Merz ist nicht Ali Baba, aber...
09.09.2009, 10:17 Uhr
40 libysche Revolutionsjahre sind nicht 40 Räuber und ein Vertrag über die Freilassung von zwei Geschäftsleuten ist auch kein automatisches "Sesam-öffne-dich".
Aber der vorerst bei Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi abgeblitze Bundespräsident Hans Rudolf Merz kann trotzdem noch der "Ali Baba der Schweizer Diplomatie" werden, denn viele Geschichten lassen sich in 1001 Nacht in der libyschen Wüste erzählen. Zum Beispiel diese: Vor langer, langer Zeit als Libyen noch in aller Welt geächtet war, gab es Freunde am Bodensee; die Flug- und Fahrzeugwerke FFA in Altenrhein. Sie lieferten (gegen gutes Geld) Flugzeugbestandteile in das Land und erledigten Wartungsaufträge der libyschen Luftfahrt. Die Gier nach Gaddafis Petro-Dollars war 1994 sogar den Bruch des UNO-Embargos (Lockerbie) wert. Die FFA-Verantwortlichen nahmen die gerichtlichen Sanktionen (Bussen) getrost in Kauf.
Eine andere Libyen-Geschichte schrieb die Privatklinik am Rosenberg in Heiden (AR). In den 1980-er Jahren war Gaddafi in den äusserst grausamen Tschad-Krieg verwickelt. Seinen Soldaten war er kein schlechter Dienstherr und liess Dutzende von Kriegsversehrten im Vorderländer Kurort behandeln. Die libysche Botschaft in Bern leistete die Kostengutsprachen.
Vielleicht besitzt ja Bundespräsident Merz Aladins Wunderlampe, nur weiss es noch keiner. Natürlich, es ist reiner Zufall, aber der persönliche Mitarbeiter von Merz ist niemand anders als der Enkel von FFA-Gründer Claudio Caroni (1907 - 1984). Vielleicht müsste man an dem jungen Mann gar nicht erst reiben, um den Wunsch nach Freilassung der beiden Schweizer Geschäftsleute in Erfüllung gehen zu lassen, sondern ihn nur mal kurz vorstellen, und die Erinnerungen an die lieben Schweizer aus schweren Zeiten würden in Tripolis wieder wach... Sesam öffne dich.
  Politik      Harry Rosenbaum
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01 hansdampf, Mittwoch, 9. September 2009, 11:21

Weshalb nur werde ich den Gedanken nicht los, dass es bei den «Verhandlungen» von Merz in Tripolis eher um Libyens Milliarden auf den Schweizer Konten ging? Für zwei Menschen werfen sich Machtpolitiker ansonsten ja nicht so schnell in den Sand. Und ob ein Teil dieser Gelder wohl auch auf UBS-Konten liegen (oder lagen)? Für diese drei Grossbuchstaben entwickelt Herr Merz schon seit einigen Jahrzehnten einen besonderen Aktivismus.
02 man of constant sorrow, Mittwoch, 9. September 2009, 18:48

Meister Merz ist der "hässliche Schweizer", wie ich ihn für ausgestorben hielt. "Bornierte Lakaien", wie Alexander Solschenyzin in den siebziger Jahren über die sich dem Kapital anbiedernden Schweizer urteilte. Der "Blick" veröffentlichte daraufhin, als Replik gewissermaßen, Solschenyzins Steuerbescheid.


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