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Die Zeughausgasse als Pflasterstrand

Eine Woche, bevor das St.Gallerfest die Gassen verpestet, hat die Galerie vor der Klostermauer «ihre» Zeughausgasse zum Festpflaster gemacht. Eine Entdeckung.
Von  Peter Surber

Die Erinnerung liegt weit zurück – an den heissen Sommer 1980: Jugendunruhen in Züri und anderswo, Gurkensalat statt Staat und fliegende Pflastersteine. Heute ist die St.Galler Altstadt fast flächendeckend mit Bsetzisteinen verschönert und verbetoniert, aufs Werfen käme niemand mehr, und auch die Zeughausgasse am Ostrand der St.Galler Altstadt ist schmuck neu gepflästert.

Immerhin hat sie dem Druck, zum teuren Einkaufspflaster zu werden, bis jetzt standgehalten. Sie liegt etwas peripher und doch ideal – kein Durchgangsverkehr ausser Velos – und gibt sich bescheiden mit den putzigen Zweistockhäusern, die sich an die ehemalige Schiedmauer zwischen Stadt und Kloster St.Gallen drücken.

Ein guter Ort zum Festen also. Die Galerie tut es aus Anlass ihrer 300. Ausstellung gleich mit einem dreiwöchigen Gassenprogramm.

Arbeiten vor Ort und auf der Gasse

Die Idee entstand im sechsköpfigen Vorstand der nicht kommerziellen, von einem Verein getragenen Künstler-Galerie: raus aus den engen Ausstellungsräumen auf die Gasse. Dort heizten am Eröffnungs-Freitagabend die fünf Musiker von Pätschwerk dem Publikum mit ihrem gewitzten Allerlei von Gypsie, Folk, Blues und Improvisationen ein. Heute Samstag arbeitet Steinbildhauer Roland Stiefel und spielt Eibish auf der Gasse, bis zum 30. August geht es dann weiter mit Zaubereien, Musik, Literatur, Jazz oder einem Kinoabend des Cineclubs.

pflastersteine_gf02Die umgekehrte Bewegung – von der Gasse hinein ins Lokal – hat sich Gabriela Falkner vorgenommen. Sie arbeitet während der drei Wochen an einem Projekt mit dem Titel «In der Alltäglichkeit bin ich daheim». Vorderhand sieht man erst das Material: Pflastersteine, akkurat aufgereiht im oberen Raum der Galerie, eine halbe Tonne schwer. Was sich daraus entwickelt und wie es sich mit den fotografischen Arbeiten der Künstlerin verbindet, darauf sei sie selber gespannt, sagt Gabriela Falkner.

Das Werken vor Ort ist auch sonst Programm des Jubiläumsanlasses – in der improvisierten Musik von Stimmsaiten (16. August), bei Nathalie Hublers Theaterimprovisationen (21. August) oder im literarischen Ad-hoc-Abend vom 20. August: Rebecca Schnyder schreibt live, Matthias Flückiger liest sofort.

Ein Memento für Hansjörg Rekade

Die Erinnerung liegt sehr weit zurück – an die Gründung der Galerie vor über 40 Jahren, damals der erste selbst betriebene Ausstellungsraum für regionale Künstlerinnen und Künstler. Einer der Initianten und langjährigen Inspirationsköpfe der Galerie hätte sich an der jetzigen Jubiläumsaktion zur 300. Ausstellung bestimmt gefreut: Hansjörg Rekade. Er ist vor zwei Wochen in Speicher zu Grabe getragen worden. An ihn zu erinnern, hätte dem Jubiläumsprogramm gut angestanden.

Das komplette Programm: klostermauer.ch

Bilder: Marcel Winter / Gabriela Falkner

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