Nachtschlitteln!
17.12.2008, 16:11 Uhr


«Handle impulsiv und denke kurzfristig, sofort zehn Meter fahren ist besser als einen ganzen Kilometer erst in fünf Minuten.» Das schrieb Rolf Bossart in seinem Text «Ich bin ein Extremschlittler» im Winter-Saiten im Februar 2004. Das ist natürlich Quatsch. Weil weit abenteuerlicher als das Extremschlitteln ist das Nachtschlitteln. Das beginnt schon bei der Vorbereitung. Fühlt sich fast an, wie wenn man zur Demo geht: Feste Schuhe, warmen Schal anziehen. Kappe oder Kapuze nicht vergessen. Die Taschenlampe suchen. Und dann rauf auf den Estrich, den Schlitten holen.

Der Ausweg aus der überwachten Stadt führt ins Hinterland. Da fährt die Trogenerbahn jede halbe Stunde weg. Beispielsweise letzten Freitag in die Vögelinsegg: Auf dem Weg hinauf zum Wald dichter Nebel. Der Schnee knietief. Die Tannen voll mit Eiskristallen. Keine Menschenseele. Vielleicht irgendwo ein Bär. So ist es wohl in Kanada. Dann die erste Abfahrt. Wer die Waldegg-Route kennt, der weiss: Das ist schon der krasse Teil – hinunter in den Oberhorst über zahlreiche Bodenwellen. Ging grad nochmals gut. Dafür dann ein Sturz kurz vor der Waldegg: Der Schlitten vorne blockiert, hinten in der Luft, und das Knie der Mitfahrerin im Rücken. Fortan weist die Taschenlampe den Weg, erst zur Waldegg. Das ist ja so eine Eventgastrobeiz, mit Alpaufzug und Live-Gewitter. Aber muss man sagen: Sind sehr freundlich dort. Geben auch den gemeinen Schlittlern einen Kafi-Schnaps aus und ein Plättli. Rauchen ist noch erlaubt.

Die Abfahrt von der Waldegg nach St.Georgen dann ist mit ihren grosszügigen Kurven an Eleganz nicht zu übertreffen. Zwischendurch geht’s leider geradeaus. Da ist die Schäflisegg, ein Hügel weiter, zugegeben besser. Wie auch immer: Gegen St.Georgen werden die Pistenverhältnisse sowieso schwierig. Teilweise ist der Weg gepfadet. Und wo ist es am meisten gekiest? Natürlich vor dem Jäger-Franz seiner Hütte. Der hat glaubs eine Zeitschaltuhr, wegen den Rumänen: Er war gar gar nicht zu Hause. Und hatte trotzdem überall Licht. Die Abfahrt endet im schön steilen Schlusstich zum Adlersaal.

Die Fotos stammen übrigens vom Samstag, weil der Nachtschlittler wird vor Begeisterung auch zum Tagschlitter. Am Sonntag kam dann der Föhn. Aber jetzt, wo es wieder geschneit hat: Verlass die Stadt, die keine ist.

Weitere Routen und Pistenverhältnisse gern melden.
 

  Querfeldein, Stadtraum      Heinrich Kieber
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01 Praibedrakrew, Mittwoch, 2. November 2011, 03:44

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