«Grosser Handlungsbedarf», «dringende Sanierung», «unzumutbare Platzverhältnisse»: Was an der Medienkonferenz am Montagmorgen im Theaterfoyer mit starken Worten benannt wurde, bestätigte sich beim anschliessenden Blick hinter die Kulissen unter Führung von Bühnenmeister Georges Hanimann.
Die Garderoben: engste Verhältnisse. Die Duschen: zu schmal selbst für schmale Tenöre. Die Waschküche für sämtliche Kostüme: ein Minikämmerlein, kaum ausreichend für einen Einpersonenhaushalt. Die Werkstätten: zusammengedrängt. Der Ballettsaal: zu niedrig für hohe Sprünge. Die Winden für die Bühnenbauten: Handbetrieb mit Kurbeln. Die Bodenheizung (Bild): defekt.
Den drastischen Ernstfall hat das Theater letzten Donnerstag bei einer Galavorstellung von Tanz der Vampire erlebt: Die Steuerung für eines der Bühnenpodien gab den Geist auf und musste manuell neu in Betrieb gesetzt werden. Es blieb zum Glück bei einem kurzen Unterbruch – andernfalls hätte das Publikum nach Hause geschickt werden müssen, sagt Theaterdirektor Werner Signer.
Energetisch und arbeitsrechtlich illegal
Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des Baudepartements, spricht von der «alten Dame» Theater, die jetzt dringend verjüngt werden müsse. Das im März 1968 eröffnete Gebäude von Claude Paillard, eine der europaweit bedeutendsten Architekturikonen im Stil des «beton brut», wie Kantonsbaumeister Werner Binotto hervorhebt, ist in mehrfacher Hinsicht nicht mehr gesetzeskonform. Die riesigen Fensterflächen im Foyer müssen energetisch saniert und asbestbefreit werden. Die Sichtbetonfassade weist Risse auf, die Türen sind undicht, die Heizungsrohre rosten (Bild unten), die Lüftung ist höchstens noch ein Fall für den Denkmalschutz.
Arbeitsrechtlich taugt das alte Gebäude ebenfalls nicht mehr. Die technischen Räume wurden beim Bau ausschliesslich für Männer konzipiert, geschlechtergetrennte Toiletten und andere sanitäre Anlagen fehlen ebenso wie genügend Licht und Platz. Garderoben und Maske sind dem stark gewachsenen Betrieb nicht mehr gewachsen. Dass einzig der Malsaal eine ausreichende Grösse hat, liegt gemäss Werner Signer an der zur Entstehungszeit des Theaters üblichen Praxis, mit gemalten Prospekten statt wie heute mit räumlichen Elementen zu inszenieren.
Schliesslich ist auch die Bestuhlung in die Jahre gekommen und das vertraute Violett nicht mehr zeitgemäss. Diesen Teil der Erneuerung, ebenso die Verbesserung der Akustik, werde das Publikum am ehesten bemerken; die weitaus grösste Teil der Arbeiten passiere aber hinter den Kulissen, sagt Bauchef Mächler – was die Aufgabe, das Bauprojekt der Öffentlichkeit plausibel zu machen, etwas erschwere.
Ein Provisorium am Stadtpark-Rand
Insgesamt gewinnt das Theater durch geschickte, kaum merkliche Erweiterungen des bestehenden, charakteristischen sechseckigen Grundrisses rund 750 Quadratmeter Fläche hinzu (auf dem Plan unten rot die erneuerten Partien). Leicht zurückgebaut wird dagegen die Betonüberdachung des Vorplatzes; der Platzcharakter zwischen Tonhalle, Museum und Theater komme so wieder besser zur Geltung, sagt Kantonsbaumeister Binotto.
Der Umbau kann nicht bei laufendem Betrieb realisiert werden; die Option sei zwar geprüft, aber als unlösbar verworfen worden. Das Theater erhält daher für zwei Jahre ein Provisorium, einen Bau für 500 statt der im Theater bestehenden 700 Sitzplätze. Er soll zwischen Kunst- und Historischem Museum plaziert werden. Naturschutzkreise haben bereits Protest angemeldet; Binotto betonte jedoch, dass der Bau mit grosser Rücksicht plaziert werde, so dass ein einziger, jüngerer Baum weichen müsse. Andrerseits könnte mit der «natürlichen» Kulisse der tempelartigen Museumsfassade für die zwei Jahre eine spannende Foyersituation entstehen.
Der Betrieb werde trotz des Provisoriums Einschränkungen erfahren, sagt Werner Signer – andrerseits ermögliche es aber auch Ausweitungen an andere Spielstätten und in den Stadtraum. Das Theater werde so für das Publikum auch inhaltlich neu erlebbar. Betroffen sind die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21.
47,6 Millionen im Finanzplan
Die Gesamtkosten betragen 47,6 Millionen Franken. Der Löwenanteil betrifft das Gebäude und die Betriebseinrichtungen, das Provisorium wird mit 4,5 Millionen Franken budgetiert. Weil vier Fünftel des Betrags oder 38,1 Millionen Franken als werterhaltende Kosten gelten, kommt das Geschäft nicht automatisch vors Volk, sondern untersteht dem fakultativen Referendum. Der Kantonsrat soll es in der Juni- und in der Septembersession beraten.
Es sei eine Bau- und keine Kulturvorlage, sagt Mächler, für den der Theaterumbau ein erster grosser politischer «Brocken» als Bauchef sein wird. Er rechne allenfalls mit Widerstand gegen die Kosten des Provisoriums, sei aber zuversichtlich, dass die Notwendigkeit der Renovation unbestritten bleibe.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.