  | Raptio praecox |
| 25.09.2009, 19:17 Uhr |
| «Gaddafi versteckt festgehaltene Schweizer», so titel der österreichische «Standard», um dann fortzufahren: «Der libysche Revolutionsführer will sich persönlich um die Rückkehr der beiden Geiseln kümmern, fürchtet aber vorzeitige Entführung durch Schweiz.»
Das lob ich mir doch, dieses persönliche Kümmern des durchgeknallt gebirnten Campingfans. Auch so ne feine Jounalistenarbeit, find ich sehr lobenswert. Der Meister der Revolutionen fürchtet eine «frühzeitige Entführung». Diese Formulierung hat doch das Zeug zum Satz des Jahres. Finde ich ebenfalls. Keine «Ejaculatio praecox» sondern eine «Raptio praecox», die direkte Folge einer «Dementia praecox», die Frage ist nur von wem? Vom irren Camper oder dem Mann der schreibenden Zunft? |
| Politik Man of constant sorrow
4 Kommentare |
| | Mitreden |
| | | | 01 | swissboy of constant horror, Montag, 28. September 2009, 20:29
Sorry, aber Gaddafi liegt mit seinem Versteckis schon richtig. Immerhin hat einer, der heute Bundesrat ist, im vergangenen Mai in der Libyen-Affäre den Mund bedrohlich voll genommen. Mehr dazu hier:
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/protest_gegen_internierung_1.3673622.html |
| | | | | 02 | man of constanr sorrow, Mittwoch, 30. September 2009, 17:14
Lieber swissboy,
das ist schon richtig, aber hier geht es um den Terminus "frühzeitige Entführung". Gibt es denn eine "rechtzeitige Entführung"? Eine Raptio interruptus? Am ehesten.
Eine Entführung ist ein Verbrechen. Ob frühzeitig oder rechtzeitig oder zu spät, oder? Und außerdem ist Geiseln nehmen auch ein Verbrechen, auch wenn man ihnen einen anderen Namen gibt. |
| | | | | 03 | swissboy of constant horror, Freitag, 2. Oktober 2009, 10:45
Lieber Sorgen-Mann
Danke für das Stichwort. In der Gaddafi-Affäre ist der Terminus nämlich eine hochinteressante Einlassung.
Betreffend die temporäre polizeiliche Hereinnahme von Gaddafi-Sohn Hannibal respektive der Schwiegertochter des libyschen Revolutionsführers in Genf sind wir hierzulande medial so eingestimmt, dass es sich dabei um nichts anderes als eine rechtsstaatlich korrekte "Verhaftung" gehandelt hat und die beiden eines ernsthaften Verbrechens beschuldigten Personen gegen die Hinterlegung einer "Kaution" von rund 400'000 Franken schliesslich im Einklang mit der geltenden Rechtsordnung wieder auf freien Fuss gesetzt worden sind.
So sind wir denn auch (medial eingestimmt) der unumstösslichen Überzeugung, die beiden in der Folge der Sanktionen gegen Mitglieder des Gaddafi-Clans festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute in der libyschen Wüste sind "Geiseln" - und für sie verlangt Gaddafi nichts anderes als "Lösegeld".
Eine reine Frage des Terminus und nicht der Fakten! |
| | | | | 04 | man of constanr sorrow, Samstag, 3. Oktober 2009, 16:50
Medial so eingestimmt?
Nun, lieber Schweizer Junge, Sie scheinen mehr zu wissen, als wir anderen Unwissenden? Vielleicht vom Camper selber oder dessen Umgebung? Waren Sie gar dabei? Oder hatten Sie Akteneinsicht? Was wissen Sie, was wir nicht wissen? |
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