Die Opferhilfe SG-AR-AI ist seit 1993 aktiv gegen Gewalt und für deren Opfer. An einem Festakt feierte sie ihr 20-Jahr-Jubiläum. Saiten nimmt das Thema im Oktober auf.
«Ich hab doch nein gesagt» – «Aber er ist doch mein Chef» – «Als Mann kann ich mich wehren» – «Ich bin selber schuld»: Das sind ein paar der «Glaubenssätze», welche in der Arbeit der Opferhilfe immer wieder auftauchen. «Glaubenssätze» in Anführungszeichen, denn sie umreissen jene Tabuzone, aus der die Gesellschaft und jede und jeder einzelne sich befreien müsste, damit weniger Gewalttaten und Übergriffe passierten. Einer dieser Sätze prangt seit Juni auch an der Brandmauer an der Rosenbergstrasse, haushoch und unübersehbar:
Am Donnerstag hat die Stiftung Opferhilfe der Kantons St.Gallen Appenzell Ausser- und Innerrhoden ihr 20-Jahr-Jubiläum gefeiert. In der Lokremise lobten die Regierungsräte Martin Klöti (SG), Jürg Wernli (AR) und Antonia Fässler (AI) die Professionalität und das Engagement des Opferhilfe-Teams. Stiftungspräsident Thomas Wüst erinnerte an die Anfänge (mit bescheidenen 120 Stellenprozenten, die sich die beiden Geschäftsführer Brigitte Huber und Urs Edelmann teilten) und fragte, was man erreicht habe.
Das Wichtigste: Opfer von Gewalt oder Unfällen erhalten ebenso viel und professionelle Beachtung wie die Täter. Und: Frühere Tabuthemen, besonders im Bereich sexueller Übergriffe oder häuslicher Gewalt, sind heute öffentlich diskutiert und werden gesetzlich geahndet. Die Situation der Opfer könnte sich jedoch wieder verschlechtern, mahnte Wüst: Unter anderem sieht die Revision der Strafprozessordnung eine Stärkung der Beschuldigtenposition vor.
Davon abgesehen, überwog jedoch die positive Bilanz dessen, was Moderator Dani Fels «20 Jahre Notwendigkeit» nannte: Die Ostschweiz verfügt mit der Opferhilfe über ein auch national gefragtes Netzwerk von Fachleuten zu Gewaltfragen aller Art. Wie gross dieses Netz ist, zeigte der Festakt mit rund 200 Geladenen. Und wie vielfältig das Thema ist, machten künstlerische Kommentare der Zeichnerin Lika Nüssli, der Schauspielerin Pia Waibel, der Slammerin Kim Bollag und der Sängerin Karin Streule klar. Frauenpower – und wohl kein Zufall. Auch das Team der Opferhilfe hat eine auffällig starke Frauenquote. Denn siebzig bis achtzig Prozent aller Opfer sind Frauen.
Mehr zum Thema ab nächster Woche im Oktoberheft von Saiten: Es erscheint als Kooperationsnummer mit der Opferhilfe. Ein Heft über Opfer und Täter, Erlittenes und Bewältigtes, alte und neue Formen der Gewalt. Und darüber, wer hilft.
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.