Der Musiker und Komponist Silvan Lassauer aka Hollowman erklärt in der aktuellen «Saiten»-Ausgabe, wie sich das dynamische Verhalten von Pop-Songs in den letzten Jahren verändert hat. Hier folgen vier Hörbeispiele zum Text. Wer den Artikel noch nicht im Heft gelesen hat: bitte hier klicken.


Beispiel 1
Falco: «Rock Me Amadeus»

Die erste Version zeigt die Originalversion vom Album «Falco 3» (1987). Die zweite Version stammt von der massiv bearbeiteten Compilation «Hoch Wie Nie» (2007).

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Beispiel 2
Japan: «Visions Of China»

Die erste Version zeigt die Originalveröffentlichung des Live-Albums «Oil On Canvas» (1984). Die zweite Version stammt von der Neuauflage des Albums (2003).

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Beispiel 3
Rachmaninoff «Prelude In F Minor, Op.32 No. 6»

Dieser Vergleich hinkt, da die Aufnahmen von unterschiedlichen Pianisten auf unterschiedlichen Flügeln und in unterschiedlichen Räumen aufgenommen wurden. Trotzdem sind auch hier massive Unterschiede zwischen einer Remaster-Version und einer Original-Aufnahme zu erkennen. Version 1: Sviatoslav Richter, aufgenommen 1971, digital restauriert und in dieser Form veröffentlicht im Jahre 2003 auf dem Album «Sviatoslav Richter: Rachmaninov Preludes / Etudes-Tableaux». Version 2: Arcadi Volodos, aufgenommen und veröffentlicht im Jahre 2000 («Arcadi Volodos: Rachmaninoff Piano Concerto No. 3 / Solo Piano Works»).

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Beispiel 4
Black Eyed Peas «I Gotta Feeling»

Beispiel eines aktuellen Top-Hits von 2009. Die Black Eyed Peas sind erklärte Anhänger von lauten Produktionen.

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Lauter, lauter, lauter!

Seit der Einführung der Compact Disc Anfang der achtziger Jahre hat sich die Dynamik innerhalb von Musikproduktionen nachhaltig verändert; die Lautstärke respektive der Komprimierungsgrad nahm im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich zu und der Dynamikumfang immer weiter ab. Ein Versuch, eine hochgradig technische Angelegenheit aus der Sicht meiner Ohren zu beschreiben. Ich bin seit Jahren ein Kopfhörerfan. Das hat einerseits damit zu tun, dass ich häufig nachts Musik höre und mir andererseits viele Feinheiten von Produktionen, Arrangements und Sounds erst über Kopfhörer richtig bewusst werden. Unabhängig davon, ob Sie Ihre Musik mit Kopfhörern oder Boxen geniessen, ist Ihnen vermutlich auch schon aufgefallen, dass ältere CDs im Vergleich zu heutigen Produktionen massiv leiser wirken, ohne dass Sie am Volumenknopf gedreht haben. Dies betrifft nicht nur Musik-CDs, sondern jede Form von Audioaufnahmen: Wenn Sie auf einem Sender mit Werbeunterbrechungen einen etwas älteren Film schauen, werden Ihnen zwischendurch die Werbeblöcke förmlich ins Ohr gebrüllt. Um diese Lautstärken zu erreichen, werden beim Abmischen und vor allem beim Mastern von Produktionen verschiedene technische Hilfsmittel (Kompressoren, Limiter, Loudness Maximizer) eingesetzt, welche das Dynamikverhalten einer Aufnahme je nach Einstellung massiv beeinflussen.

Zurück zu meinen Ohren. Es gibt mittlerweile viele Aufnahmen, die ich so übertrieben laut und überkomprimiert finde, dass ich es als unangenehm empfinde, diese zu hören, speziell über Kopfhörer. Hören Sie sich mal die letzte Red Hot Chili Peppers- oder Metallica-Platte (aus Versuchszwecken, nicht wegen der Musik) mit guten Kopfhörern an. Bei mir stellt sich ein klaustrophobisches Gefühl ein, denn alles ist so laut, so direkt und präsent, dass ich mir vorkomme, wie wenn mich die Band direkt umzingelt hätte und die Nasenspitze des Sängers meine berühren würde. Wenn der Sänger einschnauft, bekomme ich Atemnot. Keine Fluchtmöglichkeit. Und das in meinem Wohnzimmer. Das ist wie eine Betonmauer, die mir an den Kopf geknallt wird und zwar über die Länge des gesamten Albums, immer und immer wieder. Und es gibt keine Erholungsmöglichkeiten, denn selbst Balladen respektive langsamere Nummern verschaffen einem keine Luft. Da ist noch immer diese fremde Nase. Daran ändert sich auch nicht viel, wenn man die Lautstärke zurückdreht.

Als Stilmittel eingesetzt, mag es durchaus interessant sein, den Lautstärkehammer auszupacken. Als Beispiel: Im aggressiveren Dancebereich kann dieses «direkt in die Fresse hauen»-Gefühl durchaus den gewünschten Zweck erfüllen. Nur ist das für mich nicht unbedingt die Art von Musik, die ich zuhause permanent mit oder ohne Kopfhörer geniessen möchte. Bedauerlich ist, dass bei vielen aktuellen Produktionen, vor allem wenn sie auf den Massenmarkt zielen, diese Dynamik-Möglichkeiten nicht als Stilmittel, sondern als Standard-Technik verwendet werden. Häufig geht es eher darum, mindestens so laut wie das Vergleichsprodukt zu sein, wenn möglich noch ein Spürchen lauter. Silvan Lassauer