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Doppelkonzert "Fünf Jahre und mehr Palace"
mit DJ's: Palace Associates Stanley, M.B. Un, Hangar & Rücktritt
Real Estate steht im Englischen für Immobilien, Grundbesitz, Ländereien. Die gleichnamige Band aus den Vororten von New Jersey spielt befreite Auswege aus trügerischen Konstrukten. Ihre Bewegungen gehen leichtfüssig in die Vergangenheit, um auf utoptische Zukunftsentwürfe zu stossen. Ihr ausgefeilter Postrock erinnert an fantastische 80er-Gitarrenbands wie die englischen Felt und Smiths, aber auch an The Sea and Cake und natürlich ihre älteren Staatsgenossen The Feelies. Hier gehts nicht um Kraftmeierei, sondern um sanftmütige Intuition und grosses Zauberwissen. Und um eine jederzeit offene Auslegung: «Wir forcieren nichts» sagte die Band unlängst, «wir könnten sogar mal ein elektronisches Album machen. Aber die Texte würden noch immer von Häusern handeln, haha.»
Hinter Shabazz Palaces steckt ein Rapper alter Schule, der seinem Genre neue Ideen liefert. Mit den Digable Planets hat es Ishmael Butler alias Butterfly Anfang der Neunziger zu Kultstatus gebracht. Knapp zwanzig Jahre später macht er zusammen mit Percussionist Tendai Maraire unter dem Namen Shabazz Palaces Musik, die man nicht mehr für möglich hielt, seit das visionäre Hip-Hop-Label Anticon an Schärfe verloren hat. Auf der Höhe der Zeit rappt Butler über vertrackte, aber ebenso groovende Beats, zu afrikanischen Rhythmen und Einflüssen aus dem Dubstep. Black up für die schäbigen Paläste!
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FÜNF JAHRE UND MEHR PALACE
Es begann in anderen Räumen. Ihr Abbruch war beschlossen, aber noch nicht ausgeführt. Wir baten die zuständigen Stellen um eine Zwischennutzung. Die zeitliche Beschränkung sollte inhaltliche Beweglichkeit bringen, die Nutzung nicht abschliessend sein. Wir liefen uns in der Frohegg über den Weg, der Quartierbeiz im St.Galler Bleicheli- und heutigem Bankenquartier, später im Hafenbuffet in Rorschach mit weiter Sicht auf den See. In einer Winternacht trafen sich zwanzig Leute. Ein kostspieliger Umbau des ehemaligen Kinos Palace war im St.Galler Parlament gescheitert. Wir wussten, es war die letzte Möglichkeit, einen Fuss in die Tür zu stellen. Am Ende einer verrauchten Nacht war der Plan ausgeheckt.
Das Palace wurde 1924 vom Elektromonteur Jules Schulthess errichtet, Architekt war Moritz Moses Hauser. Eine Trutzburg des Fortschritts, erbaut mitten in der depressiven Textilkrise. Der elegante Bau sollte dem Bürgertum die Angst vor den Filmen nehmen. Die Eröffnung wurde mit der ersten Solotänzerin der Staatsoper Wien gegeben.
Die Wiedereröffnung feierten wir am 27. Oktober 2006 mit einer Wiener Gala. Ein zweijähriger Probebetrieb lotete eine mögliche Nutzung aus. Danach stimmte das Parlament einer Sanierung zu.
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Unser Betrieb fällt in ein Jahrzehnt, das im Rückblick die Bezeichnung Nullerjahre erhielt und sich durch die Schliessung auszeichnet: In dieser Stadt wurde ein Polizeireglement eingeführt, mit dem einzelne Menschen von öffentlichen Plätzen weggewiesen werden können. In der Schweiz führte die fremdenfeindlichen Hetze zur Annahme der Ausschaffungsinitiative, weltweit tobte der Krieg gegen den Terrorismus. Grenzenlos war einzig die Ökonomisierung aller Gesellschaftsbereiche. Die Finanzkrise nahm ihren Anfang in Hypotheken fürs Eigenheim. Es könnte ein Hinweis sein, dass die gesellschaftliche Alternative in öffentlichen Räumen liegt. Wir wollen einen zentralen städtischen Raum aus der kommerziellen Verwertungslogik nehmen. Unsere Musik, das Fest und die Politik sind der Versuch, Offenheit herzustellen. Deshalb gibt es auch keine Türsteher.
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Wir lauschen allen möglichen Stilen. Wir mögen die Ränder und die Ausfransungen, den Blick zurück und für Grüsse nach vorn. Gespielt haben, und viele mehr: Animal Collective, Dirty Projectors, Caribou, The Very Best, Omar Souleyman, Theo Parrish, Television Personalities, The Monochrome Set, Lee Scratch Perry, Of Montreal, The XX, Joan As Police Woman, Sole, Dälek, Themselves, Jeffrey Lewis, Ja, Panik, Stahlberger. Für die Theoriebildung ist die Erfreuliche Universität zuständig, erkennbar durch ein Banner, das jeden Dienstag über der Bühne gehisst wird: Behandelt werden historische, politische Themen. Zunehmend interessieren wir uns für soziale Beziehungen, und was sie für unseren Betrieb bedeuten: Lohnarbeit, Queertheorie, Interkultur. Es gibt keinen Ursprung, nur den ständigen Anfang. Und die Auflösung im Fest. Soul Gallen und die weiteren Nachtbars machen das Palace zum Tanzsaal: Get dressed and put your dancing shoes on!
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Für die demokratische Abstützung haben wir den Betriebsverein zur Association Palace St.Gallen erweitert. Die ersten fünf Jahre Palace feiern wir etwas verspätet. Wobei das Verpassen des Jubiläums zu unserer Idee passt: So feiern wir fünf Jahre Palace und mehr. Statt nacheinander, bringen wir am 24. Februar 2012 an einem Abend zwei Bands zusammen, die unterschiedlich sind in der Musik aber ähnlich in der Haltung – und erst noch Häuser zum Programm erklären: Real Estate und Shabazz Palaces.
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Freundliche Grüsse an alle KünstlerInnen, die den Weg hierher fanden, manche mehr als einmal. An die ZuschauerInnen aus dem ganzen Land und von hinter der Grenze, die in den letzten Jahren an die Anlässe gekommen sind. An alle MitstreiterInnen, die beim Betrieb mitgeholfen haben. Wir sprechen hier von wir. Das Palace ist ein loses Bündnis. Dazu gehört, wer auch immer sich für die Musik, das Fest und die Politik interessiert, um die es hier noch gehen könnte. Gerade auch die Jugendlichen am Stadtrand und im weiteren Hinterland, die unsereSignale empfangen und sehr wohl verstanden haben. Freundinnen und Freunde der Nacht, wir treffen uns.
Friede den Hütten!
Infos:
| Türöffnung: | 20:00 Uhr | | Beginn: | 21:00 Uhr | | Preis VK: | Fr. 27.- | | Preis AK: | Fr. 25.- |
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Art / Stil:
Musik
Links:
- shabazz palaces - shabazz palaces, facebook - real estate - real estate, myspace
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