Minarett-Initiative tausend Jahre zu spät
28.09.2008, 12:43 Uhr
St.Gallen war vor tausend Jahren ein Fixstern der europäischen Kulturgeschichte: aufstrebendes Kloster, hochgebildete Mönche, eine heilige Schriften- und Bücherburg – schlechthin die Bibliothek der Christenheit. Und dann – so um das Jahr 935 – tauchten plötzlich vor den Klostermauern diese seltsamen Gesellen auf und machten dem damaligen Abt Walto arg zu schaffen. «Die Sarazenen, deren Wesen es entspricht, in den Bergen ihre Stärke auszuspielen, bedrängten zu seinen (Anm. Abt Waltos) Zeiten uns und die Unsrigen von Süden her so sehr, dass sie unsere Alpweiden und Berge besetzten und auf die Brüder während der Kreuzprozessionen um die Stadt sogar aus nächster Nähe ihre Geschosse schleuderten.» Das schreibt der St.Galler Mönch Ekkehard IV (980 - 1057) in seiner berühmten Klostergeschichte. Sie seien wieselflink und kaum zu kriegen gewesen, berichtet Ekkehard weiter. Schliesslich habe man sie doch noch aufstöbern können, in ihrem Bergversteck. Die nicht Erschlagenen seien gefangen genommen worden. Und diese wenigen Überlebenden hätten das Essen verweigert und seien den Hungertod gestorben.

Wer waren diese «Sarazenen»? Verschiedene Geschichtsbücher und auch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) bezeichnet sie als andalusische Mauren islamischen Glaubens oder als islamische Nordafrikaner, die im 10. Und 11. Jahrhundert im heute französischen Saint-Tropez den stark befestigten Brückenkopf «Fraxinetum» unterhielten. Von dort drangen die islamischen Krieger über den Grossen Sankt Bernhard ins Wallis und über den Oberalppass ins Bündnerland vor. Belegt sind Überfälle auf das Bistum Chur und das Kloster St. Gallen. Im 11. Jahrhundert hatte der Spuk ein Ende. Die Sarazenen zogen sich nach Kriegs-Niederlagen in Oberitalien und Frankreich aus dem Alpenraum zurück.

Die SVP kommt mit ihrer Minarett-Initiative eindeutig tausend Jahre zu spät. Aber auch damals wäre das Volksbegehren höchst fraglich gewesen. Die Sarazenen waren nämlich gegenüber dem Christentum sehr respektvoll. Islamisierungsversuche sind keine belegt. Ein Dokument im Zusammenhang mit der Entführung des Abtes von Cluny (VS), Maiolus, besagt, dass einem Sarazenen-Führer (nach damaliger Sitte) von den eigenen Glaubensbrüdern ein Fuss abgehackt worden sei. Der Bedauernswerte hatte nämlich versehentlich diesen auf die Bibel des entführten und später gegen Lösegeld freigelassenen Kirchenmannes gestellt.
  Politik, Nicht zu vergessen      Harry Rosenbaum
  1 Kommentar
  Mitreden
Name:
E-Mail:
URL:
Bitte die Mitmachnummer unten
ins Code-Feld eingeben.
Code:
01 Selen, Freitag, 9. Oktober 2009, 12:05

In Ihrer Stellungnahme vom Oktober 2008 behauptet die Rassismuskommission: "Ein Minarett-Verbot schränkt das Recht der Musliminnen und Muslime ein, ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen auszuüben." Als gläubiger Moslem verletzt mich diese Aussage sehrIn Ihrer Stellungnahme vom Oktober 2008 behauptet die Rassismuskommission: "Ein Minarett-Verbot schränkt das Recht der Musliminnen und Muslime ein, ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen auszuüben." Als gläubiger Moslem verletzt mich diese Aussage sehr. Das ist eine Lüge, denn Musliminnen und Muslime können auch ohne Minarette ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen ausüben. Sie können dies in einer Moschee und in einem islamischen Gemeinschaftszentrum tun. Minarette sind keine Versammlungsräume, es handelt sich dabei um Türme. Aus diesem Grund braucht es in der Schweiz auch keine Minarette. Lasst uns Moslems doch einfach in Ruhe. Wir können unseren Glauben heute schon ohne Probleme in unseren Gemeinschaftszentren und Moscheen ausüben. Der Bau eines nicht notwendigen Minarettes verstärkt nur die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und uns Moslems. Es wird in unserem Glauben nicht verlangt, dass ein Minarett erstellt wird. Oder habt Ihr schon versucht, einen katholischen Glockenturm im Kosovo oder in der Türkei (ein zukünftiges EU Land) zu bauen? Was meint Ihr, wird wohl geschehen? Diese simplen Fragen kann jeder für sich selbst beantworten.. Das ist eine Lüge, denn Musliminnen und Muslime können auch ohne Minarette ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen ausüben. Sie können dies in einer Moschee und in einem islamischen Gemeinschaftszentrum tun. Minarette sind keine Versammlungsräume, es handelt sich dabei um Türme. Aus diesem Grund braucht es in der Schweiz auch keine Minarette. In Ihrer Stellungnahme vom Oktober 2008 behauptet die Rassismuskommission: "Ein Minarett-Verbot schränkt das Recht der Musliminnen und Muslime ein, ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen auszuüben." Als gläubiger Moslem verletzt mich diese Aussage sehr. Das ist eine Lüge, denn Musliminnen und Muslime können auch ohne Minarette ihre Religion allein und in Gemeinschaft mit anderen ausüben. Sie können dies in einer Moschee und in einem islamischen Gemeinschaftszentrum tun. Minarette sind keine Versammlungsräume, es handelt sich dabei um Türme. Aus diesem Grund braucht es in der Schweiz auch keine Minarette. Lasst uns Moslems doch einfach in Ruhe. Wir können unseren Glauben heute schon ohne Probleme in unseren Gemeinschaftszentren und Moscheen ausüben. Der Bau eines (nicht notwendigen) Minarettes verstärkt nur die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und uns Moslems. Oder habt Ihr schon versucht, einen katholischen Glockenturm im Kosovo oder in der Türkei (ein zukünftiges EU Land) zu bauen? Was meint Ihr, wird wohl geschehen? Diese simplen Fragen kann jeder für sich selbst beantworten.


zurück zum Blog


Tagestipps aus dem Saiten-Kulturkalender
:
Clowns & Kalorien - Ein Fest für alle Sinne
Donnerstag, 9. September 2010, 19:30 Uhr / (bis Samstag, 18. September 2010)
(Eschen), Eschen
mehr
:
Schaulust: Familie Flöz
Donnerstag, 9. September 2010, 20:00 Uhr
Freudenhaus, Lustenau
mehr
:
Ursus und Nadeschkin - Im Sonnensaal
Donnerstag, 9. September 2010, 20:00 Uhr
Diogenes Theater, Altstätten SG
mehr
:
Ein Teil der Gans
Donnerstag, 9. September 2010, 20:00 Uhr
Casinotheater, Winterthur
mehr
:
Standpunkt
Donnerstag, 9. September 2010, 19:30 Uhr
CoalMine, Winterthur
mehr
Alle Kulturveranstaltungen in der Ostschweiz: Saiten-Kulturkalender
 


 ALLE 
 Bühne (17) 
 Challenge Tour 08/09 (18) 
 Film (3) 
 Geschichten aus dem Bunker (18) 
 Hausmeldungen (26) 
 Literatur (7) 
 Museen / Kunst (8) 
 Musik (13) 
 Nicht zu vergessen (13) 
 Politik (97) 
 Querfeldein (78) 
 Stadtratswahlen 2012 (18) 
 Stadtraum (31) 


 OSTBLOG als RSS-Feed abonnieren 



 ALLE 
 Andrea Haller (4) 
 Andreas Kneubühler (41) 
 Beni Bischof (16) 
 Charles Pfahlbauer jr. (3) 
 Daniel Ammann (14) 
 Daniel Kehl (15) 
 Daniel Ryser (1) 
 Die Betonblogger (1) 
 Dominik Kaschke (1) 
 Harry Rosenbaum (52) 
 Heinrich Kieber (2) 
 Johannes Stieger (13) 
 Lika Nüssli (15) 
 Man of constant sorrow (13) 
 Martin Benz (5) 
 Nikolaus Benda (1) 
 Rafaël Zeier (3) 
 Red. Saiten (32) 
 Richard Zöllig (8) 
 Rolf Bossart (2) 
 Romeo Meyer (4) 
 Rubel U. Vetsch (3) 
 Tea Kolbe (6) 
 Verlag Saiten (4) 


 ALLE 
 September 2010 (1) 
 August 2010 (8) 
 Juli 2010 (1) 
 Juni 2010 (6) 
 Mai 2010 (11) 
 April 2010 (13) 
 März 2010 (18) 
 Februar 2010 (14) 
 Januar 2010 (7) 
 2009 (100) 
 2008 (80) 





 AlthussersHände v. Milo Rau 
 Andreas Niedermanns Blog 
 Die Klangschau 
 Hochparterre 
 Knapp daneben 
 Kulturstattbern (Der Bund) 
 Kulturteil Luzern 
 Nation Of Swine 
 Ostschweizblog.ch 
 Saile Kleins Wordpress 
 seemoz Konstanz 
 St.Gallen – Die Seifenoper 
 terzett.fm 
 The Roman Games Diary (NYC) 
 thurgaukultur - blog 
 Viertel Blog