| Das neue Heft zu den Alten ist da. Ab 3. Februar zu beziehen an über 150 Kulturorten. Noch besser: gleich nachhause bestellen: hier klicken. Vorab an dieser Stelle der monatliche «Rundflug» von Kurt Bracharz aus Vorarlberg zu Dieter Egger, FPÖ und anderen Hasspredigern:
Eggers Rendite
Über die im September 2009 vielzitierte antisemitische Aussage des Vorarlberger FPÖ-Landesparteichefs Dieter Egger habe ich hier bereits zweimal geschrieben. Einmal, als er sie machte, und einmal, als er damit bei den Landtagswahlen ein Viertel der abgegebenen Stimmen einsammelte. Jetzt muss ich es ein drittes Mal tun, denn er hat soeben nachgelegt.
Man wird sich erinnern: Egger nannte den Leiter des Jüdischen Museums in Hohenems einen «Exil-Juden aus Amerika» in einem «hochsubventionierten Museum», was vielleicht trotz der deutlichen Anspielung auf jüdische Geldgier und auf die bei österreichischen Antisemiten notorischen «Ostküstenkreise» noch hinnehmbar gewesen wäre, wenn Egger tatsächlich geglaubt hätte, Loewys Eltern seien vor den Nazis in die USA emigriert. Sie waren aber nach Israel gegangen - und der Hohenemser Politiker wusste das.
Jetzt hat er in einem Interview mit Radio Vorarlberg gesagt: «Wenn ich mit diesem Ausspruch eine Diskussion ausgelöst habe über Integration, dass man bei Migranten in Zukunft stärker die Pflichten einfordern muss, und dass auch die anderen Parteien erkannt haben, dass man das Thema nicht permanent schönreden und totschweigen kann, dann - würde ich sagen - hat es sich rentiert.» Auf die Frage, ob er dieselbe Formulierung noch einmal gebrauchen würde, sagte er: «Im Nachhinein ist das schwer zu beurteilen.» Dass die Bemerkung über den jüdischen Museumsdirektor Loewy etwas mit der Integration der türkischen Bevölkerungsgruppe zu tun haben könnte, ist eine groteske Behauptung, dass sich die Lüge rentiert hat, hingegen unfreiwillige Ehrlichkeit.
Dass Egger unbelehrbar ist beziehungsweise nach wie vor stur so agiert, wie es ihm seine Dübendorfer PR-Agentur empfiehlt, ist eine Sache, dass der Zynismus, die seinerzeitige Aussage habe sich rentiert, dieses Mal kaum ein Medienecho ausgelöst hat, eine andere. Ich habe einen Kommentar gelesen, der diese Aussage «ungeheuerlich» nannte, und eine Karikatur gesehen, in der Egger als von allen guten Geistern verlassen dargestellt wurde. Das wars. Egger wird möglicherweise als Bürgermeister in Hohenems kandidieren.
Wie die Diskussion über Integration aussieht, die Egger angestossen haben will, kann man auf der Webseite des Vorarlberger Medienhauses nachlesen, zum Beispiel bei den Postings zur Angelegenheit Arigona Zogaj. Die Zeitschrift «Profil» hatte auf dem Cover der Januarausgabe das sehr gut integrierte siebzehnjährige Mädchen, das in den Kosovo abgeschoben werden soll, als «Mensch des Jahres» abgebildet. Darauf folgte eine Flut von Leserbriefen, von denen einer in voller Länge abgedruckt wurde, nachdem man sich versichert hatte, dass der Absender - ein parteiloser Wiener Versicherungsmakler mit zwei Kindern, der eine Zeitlang in den USA gelebt hat - tatsächlich existiert und auch zu seinem Schreiben steht. In diesem heisst es unter anderem: «Was hat diese moslemisch-albanische Drecksfamilie schon für Österreich getan?? Dieses elendige Schmarotzer-Gesindel!! Soll Sie sich doch umbringen, wenn Sie will, denn ausser den Sau-grünen Gutmenschen würde das sicher niemanden stören!! (...) Meine Verwandten in Oberösterreich haben mir erzählt das diese Hure Arigona eine extrem freche Saugoschn hat und in der Schule zu den Lehrern frech ist und in die diversen Geschäfte hineingeht und höhnisch und frech fragt ob Sie denn niemand kennt.?? (...) Seit fünfzehn Jahren merkt man wo Österreich hinsteuert und dieses verschleierte Ausländergesindel (Albaner, Bosnier, Tschetschenen, Pakistanier, Inder, Moldawier, Rumänen, Nigerianer etc. und auch die sonstigen restliche Jugo-Dreck (Serben etc.) zieht unser schönes Land in den Dreck und Sumpf. Was haben alle diese Schmarotzer in unserm Land verloren.?? Die meisten stinken und wischen sich mit der linken Hand den Arsch aus, das ist deren Kultur und der wollen wir uns in Österreich nicht anpassen bzw. beugen.»
«Profil» erschrak offenbar über diesen Text, Vergleichbares konnte aber auch in den Postings auf vol.at nachgelesen werden, wenn über Arigona Zogaj berichtet wurde: «Lebt die Zogaj-Sippschaft immer noch von dem Pfaffen-Tausender, der ihnen monatlich in den Arsch geblasen wird? - Nicht nur von dem Tausender - nehme an das ist Schweigegeld, welches der Herr bezahlt - sondern auch von staatlichen Zuwendungen und sonstigen Spenden! - So isses, die Wohnung, das Essen, die Arztkosten, Strom und alles wird ja sowieso bezahlt, deswegen können die ja auch die fetten Gratiseuros in den drecke Kosovo runterschicken, hier haben sie ja ALLES GRATIS!!!!! - Unbegreiflich, wie sich unser staat von von diesem gsindel erpressen lässt. und noch dazu aus einem sicheren staat. nur wieder wirtschaftsflüchtlinge die den status asyl missbrauchen. es ist echt zum kotzen was aus unseren gesetzen, unserem staat und unseren politikern geworden ist. nirgendwo werden diese so genannten asylgesetze missbraucht wie in österreich. armes östterreich, glorreiches asylbetrügerland.»
Es war natürlich nicht nur Dieter Egger, der diese Art Integrations-Diskussion angekurbelt hat, aber ziemlich viele Poster nennen bereitwillig ihre Lösung aller Probleme: FPÖ wählen. |