| Dieser Tage begeht die Buchhandlung Comedia in der Katharinengasse in St. Gallen ihren fünfundzwanziger. Schon wieder einer, eine, eines, denkt man sich, 25 Jahre, was für eine lange Zeit und wie schnell sie um war, und langsam dämmert einem, dass man zum Zeitzeugen wird und während Buchhandlungen, Kinoks usw. 20, 25, 30 werden, wird man selbst 50 oder gar 60, und das ist irgendwie nicht fair, aber immerhin - tröstlich - ein untrügliches Zeichen dafür, dass man noch am Leben ist. Die Comedia liegt ein bisschen tief. Unter dem Marktplatz sozusagen, an einem gesegneten Ort, der in den siebziger Jahren weltberühmt war, denn dort gab es das "Aff", das Africana, in dem die ruhmreichsten Rockbands der Welt losorgelten, und dort war auch das "Goliath", und um die Ecke der "Rehbock", das Bermudadreieck der Selbstauslöschung, das damals eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich ausübte. Aber wie auch nicht? Rockmusik, Drogen, Alkohol, Gewalt und Kundi-Sprache. Rotwelsch. "He, Gaschi, im Kober chasch dänn nöd's Blatt legge!" Und man pumpte sich gegenseitig "än Schnägg, ä Fäderä, äs Pfund, äs Schitt, oder gar "äs Blatt". Und dann die reizendste Anmache der Ladys in den hohen Stiefeln: "He, Jogg, wotsch no vogle?" Wer kann da widerstehen? Nun, wäre das alles in Wien, wäre es immer noch so. Aber wäre dieser Ort in Wien, gäbe es keine Comedia Buchhandlung. Denn es gibt in Wien keine Buchhandlungen. Es gibt Läden, Zwitterwesen aus Ramsch- und Bioläden (Abgesehen von den an einer Hand abzuzählenden Ausnahmen), die Bücher verkaufen. Stefansdomhohe Stapel Donna Leon und andere Sakrileg- Bestseller, und Regale voll von österreichischer Bioproduktion, und das wars dann. Kulturschock. Die ham ja nix, dachte ich. Ja, Kafka, aus dem sie einen Ösi gemacht haben, wie aus Beethoven. Aber wo waren all die neuen Titel aus den USA, Afrika, Frankreich usw., in die man in der Comedia regelrecht stolperte? Wo war das alles? Wo waren die guten Bücher, die nicht soviel Staub aufwirbelten? "Ham wer nicht." Es nervte. Ohne Amazon ist einer wie ich in Wien verloren. Warum sollte ich eine Buchhandlung aufsuchen um dort einem widerstrebenden Buchhändler eine Bestellung zu übermitteln? Sie haben recht, es gibt einen Grund: Körperliche Bewegung soll gesund sein. Ich würde mir eine Comedia Dependance in Wien wünschen, am besten gleich um die Ecke, oder vielleicht doch ein wenig weiter weg, denn so Bücher können richtig ins Geld gehen. Das ist, zugegeben, vielleicht ein kleiner Nachteil. 25 Jahre Comedia Buchhandlung! Ich gratuliere den Genossenschaftern und den Betreibern und ich freue mich über so viel Durchhaltemumm und ich bin stolz darauf, dass meine allererste öffentliche Lesung vor 21 Jahren in eben diesem Laden stattfand. I remeber well. Hoch die Tassen! Auf die nächsten 25! Die packt ihr auch noch! |