Die Erinnerung liegt weit zurück – an den heissen Sommer 1980: Jugendunruhen in Züri und anderswo, Gurkensalat statt Staat und fliegende Pflastersteine. Heute ist die St.Galler Altstadt fast flächendeckend mit Bsetzisteinen verschönert und verbetoniert, aufs Werfen käme niemand mehr, und auch die Zeughausgasse am Ostrand der St.Galler Altstadt ist schmuck neu gepflästert.
Immerhin hat sie dem Druck, zum teuren Einkaufspflaster zu werden, bis jetzt standgehalten. Sie liegt etwas peripher und doch ideal – kein Durchgangsverkehr ausser Velos – und gibt sich bescheiden mit den putzigen Zweistockhäusern, die sich an die ehemalige Schiedmauer zwischen Stadt und Kloster St.Gallen drücken.
Ein guter Ort zum Festen also. Die Galerie tut es aus Anlass ihrer 300. Ausstellung gleich mit einem dreiwöchigen Gassenprogramm.
Arbeiten vor Ort und auf der Gasse
Die Idee entstand im sechsköpfigen Vorstand der nicht kommerziellen, von einem Verein getragenen Künstler-Galerie: raus aus den engen Ausstellungsräumen auf die Gasse. Dort heizten am Eröffnungs-Freitagabend die fünf Musiker von Pätschwerk dem Publikum mit ihrem gewitzten Allerlei von Gypsie, Folk, Blues und Improvisationen ein. Heute Samstag arbeitet Steinbildhauer Roland Stiefel und spielt Eibish auf der Gasse, bis zum 30. August geht es dann weiter mit Zaubereien, Musik, Literatur, Jazz oder einem Kinoabend des Cineclubs.
Die umgekehrte Bewegung – von der Gasse hinein ins Lokal – hat sich Gabriela Falkner vorgenommen. Sie arbeitet während der drei Wochen an einem Projekt mit dem Titel «In der Alltäglichkeit bin ich daheim». Vorderhand sieht man erst das Material: Pflastersteine, akkurat aufgereiht im oberen Raum der Galerie, eine halbe Tonne schwer. Was sich daraus entwickelt und wie es sich mit den fotografischen Arbeiten der Künstlerin verbindet, darauf sei sie selber gespannt, sagt Gabriela Falkner.
Das Werken vor Ort ist auch sonst Programm des Jubiläumsanlasses – in der improvisierten Musik von Stimmsaiten (16. August), bei Nathalie Hublers Theaterimprovisationen (21. August) oder im literarischen Ad-hoc-Abend vom 20. August: Rebecca Schnyder schreibt live, Matthias Flückiger liest sofort.
Ein Memento für Hansjörg Rekade
Die Erinnerung liegt sehr weit zurück – an die Gründung der Galerie vor über 40 Jahren, damals der erste selbst betriebene Ausstellungsraum für regionale Künstlerinnen und Künstler. Einer der Initianten und langjährigen Inspirationsköpfe der Galerie hätte sich an der jetzigen Jubiläumsaktion zur 300. Ausstellung bestimmt gefreut: Hansjörg Rekade. Er ist vor zwei Wochen in Speicher zu Grabe getragen worden. An ihn zu erinnern, hätte dem Jubiläumsprogramm gut angestanden.
Das komplette Programm: klostermauer.ch
Bilder: Marcel Winter / Gabriela Falkner
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.