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Ein schwerer Job

Sonia Abun-Nasr wird neue Kantonsbibliothekarin in St.Gallen. Kein leichter Job. Zuerst warten Kürzungen und Abbau. 

Von  Ralph Hug

Die 47jährige Stellvertreterin von Cornel Dora wird künftig die Kantonsbibliothek leiten. Sie wurde eben vom Regierungsrat gewählt. Dora wechselt bekanntlich im kommenden November an die Stiftsbibliothek. Da Sonia Abun-Nasr erst seit einem halben Jahr in St.Gallen arbeitet, darf von einem steilen Aufstieg gesprochen werden.

Was die neue Leiterin im eigenen Betrieb vorfinden wird, ist allerdings noch ungewiss. Vom so genannten «Entlastungsprogramm», dem Abbau staatlicher Dienstleistungen unter dem bürgerlichen Spardiktat, ist auch die Kantonsbibliothek betroffen. Kredite werden gekürzt, Stellen abgebaut, es gibt sogar Entlassungen.

Für rund 600’000 Franken kann die Kantonsbibliothek neue Bücher pro Jahr anschaffen. Künftig sollen es nur noch 500’000 Franken sein. Weniger Lesestoff fürs Publikum ist die direkte Folge.

Auch im «Zentrum für das Buch» (Zebu), einem Prestigeprojekt aus den Nullerjahren, weht die Fahne auf Halbmast. Dies aber schon länger. Die Bestände des Deutschen Bucharchivs von München, die einst mit grossem Brimborium nach St.Gallen gezügelt wurden, hängen weitgehend unbewirtschaftet in den Regalen, nachdem die Deutschen ihre Verpflichtungen in der Stiftung nur noch minimal wahrnehmen. Nun will es ihnen St.Gallen gleichtun. Wird das durchgezogen, ist das Zebu so gut wie tot.

Auf- statt abgebaut wird nur im neuen Provisorium in der Hauptpost. Die neue, gemeinsame Bibliothek von Kanton und Stadt soll in einem Jahr aufgehen. Typisch St.Gallen: Mit minimalsten Mitteln und gegen alle Widerstände muss ein zukunftsträchtiges Projekt aufgebaut werden. Wenigstens können es die bildungsfeindlichen Obersparer von SVP und FDP im Kantonsrat nicht mehr verhindern.

Der Regierungsrat schreibt: «Das bibliothekarische Angebot, das im Rahmen der Beratungen zur Bibliotheksinitiative und zum neuen Bibliotheksgesetz insgesamt als ungenügend und unterdurchschnittlich beurteilt wurde, wird weiter reduziert statt verbessert.» Ein fatalistisches Statement. Wo bleibt eigentlich der Widerstand der Exekutive gegen den von rechts verordneten Staatsabbruch?

Tatsächlich eine schwere Aufgabe für Sonia Abun-Nasr. Ein Wunder, dass sich überhaupt jemand für diesen Job gemeldet hat.

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