Es ist einer dieser Abende. Der Wetterbericht verheisst nichts Gutes. Die dunklen Wolken rollen gewitterandrohend apokalyptisch über See und Voralpen und geben dem Wetterbericht recht. Doch dann leuchtet plötzlich ein Regenbogen über der Bühne auf dem Rapperswiler Fischmarktplatz, gerade so, als hätten die Lichttechniker ihr Arsenal um einen ganz besonderen Kniff ergänzt. Und als kurz nach neun Jan Delays Band Disko Nr 1 die ersten Fanfaren gen Firmament schmettert ist klar: Es wird einer dieser ganz besonderen Abende.
«Jan Delay ist ein deutscher Hip-Hop-, Reggae-, Soul-, Rock- und Funk-Musiker», heisst es auf Wikipedia. Es wäre besser, wenn Rock und Funk vertauscht wären. Denn Jan war zuerst Hip-Hop-Musiker, und dann kamen Reggae, Soul und Funk und schliesslich, mit dem Album Hammer & Michel im Jahr 2014, der Rock dazu.
Jan blickt tatsächlich auf eine bewegte Musikergeschichte. Bereits 1991, 15-jährig, gründete er mit Freunden die Absolute Beginners, die später zu den Absoluten Beginnern wurden und seit 2013 nur noch die Beginner sind. Damit gehört er zu den Pionieren und ganz, ganz, ganz Grossen des deutschen Rap.
Parallel zu den Beginnern etablierte er sich als Solo-Künstler. Zuerst 2001 mit einem Reggae-Album, dann mit zwei Funk-Soul-Alben und schliesslich eben mit Hammer & Michel. Seit der ersten Funk-Soul-Platte Mercedes Dance 2006 («Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran») landeten alle auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. In Rapperswil spielte er sich durch alle Jans.
Verdichtetes Tanzgold
Seit Jahren wird zu Gold, was Jan anfasst. Auch die verschiedenen Musikstile. Nicht, dass er die Musik neu erfindet. Aber seit er mit der vielleicht tightesten Band des Abendlandes, Disko Nr 1, musiziert, verdichtet er, was er anfasst, zu genial arrangiertem Tanzgold. Durchaus selbstironisch, keineswegs naseweis näselnd. Nach dem Reggae-Set im Programm auf dem Fischmarktplatz mahnt er das Publikum, wieder aufzuwachen. Es ist ein kurzer Kontrapunkt in einem Konzert, das grundsätzlich auf bewegte Knie-, Hüft- und andere Gelenke sowie wild wackelnde Hintern abzielt.
Auf dem ganzen Fischmarktplatz und der VIP-Tribüne (als Jan das Publikum auffordert, ein Kleidungsstück über dem Kopf zu schwenken, ruft er den VIPs zu: «Wenn ihr kein freies Kleidungsstück habt, dann schwenkt wenigstens eure riesigen Geldscheine!») tummelt sich viel einheimisches und importiertes Gemüse. Es bleibt aber – vielleicht der Wetterlage sei Dank – genügend Raum für ausschweifende Tänze und ellbogenkampffreie Biertransportgänge zu Bars, wo man keine drei Minuten aufs Getränk wartet.
Jan Delay läuft sich warm fürs Blues’n’Jazz.
Einer dieser Roboter
Man stellt fest: Jan ist ein sympathischer Kerl, der sich mit ansteckender Überenergie durchs Konzert tanzt und singt und rappt, Disko Nr 1 ist einer dieser Roboter aus den Filmen, einer von denen, die nebst mathematischer Robotergenauigkeit menschliche Emotionen zeigen, und wenn man die Backgroundsängerinnen hört und ihnen zuschaut, denkt man: Doch, Menschen sind eigentlich schon noch gut.
Und dann muss auch mal gesagt sein, dass die Soundanlagen, die heute auf grossen Festivals stehen, wirklich richtig gut klingen. Besonders dann, wenn ein Konzert so seidenfein gemischt ist wie das von Jan Delay und Disko Nr 1.
Zum Schluss des Konzerts fielen doch noch ein paar Tropen. Aber weil der Fischmarktplatz mit Pflastersteinen und nicht mit stinkendem Schlamm ausgestattet ist, steht es vorläufig 1:0 Rapperswil vs. Sittertobel.
Stimmung, festgehalten von der Rapperswiler Sängerin Jessy Hirschi.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.