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Übers Wasser zum Spiel – das ist gerade nicht die ideale Matchvorbereitung. Denn man wird ganz sanft dabei, schaut zu, wie sich die Wellen im Westwind kräuseln, hört zu, wie ein Seebär von Kapitän mit seinem Matrosen plaudert, der in aller Seelenruhe die Taue festmacht, mehr als ein Dutzend Mal auf der fast vierstündigen Fahrt zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen. Auf dem Schiff gibt es keine Möglichkeit die Spannung aufzubauen vor dem Gegner. - Einsame Fischer in ihren Booten lenken die Gedanken hin zu den grossen Fragen des Lebens. Was mache ich eigentlich hier, unterwegs zu einem nicht weltbewegenden Spiel zwischen zwei durchschnittlichen Mannschaften der zweithöchsten Liga. Die Seegelboote liegen schräg im Wind, kreuzen scheinbar ohne Ziel auf dem Untersee, vorbei an Schilfgürteln und Schwanenfamilien und hübschen, verträumten Städtchen. Bald folgt eine der schönsten Flussfahrten Europas, die Passage zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. Wird FCS-Star Katanha von unserem Munti in Grünweiss aus dem Spiel genommen, wann kommt der verletzte Koubsky endlich zurück und wird Costanzo erneut treffen? – Daran denke ich keine Sekunde, denn hier am Wasser könnte man sich sofort und für immer niederlassen, auch ohne Fussball. Vorbei geht’s an der Werd-Insel, wo der Heilige Othmar begraben ist, vorbei an der Altstadt-Perle von Stein und hinein ins grünblaue Flussband Richtung Diessenhofen. Schliesslich folgt sie doch noch, die Vorbereitungs-Metapher, das treffende Bild für den Match in Schaffhausen und das von unerwarteter Seite, ausgerechnet von der Schifffahrtsgesellschaft Untersee-Rhein, die auf Tafeln warnt: Untiefen ausweichen! – Das Schiff fährt nach Stein nicht flott und auf direktem Weg zum Ziel, sondern vorsichtig und mit angepasster Geschwindigkeit in unerklärlichen Schlaufen, in mit dicken Holzstämmen markierten Fahrrinnen um nicht auf Grund zu laufen. „Denkt an den Kapitän auf der Kommandobrücke, der Schiff und Passagiere an Kiesbänken und seichten Stellen vorbei sicher ans Ziel bringt!“ Spricht FCSG-Trainer Uli Forte vor dem Spiel so zu seiner Mannschaft? „Spielt umsichtig und intelligent. Habt Geduld und Vertrauen und alles kommt gut heraus.“ Die Wirklichkeit auf der Schaffhauser Breite ist ganz anders: Da trifft ein aufsässiger Gastgeber auf eine grünweisse Mannschaft, die mit ihrer Favoritenrolle nicht zurecht kommt. Es fehlt eine Figur im St.Galler Mittelfeld, die das Steuer in die Hand nimmt und das Spiel mit Ruhe und Übersicht zu lenken weiss. Echter Gelassenheit dagegen begegnet man am Spielfeldrand unterhalb der Haupttribüne, wo sich einheimische und auswärtige Fussballliebhaber durchmischen. Das Spiel beider Teams wird dort mit scharfem Auge verfolgt und sachlich gewürdigt und kritisiert. Schiedsrichter Bertolinis zweiter Penalty-Pfiff für St.Gallen kurz vor Schluss wird allseits mit Kopfschütteln kommentiert. Und plötzlich wird der tiefere Sinn dieser Reisen zu den vergessenen Fussballplätzen des Landes klar. Hier triffst du Gleichgesinnte, mit denen du, unabhängig von der Vereinsfarbe, über die hohe Kunst des Fussballspiels und dessen wahre Meister reden und streiten kannst. |