Theaters üblichen Praxis, mit gemalten Prospekten statt wie heute mit räumlichen Elementen zu inszenieren.

Schliesslich ist auch die Bestuhlung in die Jahre gekommen und das vertraute Violett nicht mehr zeitgemäss. Diesen Teil der Erneuerung, ebenso die Verbesserung der Akustik, werde das Publikum am ehesten bemerken; die weitaus grösste Teil der Arbeiten passiere aber hinter den Kulissen, sagt Bauchef Mächler – was die Aufgabe, das Bauprojekt der Öffentlichkeit plausibel zu machen, etwas erschwere.

Ein Provisorium am Stadtpark-Rand

Insgesamt gewinnt das Theater durch geschickte, kaum merkliche Erweiterungen des bestehenden, charakteristischen sechseckigen Grundrisses rund 750 Quadratmeter Fläche hinzu (auf dem Plan unten rot die erneuerten Partien). Leicht zurückgebaut wird dagegen die Betonüberdachung des Vorplatzes; der Platzcharakter zwischen Tonhalle, Museum und Theater komme so wieder besser zur Geltung, sagt Kantonsbaumeister Binotto.

Der Umbau kann nicht bei laufendem Betrieb realisiert werden; die Option sei zwar geprüft, aber als unlösbar verworfen worden. Das Theater erhält daher für zwei Jahre ein Provisorium, einen Bau für 500 statt der im Theater bestehenden 700 Sitzplätze. Er soll zwischen Kunst- und Historischem Museum plaziert werden. Naturschutzkreise haben bereits Protest angemeldet; Binotto betonte jedoch, dass der Bau mit grosser Rücksicht plaziert werde, so dass ein einziger, jüngerer Baum weichen müsse. Andrerseits könnte mit der «natürlichen» Kulisse der tempelartigen Museumsfassade für die zwei Jahre eine spannende Foyersituation entstehen.

Der Betrieb werde trotz des Provisoriums Einschränkungen erfahren, sagt Werner Signer – andrerseits ermögliche es aber auch Ausweitungen an andere Spielstätten und in den Stadtraum. Das Theater werde so für das Publikum auch inhaltlich neu erlebbar. Betroffen sind die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21.

47,6 Millionen im Finanzplan

Die Gesamtkosten betragen 47,6 Millionen Franken. Der Löwenanteil betrifft das Gebäude und die Betriebseinrichtungen, das Provisorium wird mit 4,5 Millionen Franken budgetiert. Weil vier Fünftel des Betrags oder 38,1 Millionen Franken als werterhaltende Kosten gelten, kommt das Geschäft nicht automatisch vors Volk, sondern untersteht dem fakultativen Referendum. Der Kantonsrat soll es in der Juni- und in der Septembersession beraten.

Es sei eine Bau- und keine Kulturvorlage, sagt Mächler, für den der Theaterumbau ein erster grosser politischer «Brocken» als Bauchef sein wird. Er rechne allenfalls mit Widerstand gegen die Kosten des Provisoriums, sei aber zuversichtlich, dass die Notwendigkeit der Renovation unbestritten bleibe.

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1