  | Wer will unter die (Copypaste)-Journalisten? 2009 |
| 29.04.2009, 20:39 Uhr |
| «Eine Annäherung an Niklaus Meienberg», lautete unprätentiös der Untertitel der szenischen Lesung von «Theater am Tisch» im Saitenbüro. Anlass, den St. Galler Schriftsteller und Journalisten wieder einmal in den Brennpunkt eines Abends zu stellen, war das Wortlaut-Literaturfestival.
«Tot ist einer erst, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert», hat Meienberg geschrieben. Und Diana Dengler, Marcus Schäfer und Willi Häne – miteinander sind sie das in St. Gallen unverzichtbare «Theater am Tisch» (weil man hier eigentlich nicht gewohnt ist, dass sich SchauspielerInnen aus dem Ensemble so nachhaltig, ausdauernd, direkt und leidenschaftlich in das Stadtleben einmischen) – sie näherten sich dem Feuerkopf unter den Schweizer Schriftstellern vielseitig und insbesondere journalistisch. Mehr als einmal zitierten sie Meienbergs Text «Wer will unter die Journalisten – eine Berufsberatung 1972». Erstaunlich dabei, wie aktuell, ja brisant diese fiktive Berufsberatung 37 Jahre später noch ist. Am liebsten hätte man sich statt zwei Lesungen im voll besetzten Saitenbüro vier oder fünf Durchgänge gewünscht: Als zusätzliche Pflichtveranstaltung der wachsenden Zahl der schnell verdauten Fastfood- und Copypaste-«Journis» der 20-Minuten- und Online-Gilde, die sich lediglich noch dem Abbilden der scheinbar unveränderbaren Realität verschrieben haben. Und womöglich hätten danach Abziehbilder für die Redaktions-Computer verteilt werden müssen: Achtung! Passionierter Journalismus kann ihr Leben gefährden!
So gesehen hatte Meienbergs Mutter, «du öbertriebscht, Niklaus», in Bezug auf die Entwicklung seines Berufsstands leider unrecht. Weil einer aber erst tot ist, wenn man sich nicht mehr an ihn erinnert, spielt das eigentlich keine Rolle. Fehlt jetzt nur, dass das Theater St. Gallen irgendwann noch Lukas Bärfuss' Stück «Meienbergs Tod» für sich entdeckt und auf grosser Bühne zur Aufführung bringt. Erst dann darf sich das St. Galler (Kultur)Gewerbe wieder rühmen, womit es in den noch nicht ganz durchkonsumierten 1970er Jahren die Leute in die Stadt zeuckelte: «Chom mer gönd go lädele – wa meer nöd hend, hät niämert.»
Der «Tagblatt»-Artikel von Martin Preisser zur Meienberg-Lesung
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| Bühne, Hausmeldungen, Literatur Richard Zöllig
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