Woran mag es nur liegen, dass sich renommierte Medienerzeugnisse so verhauen. Nicht um ein oder zwei Jahre, sondern gar um Jahrzehnte? Ist es allein die Art des Ereignisses, das die erste Mondlandung in die Schwerelosigkeit von Zeit und Erinnerung abgleiten lässt? Oder ist es einfach nur darum geschehen, weil verschobene Zeithorizonte bei den mit Sensationen gedopten Journis völlig normal sind?
Laut «St. Galler Tagblatt» vom 21. Juli 2009 hatte Neil Armstrong sein Gehopse in Moonboots im Staub des Erdtrabanten vor 60 Jahren aufgeführt. «Das Magazin» wiederum verkürzte am 11. Juli auf die Hälfte und schrieb, dass dies vor 30 Jahren stattgefunden habe. In Wirklichkeit aber war es am 20. Juli 2009 respektive am 21. Juli 1969, 03.56 Uhr MEZ, vor genau vierzig Jahren. - Vorausgesetzt es hat denn auch tatsächlich auf dem Mond stattgefunden und nicht in einem Hinterhofstudio in Hollywood, wie VerschwörungstheoretikerInnen auch heute noch der festen Überzeugung sind.
Und damit es alle jetzt schon wissen und die richtige Zahl fürs Jubiläum ankreuzen: Es werden am 12. April 2011 genau 50 Jahre her sein, seit ein gewisser Juri Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch eine 108-minütige Erdumkreisung hinter sich brachte.
Darüber gibts natürlich auch ein Filmchen, das in seiner sowjetischen Unschuld Verschwörungstheorien genau so stützt wie die bei der Mondlandung auf dem windlosen Erdtrabanten lustig flatternde Amifahne. Der gute Juri wacht an einem sonnigen Morgen in der weiten Taiga auf. Im Radio singt gerade Heintje. Und weil er vom vielen Wodka ein bisschen plemm ist, aber sonst ganz lieb, steigt Juri nicht - wie Menschen ohne Alkoholschaden das tun würden - aus, sondern in sein Pyjama. Beim Zähneputzen fällt er auch noch kopfüber ins Zahnglas (weil darin ein Rest von Wodka ist) und verlässt in dieser Verkleidung seine kleine Datscha. Er stakst zum wartenden Postauto und fährt auf der Landstrasse zu seiner Wodka... ähm, Wostock-Rakete. Dort bringt ihn eine Baustellen-Toilette (wo er noch sein Geschäft erledigen kann) ganz an die Spitze. Die wartenden Kollegen machen ihn in die Kapsel ein wie Mutter das Zwetschgen-Kompott oder so. - Aber guckts euch doch selber an: