Hühner.Habichte
05.01.2010, 10:45 Uhr
Uraufführung. Man darf Worte zum ersten Mal gebrauchen, benutzen, bespielen. Niemand hat vorher diesen Text inszeniert. Es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten. Keine Inszenierung von berühmten Regisseuren an noch berühmteren Theatern. Man wagt sich raus in die offene See. Obwohl, vergleichen würde ich diesmal schon gerne.
Zur Handlung des Stücks: Hühner werden von Habichten angegriffen und eins nach dem anderen abgemurkst.
Nun gut. Es gibt keine echten Hühner, Eier, Federn oder dergleichen auf der Bühne (hab ich da gestern richtig gehört? Die Kollegen "Wichtigtuer" haben auf der großen Bühne eine echte Ziege im Stück? Ich habe, während unserem Durchlauf im Studio, auf der Seitenbühne was bimmeln hören ...), bloss wir Schauspieler und eine Geschichte, die hauptsächlich in unseren Köpfen lebt. Und so könnten diese Hühner und Habichte für vieles stehen.
Wir haben vor vier Wochen angefangen zu proben. Das Stück kannte ich schon von der szenischen Lesung bei den St.Galler Autorentagen im Juni 2009. Ich wusste also, was mich textlich erwartet: viele Monologe, viele Sätze die ähnlich klingen, weil in jedem zweiten Satz das Wort Huhn oder Habicht vorkommt. Aber wie nun das Ganze in den Körper bringen, auf die Bühne? Ich bin natürlich, wie auch meine anderen Kollegen, realistisch und psychologisch (Stanislawski wäre stolz auf mich gewesen) an die Sache rangegangen. Aber die Frustration hatte schon nach drei Tagen ihren Höhepunkt erreicht. Also, weg mit der ganzen Psychologie. Rein in das Absurde und in die Verfremdung. Totales Neuland für mich. Ich habe gemerkt, dass auch ich dazu neige eine Schiffsschauspielerin zu sein.
Kurze Anekdote von meinem Schauspiellehrer in Wien, den hochgeschätzten Peter Hofer. Er meinte, Schauspieler die sich auf der Bühne an Requisiten und Bühnenbild festhalten oder sich dahinter verstecken, weil sie nicht einfach nur "nackt", also als Schauspieler mit dem Text, dastehen können, bewegen sich, wie wenn sie auf einem Schiff stehen würden. Schiffsschauspieler eben. Soviel dazu.
Aber man will ja als Schauspieler seine Grenzen ausloten, sich in die unbekannte See stürzen und keine 08/15-Schublade ziehen. Ich werde also dastehen, auf blanker Tapete ... und werde um die Hühner kämpfen als gäbe es kein Morgen, als ginge es um Leben und Tod. Theater ist Behauptung. Und so könnte ich auch aus dem Telefonbuch lesen. Hauptsache ich lasse mich darauf ein, tauche ein und springe ins kalte Wasser.
Also bis Freitag, 8. Jänner, 20 Uhr, Studio Theater St. Gallen.
Und wer sich "Hühner.Habichte" anschaut, kriegt für "Der Wichtigtuer" eine Karte zum ermäßigten Preis. Ne, umgekehrt. Ne, wie jetzt?! Puttputt.
  Bühne, Geschichten aus dem Bunker      Andrea Haller
  2 Kommentare
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01 Magdebürger, Donnerstag, 7. Januar 2010, 17:58

Dann rein ins kalte Wasser und viel Spaß beim Schwimmen in der Absurdität!
02 mägdeburger, Sonntag, 10. Januar 2010, 02:10

Dann ran an die Eier!!!! putt putt putt putt


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