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À votre normalité

Genosse Galgenvogel kommentiert neu auf Saiten-Online Geschichten, die die Ostschweiz nicht nicht betreffen. Heute: Diese Sportreporter missbrauchen sogar den Alkoholmissbrauch für ihren Normalitätskitsch.
Von  Genosse Galgenvogel , 

Ein ganz Normaler sei er halt, der Hüppi, dies die Würdigung einiger seiner Weggenossen beim sonntagabendlichen Sportpanorama, der nunmehr letzten Sendung des langjährigen Berufsenthusiasten patriotischer Turnübungen beim SRF. Ausgelöst wurde der ganze Zirkus durch Hüppis Ankündigung von vergangener Woche, fortan den grünweissen Tschuttklub zu präsidieren, dessen Aktionäre zuvor die Führungsriege weggeputscht hatten.

In seiner Abschiedssendung darf Hüppi mit dem eifrig witzelnden Simi Ammann auf dem Studiosofa rumrutschen, etwas Eierschaukeln und den mehrfachen Olympiasieger danach fragen, was so dessen «Gefühle» beim Betrachten der olympischen Ringe seien. Hüppi möge den Sport halt wirklich, so Bernhard Russi bei einem Einspieler, manchmal habe er sogar bei ausländischen Athleten Tränen in den Augen gehabt. Alain Sutter ist froh, dass dieser immer was zu sagen wusste. Und Jörg Abderhalden, sichtlich gerührt über einem Bildnis des Matthias H. in Holzfällerhemd am Schwingfest, meint, Hüppi sei «fast wie einer von uns» gewesen.

Jann Billeter (kann den jemand von Päddy Kälin unterscheiden?), der bei der Schlussrunde für den Fall allfälliger Emotionsausbrüche übernehmen muss, sorgt mit: «Gäll, Matthias, mängisch muesmä schreie!» – «Hä?» – «Das hani vo DIR glernt!» leicht pathetisch für den skurrilsten Dialog der TV-Woche. Hüppi betont zum Schluss die Wichtigkeit seines Teams, «ohni gats nöd!», und macht joggend eine Ehrenrunde durch die Kameraleute.

Des weiteren fällt der abtretende Sportquassler mit einem Grusswort an seine Kritiker auf, auch ohne diese wäre er nie der geworden, der er heute sei, sagt er. Nach etlichen deplatzierten «Höhös» und «Huhus» der salutierenden Männerrunde Russi-Billeter-Sutter-Abderhalden bewirbt sich der designierte effzee-essgee Präsi schon fröhlich befangen mit einem «Füo mi giz ab etz nuo no hopp Sanggalle» für den Abgang.

Der Mensch hat echt zu viele Sportinterviews gesehen. Was das vermutlich alles suggerieren soll: Der neue Präsident des Fussballklubs ist kein zwielichtiger Wirtschaftsheini, sondern einer mit «Sportsgeist», ein Normaler, einer mit Emotionen. «Hüppi, hüppi, hurra!» titelte schliesslich der «Blick» nach der Bekanntgabe des allerorts als «Überraschungscoup» gehandelten Engagements. Cervelatprominenz ist Ereignis.

Beruhigt können wir nach der Bekanntgabe notieren: Hüppi habe eine eiserne Alkoholdisziplin, nicht mal bei Pasta in Italien habe er sich ein Schlückchen Rosso gegönnt, wenn am nächsten Tag ein Skirennen anstand, so der Weggefährte Russi. «Hohoho, defüo nocho», kommentiert der topfnüchterne Hüppi. Man reibt sich die Augen. Was bitteschön soll Alkohol denn n a c h dem Rennen helfen? Diese Sportreporter missbrauchen sogar den Alkoholmissbrauch für ihren Normalitätskitsch.

So weit, so normal. Nun aber hiess es vergangene Woche aus dem Mund von ehemals nice-guy Hüppi, der sich Mühe gab, eine gmögig-strenge Bestimmtheit an den Tag zu legen: «Ab jetz gitz nuo no ei Gruppe, und da isch grüe-wiiss». Leadership, waisch. Hüppi zeigt jetzt, dass der Sportsgeist «durchgreifen» kann. «Jetzt gibts nur noch…», ist die zivile Variante von «Achtungfertigcharlie». Abgesehen davon ist die Behauptung in etwa so sinnvoll wie: «Alle Katzen kaufen Whiskas». Es ist empirisch mehr als naheliegend, dass keine Katze sowas je kaufen würde. Katzen kaufen Lasagne oder chillens mal.

Einen aufschlussreichen Hinweis liefert der Kommentar von Marcel Elsener kürzlich im «Tagblatt»: Es handele sich bei der Hüppi-Übernahme weniger um einen Coup des Fussballclubs, sondern vielmehr um einen Putsch der CVP, die damit versucht, an ihre alte brötige Basis zurückzukommen, die sie bei den letzten Wahlen so deutlich verloren hat. Die lokalpatriotische Dreifaltigkeit: Wurst, Rasen, Lattenkreuz. Liebe deinen nächsten Fussball wie dich selbst. Hüppi ist demnach der Schwarzenegger der Ostkatholen.

Dass es aber auch in der Ostschweiz noch möglich ist, umherzuschweifen, ohne jeden Scheiss mitzumachen, beruhigt in solchen Zeiten ungeheuerlich. Wir planen nämlich, uns demnächst über die tötelige Weihnacht zu nerven, die möglicherweise tatsächlich grünweiss – durchsetzt mit ordentlichen Grautönen – werden wird. Und wenn dann schliesslich in Winkeln wieder gekickt wird, ergötzen wir uns längst an besoffenen Guggen und farbenfrohen Kotzwürfen in den letzten Schneeresten. Normal halt.

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2