Wer wird Pensionär? - Und die FPÖ ...
27.01.2010, 09:04 Uhr

Das neue Heft zu den Alten ist da. Ab 3. Februar zu beziehen an über 150 Kulturorten. Noch besser: gleich nachhause bestellen: hier klicken. Vorab an dieser Stelle der monatliche «Rundflug» von Kurt Bracharz aus Vorarlberg zu Dieter Egger, FPÖ und anderen Hasspredigern:

 
Eggers Rendite

Über die im September 2009 vielzitierte antisemitische Aussage des Vorarlberger FPÖ-Landesparteichefs Dieter Egger habe ich hier bereits zweimal geschrieben. Einmal, als er sie machte, und einmal, als er damit bei den Landtagswahlen ein Viertel der abgegebenen Stimmen einsammelte. Jetzt muss ich es ein drittes Mal tun, denn er hat soeben nachgelegt.

Man wird sich erinnern: Egger nannte den Leiter des Jüdischen Museums in Hohenems einen «Exil-Juden aus Amerika» in einem «hochsubventionierten Museum», was vielleicht trotz der deutlichen Anspielung auf jüdische Geldgier und auf die bei österreichischen Antisemiten notorischen «Ostküstenkreise» noch hinnehmbar gewesen wäre, wenn Egger tatsächlich geglaubt hätte, Loewys Eltern seien vor den Nazis in die USA emigriert. Sie waren aber nach Israel gegangen - und der Hohenemser Politiker wusste das.

Jetzt hat er in einem Interview mit Radio Vorarlberg gesagt: «Wenn ich mit diesem Ausspruch eine Diskussion ausgelöst habe über Integration, dass man bei Migranten in Zukunft stärker die Pflichten einfordern muss, und dass auch die anderen Parteien erkannt haben, dass man das Thema nicht permanent schönreden und totschweigen kann, dann - würde ich sagen - hat es sich rentiert.» Auf die Frage, ob er dieselbe Formulierung noch einmal gebrauchen würde, sagte er: «Im Nachhinein ist das schwer zu beurteilen.» Dass die Bemerkung über den jüdischen Museumsdirektor Loewy etwas mit der Integration der türkischen Bevölkerungsgruppe zu tun haben könnte, ist eine groteske Behauptung, dass sich die Lüge rentiert hat, hingegen unfreiwillige Ehrlichkeit.

Dass Egger unbelehrbar ist beziehungsweise nach wie vor stur so agiert, wie es ihm seine Dübendorfer PR-Agentur empfiehlt, ist eine Sache, dass der Zynismus, die seinerzeitige Aussage habe sich rentiert, dieses Mal kaum ein Medienecho ausgelöst hat, eine andere. Ich habe einen Kommentar gelesen, der diese Aussage «ungeheuerlich» nannte, und eine Karikatur  gesehen, in der Egger als von allen guten Geistern verlassen dargestellt wurde. Das wars. Egger wird möglicherweise als Bürgermeister in Hohenems kandidieren.

Wie die Diskussion über Integration aussieht, die Egger angestossen haben will, kann man auf der Webseite des Vorarlberger Medienhauses nachlesen, zum Beispiel bei den Postings zur Angelegenheit Arigona Zogaj. Die Zeitschrift «Profil» hatte auf dem Cover der Januarausgabe das sehr gut integrierte siebzehnjährige Mädchen, das in den Kosovo abgeschoben werden soll, als «Mensch des Jahres» abgebildet. Darauf folgte eine Flut von Leserbriefen, von denen einer in voller Länge abgedruckt wurde, nachdem man sich versichert hatte, dass der Absender - ein parteiloser Wiener Versicherungsmakler mit zwei Kindern, der eine Zeitlang in den USA gelebt hat - tatsächlich existiert und auch zu seinem Schreiben steht. In diesem heisst es unter anderem: «Was hat diese moslemisch-albanische Drecksfamilie schon für Österreich getan?? Dieses elendige Schmarotzer-Gesindel!! Soll Sie sich doch umbringen, wenn Sie will, denn ausser den Sau-grünen Gutmenschen würde das sicher niemanden stören!! (...) Meine Verwandten in Oberösterreich haben mir erzählt das diese Hure Arigona eine extrem freche Saugoschn hat und in der Schule zu den Lehrern frech ist und in die diversen Geschäfte  hineingeht und höhnisch und frech fragt ob Sie denn niemand kennt.?? (...) Seit fünfzehn Jahren merkt man wo Österreich hinsteuert und dieses verschleierte Ausländergesindel (Albaner, Bosnier, Tschetschenen, Pakistanier, Inder, Moldawier, Rumänen, Nigerianer etc. und auch die sonstigen restliche Jugo-Dreck (Serben etc.) zieht unser schönes Land in den Dreck und Sumpf. Was haben alle diese Schmarotzer in unserm Land verloren.?? Die meisten stinken und wischen sich mit der linken Hand den Arsch aus, das ist deren Kultur und der wollen wir uns in Österreich nicht anpassen bzw. beugen.»

«Profil» erschrak offenbar über diesen Text, Vergleichbares konnte aber auch in den Postings auf vol.at nachgelesen werden, wenn über Arigona Zogaj berichtet wurde: «Lebt die Zogaj-Sippschaft immer noch von dem Pfaffen-Tausender, der ihnen monatlich in den Arsch geblasen wird? - Nicht nur von dem Tausender - nehme an das ist  Schweigegeld, welches der Herr bezahlt - sondern auch von staatlichen Zuwendungen und sonstigen Spenden! - So isses, die Wohnung, das Essen, die Arztkosten, Strom und alles wird ja sowieso bezahlt, deswegen können die ja auch die fetten Gratiseuros in den drecke Kosovo runterschicken, hier  haben sie ja ALLES GRATIS!!!!! - Unbegreiflich, wie sich unser staat von von diesem gsindel erpressen lässt. und noch dazu aus einem sicheren staat. nur wieder wirtschaftsflüchtlinge die den status asyl missbrauchen. es ist echt zum kotzen was aus unseren gesetzen, unserem staat und unseren politikern geworden ist. nirgendwo werden diese so genannten asylgesetze missbraucht wie in österreich. armes östterreich, glorreiches asylbetrügerland.»

Es war natürlich nicht nur Dieter Egger, der diese Art Integrations-Diskussion angekurbelt hat, aber ziemlich viele Poster nennen bereitwillig ihre Lösung aller Probleme: FPÖ wählen.

  Hausmeldungen, Politik      Red. Saiten
  0 Kommentare
  Mitreden
Name:
E-Mail:
URL:
Bitte die Mitmachnummer unten
ins Code-Feld eingeben.
Code:


zurück zum Blog


Tagestipps aus dem Saiten-Kulturkalender
:
Jubiläumskonzert mit "Die Regierung" und "Vera Kaa"
Freitag, 3. September 2010, 19:30 Uhr
Kammgarn (KiK Kultur im Kammgarn), Schaffhausen
mehr
:
Schweizer Klaviertrio
Freitag, 3. September 2010, 20:00 Uhr
Kunsthalle Ziegelhütte, Appenzell
mehr
:
Schaulust: Alf Poier & Die Obersteirische Wolfshilfe
Freitag, 3. September 2010, 20:00 Uhr
Freudenhaus, Lustenau
mehr
:
Dichtungsring Poetry Slam
Freitag, 3. September 2010, 20:00 Uhr
Kraftfeld, Winterthur
mehr
:
Freakwave Festival 2010
Freitag, 3. September 2010, 13:00 Uhr
Festspielhaus Bregenz, Bregenz
mehr
Alle Kulturveranstaltungen in der Ostschweiz: Saiten-Kulturkalender
 


 ALLE 
 Bühne (17) 
 Challenge Tour 08/09 (18) 
 Film (3) 
 Geschichten aus dem Bunker (18) 
 Hausmeldungen (26) 
 Literatur (7) 
 Museen / Kunst (8) 
 Musik (13) 
 Nicht zu vergessen (13) 
 Politik (96) 
 Querfeldein (78) 
 Stadtratswahlen 2012 (18) 
 Stadtraum (31) 


 OSTBLOG als RSS-Feed abonnieren 



 ALLE 
 Andrea Haller (4) 
 Andreas Kneubühler (40) 
 Beni Bischof (16) 
 Charles Pfahlbauer jr. (3) 
 Daniel Ammann (14) 
 Daniel Kehl (15) 
 Daniel Ryser (1) 
 Die Betonblogger (1) 
 Dominik Kaschke (1) 
 Harry Rosenbaum (52) 
 Heinrich Kieber (2) 
 Johannes Stieger (13) 
 Lika Nüssli (15) 
 Man of constant sorrow (13) 
 Martin Benz (5) 
 Nikolaus Benda (1) 
 Rafaël Zeier (3) 
 Red. Saiten (32) 
 Richard Zöllig (8) 
 Rolf Bossart (2) 
 Romeo Meyer (4) 
 Rubel U. Vetsch (3) 
 Tea Kolbe (6) 
 Verlag Saiten (4) 


 ALLE 
 August 2010 (8) 
 Juli 2010 (1) 
 Juni 2010 (6) 
 Mai 2010 (11) 
 April 2010 (13) 
 März 2010 (18) 
 Februar 2010 (14) 
 Januar 2010 (7) 
 2009 (100) 
 2008 (80) 





 AlthussersHände v. Milo Rau 
 Andreas Niedermanns Blog 
 Die Klangschau 
 Hochparterre 
 Knapp daneben 
 Kulturstattbern (Der Bund) 
 Kulturteil Luzern 
 Nation Of Swine 
 Ostschweizblog.ch 
 Saile Kleins Wordpress 
 seemoz Konstanz 
 St.Gallen – Die Seifenoper 
 terzett.fm 
 The Roman Games Diary (NYC) 
 thurgaukultur - blog 
 Viertel Blog