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Veria – Vasilika – Drama

Fünf St.Galler Aktivist*innen waren neun Tage in Thessaloniki, wo sie mit Spenden aus der Ostschweiz mehrere Refugee-Camps unterstützt haben. Hier ihr Bericht.
Von  Gastbeitrag
Die Hälfte des gekauften WC- und Haushaltspapiers (Bilder: zvg)

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und Unbekannte, die gespendet und in sonstiger Weise irgendwie an unserer Reise teilgenommen haben

Schnell waren die Tage in den Flüchtlingscamps nahe Thessaloniki vorbei und wir sind bereits seit einigen Tagen wieder zu Hause. Zuerst möchten wir uns von tiefstem Herzen für eure grossartige finanzielle Hilfe bedanken. Wir sind komplett überwältigt, dass wir innert vier Tagen und während des Aufenthaltes einen Betrag von 10‘750 Euro zugesichert und überwiesen bekommen haben – DANKE!!

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Beim Einkauf von 4800 Sommersocken in einem Fabrikladen, der mit falsch beschrifteten Socken handelt. (Klick zum Vergrössern)

Mit diesem Bericht möchten wir uns bei Euch bedanken, euch zeigen wohin das Geld geflossen ist und euch an unserem Erlebten und unseren Gedanken teilhaben lassen.

Wir sind nun wieder in unsere Realität zurückgekehrt und wissen bis jetzt noch nicht wirklich, wie wir all den Menschen, die wir kennengelernt und getroffen haben mit diesem Bericht gerecht werden können – all den Geschichten, den verschiedenen und doch auch gleichen Wegen, den Leiden und Sorgen, der Hoffnung und Verzweiflung und schlussendlich auch der Resignation.

Es bleiben viele Fragen und Gefühle, die während diesen neun Tagen voller Eindrücke, Begegnungen, Tatendrang in den Hintergrund gerückt sind. Es bleibt die Wut auf die westlichen Staaten und unsere Gesellschaft, die eine derartige Situation zulässt, die über Menschlichkeit und Grundbedürfnisse predigt und selbst nichts dafür unternimmt, die Wut darüber, dass weltweit keine Verantwortung übernommen und das Schicksal dieser Menschen mit ihrer Trauer, ihren traumatischen Erlebnissen, ihren Hoffnungen in die Hände von Privatpersonen gelegt wird. Die Wut über die mediale Darstellung dieser Menschen und die Wut darüber, dass kein Ende in Sicht ist.

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Zelt in der Fabrikhalle des Vasilika-Camps. Hier leben bis zu zehn Personen.

Es bleibt die Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Die Menschen werden auf brutalste Art und Weise im Stich gelassen und viele versinken in den Tiefen ihrer selbst und müssen die verbliebene Lebensenergie, sofern auf den langen Wegen noch nicht verloren, dafür aufbringen nicht ganz unterzugehen – obwohl sie es auf vermeintlich sicheres Land geschafft haben.

Viele von den Menschen, die wir eigentlich mit offenen Armen empfangen sollten, sind Familien. So viele schwangere junge Frauen und ihre Ehemänner. Ihre Kleinsten, die uns mit einer so lieblichen und noch so naiven Liebe entgegenkommen und uns blindlings ihr Vertrauen schenken. Die etwas älteren Kinder, die diese Verspieltheit in ihrem kurzen Leben bereits abgelegt haben und so viel ernster wirken, als Kinder es sein sollten. Die Erwachsenen, die auch unter diesen Umständen versuchen, ihren Familien ein schönes Leben zu ermöglichen und sogar Militärzelte zu kleinen Paradiesen wandeln können und sie mit ihrer elterlichen Liebe füllen. Alte Menschen, die uns in ihrer Lebenserfahrung um Jahrzehnte voraus sind. Menschen mit solch einem Leid oder Gebrechen, so, dass sich die Frage stellt: Wie haben sie es bloss heil hierher geschafft?

Doch sie haben es. Sie sind da. Sie sind da. Sie sind da. Und es wären noch einige mehr, hätten nicht viele unterwegs ihre Freunde oder Familien ans Meer, an Regierungen oder an Terroristen verloren. Wir stehen vor ihnen, in unserer Überforderung und wissen: Ihnen wurde alles genommen. Heimat. Hoffnung. Hab und Gut. Freunde. Familie. Selbstbestimmtheit. Das Recht auf Freiheit.

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Die alte Tabakfabrik in Drama, gefüllt mit behelfsmässigen «Zelten»

Einige liebgewonnene Flüchtende haben wir gefragt, ob sie einen kurzen Text schreiben möchten, sei es nun ein Gedicht, eine Geschichte, ein Lied. Wir wollten ihnen die Möglichkeit geben für sich selbst zu sprechen:

 

Sarah, 24, Englische Literaturwissenschaften

After suffering a sever seige for more than a year
They decided to migrate and espace hunger and fear
She bitterly whispered in her close friends ear
«I will travel tomorrow… I will miss you dear»
Then mournfully glanced at her collage and shed a tear
Aware that her journey will be long; for Europe is not near
Then she put a painful kiss on her grandpa’s hand
His body was conumed by hunger and could hardly stand
They both started to cry and grieve
She said: «forgive me but I have to leave»
Now it is time for her to depart
Carrying all the sweet memories in her heart
Memories were all what she could take
And that made her heart break
She set off with tiredness in body, soul and mind
Thinking of her home and family she left behind
They headed up to turkey since it’s more secure
The journey was tiring but they had to endure
After Turkey they still had to cross the sea
And then to Germany the planned to flee
On a small boat they were jamed like sheep
Where deadful women and kid started to weep
When they finally arrived to the safe shore
They didn’t know what the future had in store
They thougt they could continue their trip with safety and peace
But out on their expectations they were stuck in Greece
However they still have hope and belief
That Allah will shower their hearts with relief

 

Ahmed, 28, Literaturstudent

EKO Station
If you are in EKO station
You will see the real dehumisation
You don’t have the right to have
To love
To get small inspiration
You are just a number for another greedy nation
They will never see you as a human being
Just a creature they threaten with deportation
I wish that I was dead in Syria
Rather than be in this situation
I am not sure what you can call this treatment from the best civilisation
Despite this all we will not break down
We are the strongest combination
To cross the mountains
The desert
The borders
To make the sea our last destination
To be Syrian that means to suffer in every way
In your imagination

 

Hassan, 24, Bauingenieur

Four months in greece…
Every one maybe want to ask how do feel after four months in the camps
I cannot answer simply how I feel can you help me please????
_ when your home is small tent in the middle of nowhere .
_ when you must wake up every morning trying to make your week tent more strong in face of the wind, rain or even the heat and you can do it.
_ when you see every day sick people, pregenet women, kids fighting the sickneness in the dark of this tents and no bady care.
_when you hope from the world to give you a solutions after four mouths waiting and the only solution that they give move you to another camps and give you bigger tent.
_ when you see people ranaway from the war maybe they will find the safety in somewhere in this planet, and now???? They are hopeless at the gates of Europe to the extent they would prefer a return to war because they think it is more merciful from here.
_ when some one ask you for help and you can help him and you dont know any body can help.
_ when they forget your name and they called you by your tent number. If you can tell me how I fell please tell me because I don’t have words to discredit how I feel.

 

Wo sind die Spenden hin?

Wir waren hauptsächlich in drei verschiedenen Camps tätig. Veria, Vasilika und Drama. Alle sind Militärcamps, was bedeutet, dass das Militär die riesigen Hallen mit Strom- und Wasseranschluss (ohne Toiletten, Duschen, Feuerlöscher,….) zur Verfügung stellt, die Eingänge kontrolliert sowie einen Mindestbedarf an Essen verteilt: zum Frühstück ein abgepacktes Croissant (bekannt aus Nachtzügen oder Flugzeugen), zum Mittagessen eine kleine Portion Pasta mit einem kleinen, eher seltenen Anteil Fleisch oder Fisch und natürlich ohne Gemüse, und fürs Nachtessen erneut ein abgepacktes Sandwich mit Butter. Und einen Pfirsich am Tag – für die Vitamine. Ansonsten ist das Militär eher im Hintergrund.

Die Hallen, meist alte Fabrikgebäude, sind aus Beton. Einige Camps haben Zelte, aufgeteilt nach Familien, für den Erhalt einer minimalen Privatsphäre, andere haben nicht einmal das und hängen Wolldecken auf, um so einen eigenen Raum zu schaffen – kein Wunder gibt es immer wieder Lausplagen oder andere Parasiten bei solch einem Staubparadies und drückender Feuchtigkeit. Alles weitere an Ausstattung, Nahrung wie Gemüse, Kleidung oder Hygieneartikel sind Spenden.

Die Behandlungsräume in Drama samt Apotheke – alles Spenden von Privatpersonen.

Im Lagerhaus in Vasilika wurde für jede Familie ein Abfallkübel mit Hygieneartikeln und Kindernahrung gefüllt, je nach Bedürfnis.

Unsere Wege haben sich getrennt: Medea betreute und behandelte Patienten zusammen mit einer kleinen medizinischen Organisation namens Team Kitrinos in Drama, einer Stadt zwei Stunden von Thessaloniki entfernt, während Arion, Dave, Bastian und Jonas den Kontakt mit Petros aufgenommen haben, über den es einiges zu berichten gibt:

Petros ist ein Grieche, der seit mehreren Monaten sein Leben auf Eis gelegt hat und sich für die Flüchtenden, insbesondere rund um Thessaloniki einsetzt. Er handelt als eigenständige Person ohne einer NGO zugehörig zu sein und ist hauptsächlich in Vasilika tätig, aber auch sonst überall, wo er am gebraucht wird. Er investiert Spenden in dringliche Bedürfnisse wie Hygieneartikel, frische Nahrung, Schuhe, Kleidung, organisiert mit NGOs zusammen den Aufbau von Schulen, den Einkauf von Büchern und engagiert sich für die Vernetzung der Camps untereinander.

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Beim Einkauf von 4200 Rollen WC- und Haushaltspapier: Petros und seine vier Gehilfen.

Und eben mit diesem Petros waren wir unterwegs. Wir arbeiteten tagsüber in einem Lagerhaus, das voller Spendenkartons aus ganz Europa ist und diese in umliegende Camps verteilt. Weiter fuhren wir, nach Absprache mit den Koordinator*innen der Camps, mit Grosseinkäufen direkt vorbei und belieferten sie mit den benötigten Naturalien. Folgend nun die Auflistung unserer Ausgaben:

Microsoft Word - aufstellung.docx

Klick zum Vergrössern

Zum Schluss haben wir noch einige Fotos beigefügt, wobei wir aber darauf geachtet haben, keine Bilder von Flüchtenden zu machen – einerseits wollen wir ihre Privatsphäre wahren, andererseits ist es zu ihrem Schutz, da doch einige von ihnen vom Staat oder auch von terroristischen Organisationen gesucht werden.

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Im Warehouse, wo alle Spenden für die Camps rund um Thessaloniki gelagert und sortiert werden.

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Eine Lastwagenladung Gemüse für 1200 Geflüchtete im Vasilika-Camp.

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Verteilung einer Ladung Gemüse und Getreide in Drama. In den nächsten zwei Monaten wird ein lokaler Gemüsehändler zweimal pro Woche eine Ladung Gemüse ins Camp mit rund 250 Geflüchteten liefern.

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120 kg Reis, Pasta, Linsen, Pelati, Zucker und Salz für das Camp in Veria, wo 370 Geflüchtete leben.

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Nach einigen Versuchen stimmte auch die Verstauungstechnik.

Wir möchten uns nochmals ganz herzlich für euer Vertrauen und eure Grosszügigkeit bedanken und euch eine Anlaufstelle bieten, falls ihr jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der oder die auch spenden möchte oder Fragen hat bezüglich einer eigenen Reise nach Griechenland – das Elend ist noch nicht zu Ende.

Wir werden weitere Spenden an Petros via WesternUnion nach Griechenland senden; wir haben grosses Vertrauen zu ihm und wissen, dass jeder Rappen an den richtigen Ort kommt.

Herzlich gegrüsst,
Bastian, Jonas, Arion, Medea, Dave

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Spenden an:
Arion Gastpar, 9000 St.Gallen, IBAN: CH61 0900 0000 8779 9008 6

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01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

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Senf

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Manuel stahlberger bit tuner heiss pd