  | Vorweihnacht |
| 08.12.2008, 10:04 Uhr |
| Winterthur? – Eine gewaltfreie und antirassistische Zone mit witzigen und geistreichen Fans, die auch im Misserfolg zum Klub stehen. Das St.Pauli der Schweiz! Abgedroschene und schräge Vergleiche? In meinem Fall schlicht nüchternes Fazit und dazu persönliche Erfahrung: Interessiert, erstaunt und etwas neidisch verfolge ich aus der Distanz Winterthurs Fanszene, fahre freudig los Richtung Westen und fürchte doch, dass ich vielleicht enttäuscht werde, weil ich von Rissen und Spannungen in der Kurve auf der Schützenwiese gehört habe. Nun sollen sich auch dort Schlägertypen breit gemacht haben.
Aber dann ist es alles noch schöner, als ich es mir erhofft habe: Das Ticket kostet ganze zwölf Franken, das Security-Personal ist freundlich, der Wirt der Libero-Bar begrüsst mich herzlich wie einen Stammgast, in der Sirup-Kurve hängen Kinder rotweisse Ballone auf, ich spaziere wie Hunderte andere auch mit grünweissem Schal durch den gemischten Sektor und höre nicht eine einzige Anfeindung. Im Salon Erika, jener einzigartigen Prosecco- und Kunst-Bar hinter der Bierkurve, laden sie uns ein zum Fünf-Franken-Tippspiel unter dem Bild einer Madonna, der Mutter von Diego. Dort sind wir auch Zeugen einer intensiven Diskussion über die sportliche Talfahrt des Heimklubs und erleben ein weiteres Beispiel für die spezielle Kommunikation zwischen Fans und Vereinsleitung. Auf dem Dach des Salons haben die Betreiber einen riesigen Hut montiert. Klare und eindeutige Botschaft Richtung Haupttribüne: Der Trainer soll endlich gehen und den Hut nehmen.
Ein Zauber liegt über der Schützenwiese, denn fast sechs tausend Zuschauer sorgen für eine gute Stimmung und die Gesänge, aber auch die Komplimente, purzeln nur so hin und her zwischen St.Gallen- und Winterthur-Anhängern. „Der FCSG ist eine Attraktion und bringt dankbare Abwechslung in den tristen Zweitliga-Alltag.“ –„Super, was ihr hier macht, wie selbstverständlich ihr eure Fan-Stimme einbringt beim Verein.“ Dass ein unglückliches Eigentor der Rotweissen zum 0:1 des FCSG führt, passt bestens zum Bild des generösen Gastgebers. Es ist Vorweihnacht; vernebelt das die Sinne und trübt die Wahrnehmung? Kann Winti nicht mehr und halten sich unsere Grünweissen zurück? Ohne Glanz kommen wir zu einem ungefährdeten Sieg und einer sagt: „Hast du auch immer das Gefühl, dass die Leute auswärts viel freundlicher sind?“ Und ein anderer, dem die Advents-Stimmung auf den Rängen zuviel wird, fügt an: „Wenn es dir hier so gut gefällt, dann bleib doch da!“ |
| Challenge Tour 08/09 Daniel Kehl
2 Kommentare |
| | Mitreden |
| | | | 01 | Reto Z., Montag, 8. Dezember 2008, 12:45
herr kehl, ich hoffe stark, diese "kolumne" geht weiter im weiteren b-jahr. |
| | | | | 02 | Gallus, Montag, 8. Dezember 2008, 16:42
:beten: |
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