Sonderzug nach Basel Bad Bf
19.05.2009, 14:24 Uhr

In Rorschach Hafen steigt einer mit grüner FCSG-Trainerjacke und dreckiger Handwerkerhose in den Zug Richtung Romanshorn. Ob der auch von der Arbeit direkt ans Spiel fährt? - Über Konstanz, Singen, Waldshut  zum Badischen Bahnhof, unweit des Basler Rankhof:  So geht’s gemäss SBB-Info am schnellsten zum Match, immer schön dem Wasser entlang. „Du wirst in Radolfzell festsitzen und dort ohne Star-TV den Aufstieg des FCSG noch ganz verpassen!“, warnten mich meine Freunde vor dieser Anfahrt mit der Deutschen Bahn.  Der Junge mit der grünweissen Jacke steigt in Steinach aus und zündet sich eine Zigarette an. Über Friedrichshafen kreist ein Zeppelin. Die DB startet pünktlich in Konstanz und überquert den Seerhein. Achtung Gleiserneuerung auf der Strecke Karlsruhe – Rastatt, warnt ein Plakat im Zug. Armer KSC! Wir spielen heute gegen Concordia um den Aufstieg und du Glückloser musst wohl wieder hinab in die Zweite Liga. Liftklubs und deren Anhänger leiden am allermeisten, stehen eigentlich ununterbrochen im Schilf: Die guten Spieler gehen weg und für Verstärkungen ist kein Geld da. Der Zug rast durch die Sümpfe am Überlingersee. „Brodmann“ steht riesig an einer Hausfassade. Ich freue mich über die passende Hommage an den  grossen Fussballer, der genau vor 41 Jahren mit dem FCSG den Wiederaufstieg ins A erkämpfte!

Der Dieselzug startet pünktlich in Radolfzell.  Drei Jugendliche pöbeln im Wagen herum und provozieren die übrigen Fahrgäste. Hier drin läuft das perfekte Aufwärmprogramm, warum nur fährt unsere Mannschaft nicht mit? Aufpeitschendes Adrenalin und kühle Beherrschung, genau das brauchts doch jetzt. Die Spannung im Wagon steigt von Minute zu Minute. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemandem der Kragen platzt wegen dem Geschrei und den obszönen Sprüchen. Dann tauchen zwei Grenz-Polizisten auf und die Jungen verziehen sich. Die Luft flimmert von der Hitze der Diesellok. „Feldschlösschen“ grüsst von der Schweizer Seite her, die Sonne scheint und draussen leuchten die Flutlichtmasten des Rankhof. Am Badischen Bahnhof wartet ein Shuttle-Bus, der zum Stadion fährt. Weit und breit ist kein grünweisser Fan zu sehen. Einen Moment lang zögere ich: Spielt heute auch der FCB? Fährt der Bus wirklich die paar Meter zum Rankhof? Später wird klar weshalb ich persönlich abgeholt werde: Die Basler Polizei hat das Gebiet abgeriegelt, aus Furcht vor Zusammenstössen mit FCB-Fans.

Der Rankhof ist malerisch gelegen zwischen Rhein, Schrebergärten und Hochhäusern. Aber davon bekommen wir wenig mit, denn die Gastgeber haben es versäumt, Tickets im Vorverkauf nach St.Gallen zu senden. Nun stauen sich tausend Leute vor einer Kasse und die Stimmung vor dem einen Drehkreuz beim Einlass ist gereizt. Die provisorischen Absperrgitter auf dem engen Zugang werden von wütenden Fans verschoben und die Sicherheitsleute rennen nervös herum. Fünf Minuten nach dem Anpfiff bin ich drin, mitten auf der gut gefüllten Rampe hinter dem Tor. Vor mir hält einer ein Transparent hoch und muss in die Knie gehen, damit ich Ausschnitte vom Spielfeld sehe. Hinter mir steht einer und plappert in Berner Dialekt. „Du, FCSG-Fan?“, frage ich. Sein Vater ist Appenzeller und er selbst fiebert im Fussball mit Grünweiss, obwohl  er in Bern aufgewachsen ist. Dann fällt endlich dieses ersehnte Tor und ich werde überrannt, weil alle hinabstürmen zum Zaun. Einer steht auf meine Mappe und zerquetscht einen Apfel. Die Kamera bleibt heil, der provisorische  Zaun unten gibt nach und kracht um. Nach dem Schlusspfiff klettere ich auch über die Abschrankung und gehe übers Spielfeld zur Mannschaft. Es ist wie früher auf dem Espenmoos. Wir rennen glücklich los um die Spieler zu berühren, als hofften wir, der Zauber der Sieger und ein Hauch ihres fussballerischen Talents würde auf uns übergehen.

  Challenge Tour 08/09      Daniel Kehl
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01 eritro, Freitag, 29. Mai 2009, 21:55

Musste der Zug wegen der Gleiserneuerung einen Umweg fahren?


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