Parallelwelten (Bye, bye BAG 4)
31.08.2010, 14:02 Uhr
Gibt es eigentlich eine Diagnose namens Fussballfunktionärs-Schizophrenie? Betrachtet man die Ereignisse rund um den FC St.Gallen kommt man nämlich zum Schluss: Da gibt es zwei Welten. Und sie haben nichts miteinander zu tun.

Die eine ist diejenige mit der realen finanziellen Situation mit einer von Anfang an viel zu stark belasteten Betriebs AG und einem FC St.Gallen, der mit einem Discountbudget wirtschaften muss.

Und dann gibt die Welt, in der die FCSG-Exponenten leben.

In der realen Welt begann im Mai 09 der Kanton kritische Fragen zur Abrechnung der Baukosten zu stellen. Im Lauf des Herbstes war dann klar, dass die Rechnung hinten und vorne nicht aufgehen konnte. Am 23. Dezember 2009 fand eine erste grosse Krisensitzung mit dem Kanton statt. Die drei Gesellschaften räumten akute finanzielle Probleme ein und baten den Kanton um Unterstützung.

In der der Vorlage wird der folgende Ablauf so beschrieben:
«Die in der ersten Hälfte des Jahres 2010 eingereichten Unterlagen zeigen, dass bei den AFG-Gesellschaften ein dringender Sanierungsbedarf besteht: Der Erfolg der Stadion AG reicht für eine genügend Reservenbildung nicht aus, die BAG befindet sich in einer akuten Liquiditätskrise und hat ein negatives Eigenkapital und die FCSGAG wird im nächsten Planjahr aufgrund der Verluste in einen Liquiditätsengpass geraten und ein negatives Eigenkapital aufweisen».

Das Fazit des Kantons im Februar 2010 (!!!): Kurz- bis mittelfristig muss mit einem Zusammenbruch aller AFG-Arena-Gesellschaften gerechnet werden.

Und was passierte derweil in der Welt der FCSG-Funktionäre:

In der Winterpause - also genau in der Zeit, in der gegenüber dem Kanton die drohende Pleite eingestanden wurde - gab der FCSG-Verwaltungsrat eine «Vorwärtsstrategie» bekannt. Der Klub verpflichtete ohne Not den Sittener Goalie Vailati und bezahlte je nach Quelle ein Ablösesumme von 180'000 Franken oder mehr. Transferiert wurden zudem der Bundesligaspieler Daniel Imhof und den Kameruner Brice Owona. Bei Owona gab es Probleme mit verschiedenen Beratern und es musste eine Ablöse in unbekannter Höhe bezahlt werden. Owona ist ein klassischer Spekulationstransfer.

Wie muss man sich die Grundlage für solche Entscheide vorstellen?

Wir haben zwar kein Geld, aber investieren trotzdem?
  Politik      Andreas Kneubühler
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01 Boh, Donnerstag, 9. September 2010, 10:44

"Augen zu und durch! Irgendwer wird schon helfen, oder aber eine Kapitalerhöhung oder eine sonstige Bettelaktion wird das benötigte Geld einbringen. Wir, das gesamte Management, haben die Situation voll im Griff!" Stümperhaft, unprofessionell und leider auch verlogen. Darum: Alle raus!


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