![]() | Wie man klimbimfrei durchs Filmfest kommt | ||||
| 04.10.2011, 14:13 Uhr | |||||
Die Filmfestivals haben den Vorteil für die cineastischen Provinzler auch mal Filme im Vorfeld sehen und bewerten zu können. Was die redaktionellen Entscheidungen später erleichtert und Klogriffe besser ausschliesst. Leider liegen Venedig, Berlin und Wien ausserhalb der alltäglichen Reichweite und Locarno, Freiburg und Neuenburg sind auch nicht grad nah. Dafür Zürich. 1. Man halte sich nicht lange im Mediencenter auf Wo die Pressemenschen ihre Akkreditierungen abholen können, wo es Beizli und Stühle gibt, hier im Ticketcenter ist die Gefahr am Grössten, doch noch an einen Ähm zu geraten. Also besser schnell machen. Man muss den Raum gezielt scannen, die Lage blitzartig checken und auf direktem Weg zum Tickettypen am Pressedesk streben. Der prüft die ID, stellt den Pressepass und die Tickets aus und reicht am Ende eine Tasche mit Programm, Werbung und einer ordentlich grossen Pralineeschachtel von Lindt über den Tisch. Man bedanke sich und gehe. Nur zwei Glorie-Schrecksekunden:
2. Man wähle die grossen Produktionen und wohne nicht in der Stadt Zürich ist eben Zürich. Über sich hinauszudenken, tut sich die Stadt schwer. Wer nicht hier wohnt, hat es auch schwer - mit den Tickets. Die sind zwar numeriert, was stundenlanges Anstehen vor den Kinosälen erspart; aber versuchen sie mal mit dem Presseausweis am Freitag eine Karte für - sagen wir mal Lars von Triers «Melancholia» - Donnerstag zu reservieren. Freitag, zweiter Festivaltag. Der Ticketmann ist freundlich: «Das Ticket können Sie erst am Mittwoch beziehen.» Man sollte sich nicht ärgern, weil die ausverkauften Filme sind die Gala-Premieren mit grünem Teppich (die Stars fliegen CO2-kompensiert ans Fest). Und auf dem grünen Ding stehen dann jede Menge Ähms - viel zu anstrengend, sie alle einzuschublädlen.
3. Man schaue den Rändern entlang Darum: Wer keine Chance hat, in Zürich laufend persönlich auf der Matte zu stehen, vergisst die grossen Produktionen besser gleich (kommen ja eh in leere Kinos später) und darf sich Ausweichfilme suchen. «Shame? Ausverkauft!» Ganz sicher ist man den Rändern entlang also auch nicht, aber besser als an den Galas ist es alleweil.
4. Man besuche Branchenscreenings Ganz und gar gefahrenfreie, unprominente Kinobesuche gibts dafür am Branchenscreening. Was Kinosäle füllen mag, zieht drei ungesprächige Knochen ans gemeinsame Brachengucken. Am Festival findet das anstatt am Bellevue in der Sihlcity draussen statt, im dunklen Kinoplex, dessen Name so simpel ist, man vergisst ihn extra leicht wieder. «Ich bin zu spät. Ich müsste in den Saal 8.» So tief in der kinobaulichen Dunkelheit, glitzert rein gar nichts mehr.
5. Zu guter Letzt: Man treibe sich auf keinen Parties rum Ist ja logisch. Dafür erfährt man die Gewinner halt erst aus der Presse: ... Vier Filme, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Logisch. | |||||
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