Kategorie
Autor:innen
Jahr

Ein Jahr ohne Hummler

Zuerst redete er viel und auf allen Kanälen. Dann schwieg er zu allem: Zu den Vorwürfen aus den USA, zu seiner Rolle, zum Verkauf der Bank an Raiffeisen. Nur noch Schweigen zwölf Monate lang. Natürlich aus prozesstaktischen Gründen. Am 3. Januar 2012 hatte die Staatsanwaltschaft des South District von New York drei Wegelin-Mitarbeiter angeklagt. Am […]
Von  Andreas Kneubühler

Zuerst redete er viel und auf allen Kanälen. Dann schwieg er zu allem: Zu den Vorwürfen aus den USA, zu seiner Rolle, zum Verkauf der Bank an Raiffeisen. Nur noch Schweigen zwölf Monate lang. Natürlich aus prozesstaktischen Gründen.

Am 3. Januar 2012 hatte die Staatsanwaltschaft des South District von New York drei Wegelin-Mitarbeiter angeklagt. Am 27. Januar 2012 war die Privatbank bereits Geschichte. Raiffeisen bezahlte für Notenstein je nach Quelle zwischen 360 oder 550 Mio. Franken. Zum Gewinn der beiden Teilhaber Konrad Hummler und Otto Bruderer kursieren diverseste Zahlen. Hier ein paar davon: Hummler und Bruderer sackten je rund 70 Mio. Franken ein. Weitere 40 Mio. Franken wurden in Form von Rückstellungen für allfällige Strafzahlungen reserviert.

Danach sass Hummler in seiner Wegelin-Villa an der Museumsstrasse 1 oder in seinem Haus in Teufen, wartet auf sein Comeback, sagte nichts mehr und machte – was?

Einen Gerichtstermin in New York liess er verstreichen. Gegen die Zustellung einer Vorladung klagte Hummler bis vor Bundesgericht – und verlor.

In der Kirche von Teufen liess er sich zu einem «Gespräch an der Kanzel» einladen. Thema? Werte.

Er war Ehrengast der Zunft zum Kämbel am Zürcher Sechseläuten.

Hummler verlor seinen Posten als NZZ-Verwaltungsratspräsident, blieb aber im Verwaltungsrat (zusammen mit Karin Keller-Sutter). Er sitzt auch weiterhin im Verwaltungsrat der Bühler AG.

Hummler setzte beim Finanzblog «Inside Paradeplatz» eine Gegendarstellung durch. Dort war behauptet worden, er habe einen Teil der Kaufsumme seinen Mitarbeiter verschwiegen und das Geld «still und heimlich in den Sack gestopft». Alles «unwahr», schrieb Hummler.

So oder anders verstrichen zwölf Monate. Als dann wieder geredet wurde, redete ein anderer. Es war Otto Bruderer, der vor dem Gericht in New York ein Schuldeingeständnis ablegte und damit den Ablass besiegelte, der 74 Mio. Dollar kostet. Damit ist der Fall für die USA strafrechtlich erledigt. Dem Vernehmen nach soll es auch Bruderer – und nicht Hummler – gewesen sein, der Ende 2012 mit Raiffeisen-Vincenz über den Verkauf verhandelte.

Was macht jetzt Konrad Hummler? Nimmt er wieder das Megaphon hervor? Folgen jetzt die Interviews in der Sonntagspresse, in denen er dem Bundesrat, der Finma die Schuld am Ende der Bank gibt?

Vielleicht besser nicht.

Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien gilt der Deal nur für Bruderer und Hummler. Nicht aber für die drei angeklagten Wegelin-Angestellten. Vielleicht fehlten ihnen die Millionen für einen Ablass?

Eine der letzten Meldungen zu Wegelin stammt wiederum von «Inside Paradeplatz». Ein Mitarbeiter der früheren Wegelin-Filiale in Lugano ist verhaftet worden. Ihm wird Betrug und Veruntreuung vorgeworfen. Offenbar geht es um Währungsspekulationen, Monate vor dem Ende der Privatbank.

Vielleicht liegt noch mehr unter dem Teppich?

Würde das jemanden überraschen?

 

 

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online