, 20. September 2013
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20 Jahre Notwendigkeit

Die Opferhilfe SG-AR-AI ist seit 1993 aktiv gegen Gewalt und für deren Opfer. An einem Festakt feierte sie ihr 20-Jahr-Jubiläum. Saiten nimmt das Thema im Oktober auf.

«Ich hab doch nein gesagt» – «Aber er ist doch mein Chef» – «Als Mann kann ich mich wehren» –  «Ich bin selber schuld»: Das sind ein paar der «Glaubenssätze», welche in der Arbeit der Opferhilfe immer wieder auftauchen. «Glaubenssätze» in Anführungszeichen, denn sie umreissen jene Tabuzone, aus der die Gesellschaft und jede und jeder einzelne sich befreien müsste, damit weniger Gewalttaten und Übergriffe passierten. Einer dieser Sätze prangt seit Juni auch an der Brandmauer an der Rosenbergstrasse, haushoch und unübersehbar:

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Am Donnerstag hat die Stiftung Opferhilfe der Kantons St.Gallen Appenzell Ausser- und Innerrhoden ihr 20-Jahr-Jubiläum gefeiert. In der Lokremise lobten die Regierungsräte Martin Klöti (SG), Jürg Wernli (AR) und Antonia Fässler (AI) die Professionalität und das Engagement des Opferhilfe-Teams. Stiftungspräsident Thomas Wüst erinnerte an die Anfänge (mit bescheidenen 120 Stellenprozenten, die sich die beiden Geschäftsführer Brigitte Huber und Urs Edelmann teilten) und fragte, was man erreicht habe.

Das Wichtigste: Opfer von Gewalt oder Unfällen erhalten ebenso viel  und professionelle Beachtung wie die Täter. Und: Frühere Tabuthemen, besonders im Bereich sexueller Übergriffe oder häuslicher Gewalt, sind heute öffentlich diskutiert und werden gesetzlich geahndet. Die Situation der Opfer könnte sich jedoch wieder verschlechtern, mahnte Wüst: Unter anderem sieht die Revision der Strafprozessordnung eine Stärkung der Beschuldigtenposition vor.

Davon abgesehen, überwog jedoch die positive Bilanz dessen, was Moderator Dani Fels  «20 Jahre Notwendigkeit» nannte: Die Ostschweiz verfügt mit der Opferhilfe über ein auch national gefragtes Netzwerk von Fachleuten zu Gewaltfragen aller Art. Wie gross dieses Netz ist, zeigte der Festakt mit rund 200 Geladenen. Und wie vielfältig das Thema ist, machten künstlerische Kommentare der Zeichnerin Lika Nüssli, der Schauspielerin Pia Waibel, der Slammerin Kim Bollag und der Sängerin Karin Streule klar. Frauenpower – und wohl kein Zufall. Auch das Team der Opferhilfe hat eine auffällig starke Frauenquote. Denn siebzig bis achtzig Prozent aller Opfer sind Frauen.

Mehr zum Thema ab nächster Woche im Oktoberheft von Saiten: Es erscheint als Kooperationsnummer mit der Opferhilfe. Ein Heft über Opfer und Täter, Erlittenes und Bewältigtes, alte und neue Formen der Gewalt. Und darüber, wer hilft.

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