| ... mit Florian Vetschs Gesang auf die kommenden Wochen: Sommer ist, wenn der Mai blitzt und der Juni noch mehr. Dann wirdes irgendwann ganz Sommer. Und der Sommer hört auf zu sein, wenn der September das Gelb und die Röte einrichtet. Sommer ist ein Gefühl, das sich ausweitet. «Summertime», krächzte Janis Joplin (nach Gershwin), «and the livin’ is easy, fish are jumpin’, and the cotton is high ...» Ja, das Libretto bestimmt dieses Gefühl ziemlich genau, mit zureichender Präzision auf jeden Fall, auch wenn wir hier keine fliegenden Fische, keine Baumwollfelder haben. Und Rilke befestigte im Oberengadin den Vers: «Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.» Gross ist der Sommer, grösser vielleicht noch der Herbst und kraftvoller sicher der Frühling, je nachdem, wie man es nimmt. Aber der Sommer hat seine in sich ruhende Grösse. Stehendes Jetzt. Zum Beispiel in der Gewissheit: Morgen ist es zweifellos schön, aber nicht nur morgen, sondern überhaupt, auch übermorgen und überübermorgen ist es schön, und nächste Woche eh, ja, es hört überhaupt nicht mehr auf, schön zu sein. Das ist Sommer. Sommer ist hier in der Ostschweiz nicht jedes Jahr. Hier macht sich der Sommer rar. Deshalb begehren wir ihn so sehr. Sommer ist das Gegenteil von Winter, wie Mittag das Gegenteil von Mitternacht ist und Süden das Gegenteil von Norden. Sommer ist ein Gefühl, das sich ausweitet. Sommer ist ekstatisch und wendet alles nach aussen, ist Ausgang, ein Hinausgehen, wobei wir nicht wissen, wohin es mit uns geht. Sommer ist Liegen auf der Wiese unter dem Verhoffen, dem Innehalten der Äpfel. Liebe am Nachmittag bei halb geschlossenen Jalousien. Die Luft steht. Sommer ist die jähe Stille im Gebrüll der Zikaden, eine Panik aus dem Nichts. Sommer ist, wenn ob der Hitze alle früher Feierabend machen, wenn der Asphalt nach dem Platzregen dampft oder wenn einem in der Ebene weit vorne auf der Autostrasse eine Fata Morgana eine Wasserfläche vorgaukelt. Hundstage. Wolkenloses Blau. Sommer ist unter blutten Füssen. Mitten in der Nacht kommt das Gewitter und am Morgen gibts satten Tau. Die Hitze auf dem Blechdach oder – un autre été. Maintenant. Dies ist die Zeit. Adesso. Jetzt. Gib uns das. Right now. Gib uns dies. Debbah. Gib uns Sommer. Weitere Sommergeschichten im aktuellen «Saiten»; hier zu bestellen. |
| | Mitreden |
| | | | 01 | andreas, Dienstag, 21. Juli 2009, 20:10
der sommer ist längst vorbei. "livin is fiesi, fishs are drinking and neighbors voice is high"Mit besten Grüßender Realist |
| | | | | 02 | Hypochonder, Donnerstag, 23. Juli 2009, 18:34
Hoi Saiten Hab dich als üppige Doppelsommernummerausgabe während meinem Schlammverpackungskuraufenthalt in Abano Terme (I) grad lesenderweise gegeschleckt. Ausser Sand kauen und Schlickschlürfen gabs hier ja nichts besseres zu tun. Eine Gelati Motta am Stiel wäre mir natürlich schon lieber gewesen als Saiten um Seiten zuz zerlesen.Was solls. Trotzdem ein Schlammgruss aus den Gsundheitsferien. |
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