  | Ein Wochenende in dieser Stadt |
| 21.09.2008, 16:39 Uhr |
| Volksfeind – Brühl gegen GC – Fest fürs CaBi – Rock im Villenkeller
Nicht nur Konzertbefehle ereilen einem, sondern immer häufiger, in diesem Fall von Hauptdarsteller Schäfer unverhohlen im Tagblatt geäussert, auch Theaterbefehle: Hin also rasch am Freitagabend ins Stadttheater zur Volksfeind-Premiere! Kann man wirklich wie ins Kino, Billette gibt es immer noch eines an der Abendkasse, das billigste für 17 Franken. Zum Stück: Ein Kurbad soll einer norwegischen Küstenstadt die glänzende Zukunft bringen, doch die Quelle ist vergiftet. Der Kurarzt hat den Beweis, wird erst zum Kritiker und, weil ihm niemand glauben will, zunehmend zum Fascho: Schäfer spielt den Volksfeind je besessener desto besser. Das Stück selbst ist reduziert inszeniert, erinnert gar, wir sind ja im Norden, an einen Dogma-Film: Eine Regel besagt, dass die Musik nur spielen darf, wenn sie im Bild ist. Auf der Bühne hier sind meist zwei Blechbläser, sorgen für Stimmung, überbrücken das Schweigen - klasse! Eine der besten Szenen: Als Schäfer das Getute nachahmt und so das ganze Spiel entlarvt. Trotzdem bleibt am Ende der Eindruck, das Stück sei etwas gar texttreu inszeniert: Warum nicht die eine oder andere Anspielung in die stets auch vergifteteGegenwart? Vielleicht hat Regisseur Martin Schulze auch nicht unrecht: In diesem Volksfeind aus dem Jahr 1882 dräunt das ganze kommende Jahrhundert, kann sich ja jeder seine eigenen Gedanken machen dazu.
Nach warmem Applaus hinaus in die Nacht, erst einmal in den Engel, wo die Kellnerlegende Hampe Hohl seinen letzten Abend gibt. Und wir heben unser Glas. Oben spielen Kabel aus Zürich deutsche Chansons, unten sagt Hampe: Wir sehen uns weiterhin, vor der Bar. Weiter in die Tankstell, da werden die ersten Klangschau-Festspiele gegeben – die Radiosendung wird vier Jahre alt. Bei der Ankunft tragen sie eben den Töggelikasten raus, die Bar und auch der Kiesvorplatz mit Grill sind überfüllt. Aber die Frisuren sitzen. Zum Glück ist eine der subversivsten Frauen dieser Gegend da. Sie spricht zum Thema Eltern und Esoterik, wir trinken tapfer.
Am Samstag ist Vangelos allein in seinem Griechencafé, wo gleich unten an der Strasse das Meer beginnt. Er blickt übers Wasser und sagt wenig. Kein gutes Zeichen. Trotzdem mit dem Zug nach St.Fiden, und hinauf, nicht ins Espenmoos, sondern auf die andere Seite ins Paul-Grüninger-Stadion. Seit einigen Jahren probiert man hier so etwas wie den anderen Fussball, fern von den Arenen mit ihrem Plastikgeld. Das grosse Cuplos gegen GC ist der Höhepunkt dieser Bemühungen. Und so kann man wieder durch ein Quartier gehen, von fern die Fangesänge hören. Nur Verkehrspolizisten in Sicht. An der Kasse gibt es ein Matchprogramm, in dem Pedro Lenz schreibt. An den Banden stehen Quartierschnäuze, Ex-Jugoslawen, Stadtparlamentarier auf letztem Stimmenfang. Viele GC-Fans. Und viele kleine, aufgeregte Jungs. 1700 Zuschauer. Die Spannung hält nicht lange. Wer fünf Minuten zu spät kommt, hat schon das erste GC-Tor verpasst. In der Pause steht es 0:4. Ein Lob trotzdem für Goalie Steuble und seine Paraden, es hätte ärger kommen können. In der zweiten Hälfte fängt sich Brühl, das Spiel endet 0:5. Ein Zürcher Familienvater meint am Schluss: Er hätte dieses Brühl schon stärker erwartet. Fragt sich, wo die Stärke liegen soll. Aus dem Lautsprecher heisst es, in der Eintracht an der Rorschacherstrasse gäbe es noch für jedes Billet ein Bier oder ein anderes Getränk. So soll es sein.
Zurück in der Stadt in die Grabenhalle: Der CaBi-Antirassismustreff im Linsebühl, wo seit den Asylverschärfungen täglich für NEE gekocht wird, feiert sein 15-jähriges Bestehen. Die Halle ist voll, Etrit Hasler slamt zur Ausländerpolitik. Als er fertig ist, gratuliert ihm ein black man: Das war genau meine Meinung. Der Palaceprogrammierer weiss, dass in Rotmonten in einem Villenkeller noch All Ship Shape spielen. Absurditäten sollte man nie verpassen. Oben angekommen, öffnet sich die Tür zu einer College-Party. Ein Hausherr trägt einen Zylinder und einen Stock, eine Hausherrin hat sich Flügel montiert. «Aufstand im Schlaraffenland» ist das Partymotto der HSGler. Wohl aus Anlass des Börsencrash. Die Villa haben sie sich zu fünft gemietet, kostet nur 500 Franken für jeden. Die Band spielt laut, die Schlaraffenkinder tanzen – kommt eigentlich noch jemand draus, was wie wo zusammengeht und was nicht? Was auffällt ist bestenfalls: Alle kleiden sich immer androgyner. Zurück in der Grabenhalle ein paar gute alte Freunde getroffen. Eine hatte Kräuter dabei, sie hielt sie sich unter die Nase. |
| Bühne, Musik, Querfeldein, Stadtraum Heinrich Kieber
1 Kommentar |
| | Mitreden |
| | | | 01 | Fraxenet, Montag, 22. September 2008, 14:24
hoast's manürenschreibst satürendas weekend verfplanschtden zoaltag verpanschtsoag ma's gschwindmachst's an grind? |
| |
|
  | Tagestipps aus dem Saiten-Kulturkalender |
| | | Stress |  |
| | Freitag, 10. Februar 2012, 20:00 Uhr | | Casino Herisau, Herisau | | | mehr |
|
| | | The Chap |  |
| | Freitag, 10. Februar 2012, 20:00 Uhr | | Kraftfeld, Winterthur | | | mehr |
|
| | | PEGASUS |  |
| | Freitag, 10. Februar 2012, 21:00 Uhr | | Grabenhalle, St. Gallen | | | mehr |
|
| | | Struboskop Klopfkonzert |  |
| | Freitag, 10. Februar 2012, 22:00 Uhr | | Club Conrad Sohm, Dornbirn | | | mehr |
|
| | | Keine Aussicht auf ein gutes Ende - Trainingslager |  |
| | Freitag, 10. Februar 2012, 20:00 Uhr | | Eisenwerk, Frauenfeld | | | mehr |
|
| Alle Kulturveranstaltungen in der Ostschweiz: Saiten-Kulturkalender |
| |