30 Jahre Architekturvermittlung
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Das Bild stammt aus dem Novemberheft und zeigt den sanierten Neubau eines uralten Hauses im St.Galler Naherholungsgebiet Drei Weieren. (Bild: Ladina Bischof)
Gute Bauten auszeichnen und darüber berichten – das wollten ein paar Ostschweizer Architekt:innen und gründeten 1996 das Architektur Forum Ostschweiz. Das Forum ist seither eine gemeinsam von den Fachverbänden und den Kantonen getragene Institution. SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein), BSA (Bund Schweizer Architektinnen und Architekten), BSLA (Bund Schweizer Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten), FSAI (Verband freierwerbender Schweizer Architekten) und STV (heute Swissengineering) waren die Gründungsmitglieder. «Heute wie damals wollen wir den Dialog pflegen zu Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur und Baukultur», sagt Johanna Deinet vom AFO-Vorstand.
In den ersten Jahren reiste eine Jury quer durch die Ostschweiz und besichtigte Ein- und Mehrfamilienhäuser und Infrastrukturbauten, die für Auszeichnungen angemeldet werden konnten. Schon vor der Gründung des AFO, ab 1991, gab es im Abstand von jeweils fünf Jahren solche Preise und Anerkennungen. Massgeblich beteiligt waren in diesen Anfangsjahren die Kantonsbaumeister aus Schaffhausen, dem Thurgau, St. Gallen, beiden Appenzell, Glarus und dem Fürstentum Liechtenstein und der Werkbund.
Die damaligen Auszeichnungen für einzelne Objekte und Bauherrschaften sind inzwischen von der Artikelserie «Gutes Bauen» abgelöst. Eine breit zusammengesetzte Redaktionskommission schlägt die Objekte vor, die dann von Fachjournalist:innen in «Saiten» und online bei swiss-architects.com samt Fotos vorgestellt werden. «Damit können wir im Vergleich zu früher thematisch mehr Aufmerksamkeit generieren und auch weniger prominente Themen präsentieren», schildert Thomas Eugster vom Vorstand.
Wichtiges Aushängeschild des AFO sind die Montagabend-Veranstaltungen, die seit über zwanzig Jahren im eigenen Lokal im St.Galler Lagerhaus stattfinden. Dort wird nach der Präsentation von Werken oft grundsätzlich oder philosophisch diskutiert. «In den Anfängen des AFO waren Präsentationen von Bauten wichtiger. Heute findet man im Internet fast zu jedem Objekt gute Informationen», erklärt Thomas Eugster die veränderten Schwerpunkte. Die Themen bleiben aber breit: Wie kann man nachhaltiger bauen? Wie Altbauten so ertüchtigen, dass sie eine bessere Ökobilanz haben, ohne tabula rasa zu machen? Wie kann günstiger Wohnraum erneuert werden, ohne dass danach die Mieten explodieren? Welche neuen Bautechniken sind angesagt? Darf man mit Erfahrungswerten bauen, auch wenn diese die aktuellen Normen nicht erfüllen? Und oft geht es um städtebauliche Fragen: Wie viele und welche Freiräume braucht eine Stadt? Wie rettet man die Identifikationspunkte eines Ortes?
«Wir möchten als AFO neue Perspektiven aufzeigen, Inspirationen liefern und generell der Architektur mehr Aufmerksamkeit verschaffen», fasst Johanna Deinet zusammen. Das ist auch nötig, weil Architektur immer mehr aus der Berichterstattung und damit dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet». Tageszeitungen und elektronische Medien haben die Architekturberichterstattung inzwischen fast vollständig abgeschafft. «Wir bedauern sehr, dass das St.Galler Tagblatt unsere Serie Gutes Bauen nicht mehr publiziert», so Johanna Deinet. «Saiten» ist in die Lücke gesprungen und auf der Internetseite des AFO findet sich zusätzlich zu den einzelnen Beiträgen auch eine Karte, auf der die vorgestellten Objekte geografisch verortet sind.
3. Band der Anthologie zur Baukultur
Herausgegeben vom Architektur Forum Ostschweiz und Elias Baumgarten.Das Buch präsentiert 32 Werke aus den letzten fünf Jahren, ergänzt mit Gruppengesprächen.
240 Seiten, Triest Verlag, Fr. 39.–
Die öffentliche Buchvernissage findet im Rahmen des Jubiläums 30 Jahre AFO statt: Am Freitag, 12. Juni ab 17.30 Uhr im Gut und Güter, Güterbahnhof St. Gallen.
Anmeldungen zur Buchvernissage via a-f-o.ch
Den AFO-Vorstandsmitgliedern ist klar, dass Architektur kein Mainstreamthema ist, obwohl Bauten und Planungen uns jeden Tag und überall begegnen. Zu reden geben diese Themen aber meist nur dann, wenn sie den eigenen Lebensraum beeinflussen. Deshalb sei es wichtig, dass eine öffentlich zugängliche Institution wie das AFO diese Diskussionen breit führe und dass sowohl Fachleute wie interessierte Laien und Laiinnen angesprochen werden. Deshalb stellt das AFO sowohl Architektur vor, die direkt vor der Haustüre entstanden ist oder geplant wird, als auch Entwicklungen, die weiter weg stattfinden.
Neben den Präsentations- und Diskussionsabenden im Lagerhaus organisiert das AFO Filmvorführungen im KinoK sowie Reisen, Besichtigungen und jährliche Ferienprogramme für Jugendliche, die inzwischen vom Zeughaus Teufen betreut werden. Dank der rund 400 AFO-Mitglieder sind die Anlässe immer sehr gut besucht.
Bei allem Diskussionsbedarf: Das AFO ist keine politisierende Organisation, aber wo juristische oder politische Interventionen nötig sind – etwa bei unzulänglichen öffentlichen Verfahren – unterstützt das Forum die federführenden Fachverbände.
Noch mehr öffentliche Wirkung verspricht sich das AFO mit dem geplanten internen Umzug im Lagerhaus: runter von der zweiten Etage in das künftige, neue Foyer der Kunsthalle. Das Baugesuch für den Umbau ist ausgearbeitet und ein Grossteil der Finanzierung ist bereits zugesichert.
Bis es soweit ist, wird im kommenden Herbst im zweiten Stock zum aktuellen Jahresthema «Fragmente» weiter diskutiert. Angekündigt ist der Basler Architekt Manuel Herz, der eben ein Buch mit dem Titel «Unfinished Atlas» publiziert hat und darin zahlreiche seiner Werke in der halben Welt ausführlich erklärt. Mit dem Thurgauer Architekten Kurt Huber wird es um den Abbruch oder doch um die Erhaltung «seiner» Kehrichtverbrennung Thurgau gehen, einem ikonischen Bau, dessen Schicksal schon beinahe besiegelt schien und der einem Neubau weichen sollte. Weitere Referenten sind Zürcher Architekt:innen: Das Büro NUAR setzt sich mit der kreislauffähigen Wieder- und Weiterverwendung von Bauteilen und Materialien auseinander. Und Esther Elmiger wird aufzeigen, wie sie bei der neuen Erschliessug der historischen Burg Neu-Aspermont in Jenins mit der vorhandenen Patina umgegangen ist.
Jubiläumsfest 30 Jahre Architektur Forum Ostschweiz: Freitag, 12. Juni ab 17.30 Uhr, Gut & Güter, St. Gallen.Weitere Veranstaltungsdaten finden sich auf a-f-o.ch
Gutes Bauen Ostschweiz (XXXIII)
In Schaan FL steht seit den 1960er-Jahren ein Einfamilienhaus – wie anderswo auch. Mit dem Haus Bretscha ist dem Architekten Dominic Spalt eine ebenso sensible und zurückhaltende wie prägnante und pragmatische Verwandlung in ein Mehrgenerationenhaus gelungen.
Gutes Bauen Ostschweiz (XXXIV)
Im Appenzellerland sind Traditionen lebendig, weil sie immerzu erneuert werden. Der Appenzeller Alpenbitter besteht aus 42 Kräutern und wird seit bald 125 Jahren erfolgreich verkauft. Für das Familienunternehmen Appenzeller Alpenbitter AG entwickelte Lukas Imhof mit seinem Team aus der Bautradition der Region eine zeitgenössische Industriearchitektur.
Sie waren Ende des 19. Jahrhunderts Symbole des Fortschritts: die Hochkamine der Fabriken. Seit Jahrzehnten sind sie kalt. Doch die letzten sind zu Merkpunkten geworden.
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
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