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Ab in den Knast

Heartship 91

In Heartship kommen sich zwei Frauen näher und proben den Aufstand gegen sexualisierte Gewalt. Boglárka Horváth und Eva Maropoulos spielen, Matthias Peter inszeniert zum vorerst letzten Mal in der St.Galler Kellerbühne.

Sie könn­ten kaum ge­gen­sätz­li­cher sein. Ann, ge­stan­de­ne Au­gen­ärz­tin, kon­trol­liert bis zur Ver­schlos­sen­heit, und die di­rek­te, lau­te Sa­ra, die ein­mal im Mo­nat in ei­ner Knei­pe ih­re Show ab­zieht: «Sa­ras Word». Der Club heisst He­art­ship, den Abend or­ga­ni­siert ein fe­mi­nis­ti­scher Ver­ein mit dem Na­men Gyn­ta e.V., der Feind ist klar: das Pa­tri­ar­chat.

Bei der Pro­be zum Stück He­art­ship der deut­schen Au­torin Ca­ren Jess, gut zwei Wo­chen vor der Pre­mie­re in der Kel­ler­büh­ne, legt Eva Maropou­los gleich los. «Al­so, das war so: Ich auf der Büh­ne …»: So stellt sie sich als Sa­ra dem Pu­bli­kum vor. Es folgt ei­ne wü­ten­de Ti­ra­de auf die Frau­en, die sich ih­re Ego­trips als Selbst­op­ti­mie­rung schön­re­den und dem Pa­tri­ar­chat auf den Leim krie­chen. Was sie will, ist «die­ses Le­ben, in geil» – al­le Wi­der­sprü­che in­klu­si­ve.

«Ich fand sie gut», kom­men­tiert Ann Sa­ras Auf­tritt – aber als sich die bei­den dann zu­fäl­lig beim Ae­ro­bic-Trai­ning tref­fen, wagt sie es nicht, Sa­ra an­zu­spre­chen. Bo­glár­ka Hor­váth be­herrscht die Be­klem­mung, die ver­dun­kel­ten Tö­ne, die zu die­ser in sich ge­fan­ge­nen Ann pas­sen: Ei­ne er­folg­rei­che Be­rufs­frau, die sich im Ver­steck­ten die Haut auf­kratzt, er­fährt man im Lauf des Stücks. Als Ju­gend­li­che ist sie ver­ge­wal­tigt wor­den, das Trau­ma äus­sert sich als Skin Pi­cking, me­di­zi­nisch «Der­ma­til­lo­ma­nie». Und der Alp­traum ist nicht vor­bei – ein Kol­le­ge be­läs­tigt sie bei der Ar­beit, sie kann nicht re­agie­ren, er­starrt.

Weg zur Selbst­er­mäch­ti­gung

He­art­ship, vor gut ei­nem Jahr am Schau­spiel­haus Zü­rich ur­auf­ge­führt, ist in ei­ner Zeit täg­li­cher Epstein-Schlag­zei­len ra­send ak­tu­ell. Die Ant­wort der jun­gen, in Dres­den le­ben­den Au­torin und ih­rer rotz­fre­chen Sa­ra-Fi­gur ist ent­spre­chend gna­den­los. Mit den Män­nern ist Schluss, die­sen him­mel­trau­ri­gen Pim­mel­ba­cken mit ih­rem er­bärm­li­chen Sper­ma. Die Frau­en hau­en ab, Ly­sis­tra­ta wür­de sich freu­en, über­las­sen das Scheiss­pa­tri­ar­chat sei­nem Schick­sal. «Aus­ge­stor­ben – dan­ke schön!»

In ih­rer Show lässt Sa­ra lust­voll all die Pa­ro­len aus der Blü­te­zeit des män­ner­fres­sen­den Fe­mi­nis­mus noch ein­mal hoch­le­ben – ein eher ir­ri­tie­ren­des Dé­ja-vu. Zwi­schen den bei­den Frau­en geht es um­so dif­fe­ren­zier­ter, mit psy­cho­lo­gi­schen und poe­ti­schen Zwi­schen­tö­nen zu und her. Sa­ra ist für Ann die Ka­ta­ly­sa­to­rin, ei­nen selbst­er­mäch­ti­gen­den Um­gang mit ih­rem Trau­ma zu fin­den. «Wie man Ohn­macht zu Macht ver­än­dern kann»: So um­schreibt Schau­spie­le­rin Bo­glár­ka Hor­váth die Me­ta­mor­pho­se, die Ann durch­macht. Und die auch in Sa­ra neue Sei­ten zum Vor­schein bringt.

Wut und Witz

Aus dem Gar­de­ro­ben­schrank mit­ten auf der Büh­ne packt die In­sze­nie­rung in ho­hem Tem­po wit­zi­ge, scharf­zün­gi­ge, klu­ge, mal auch pla­ka­ti­ve Sze­nen aus. «Ich fin­de ver­ba­le Ag­gres­si­on to­tal span­nend, Spra­che als Mit­tel, sich zur Wehr zu set­zen», hat die Au­torin in ei­nem In­ter­view ge­sagt. Wut und Ernst – da­ne­ben hat aber auch der Hu­mor Platz im «He­art­ship» der bei­den Frau­en. Sie hät­ten bei der Pro­ben­ar­beit viel ge­lacht, sa­gen die Spie­le­rin­nen und be­stä­tigt Re­gis­seur Mat­thi­as Pe­ter. Für ihn ist die Pro­duk­ti­on das vor­läu­fig letz­te En­sem­ble­stück, das er in der Kel­ler­büh­ne in­sze­niert. Und ei­ne «Her­zens­an­ge­le­gen­heit», wie er sel­ber sagt: we­gen der bri­san­ten The­ma­tik, aber auch we­gen der Qua­li­tät des Tex­tes, der ei­nen so­fort rein­zie­he. 

Am En­de se­geln die Frau­en bild­haft aufs of­fe­ne Meer hin­aus. Aber zu­vor schrei­ten sie zur po­li­ti­schen Tat: Sie reis­sen das gel­ten­de Se­xu­al­straf­recht samt sei­nen fa­ta­len Sym­pa­thien für die Tä­ter­män­ner in Fet­zen und pro­kla­mie­ren, wel­che Stra­fe Se­xu­al­tä­tern ein­zig an­ge­mes­sen wä­re: «Faust in die Fres­se und ab in den Knast.»

He­art­ship: Mitt­woch, 4. März, 20 Uhr (Pre­mie­re), Kel­ler­büh­ne, St.Gal­len; wei­te­re Vor­stel­lun­gen bis 22. März.

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

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GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

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Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
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Zu hoch für Ap­pen­zell

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Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

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In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

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Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

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Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
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Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

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Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

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Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

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Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2