, 6. Februar 2016
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Absage an die modernen Wegelagerer

Der Fotograf und FHS-Dozent Dani Fels kommentiert für Saiten regelmässig das Stadtgeschehen. Hier seine Absage an die modernen Wegelagerer.

Konnten Sie der karitativen Wegelagerei über den Jahreswechsel widerstehen?

Genau, die Rede ist von diesen, für gewöhnlich im Rudel auftretenden, mit Logos von Hilfswerken oder NGOs getarnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Firmen wie der Corris AG, die Ihnen in der Regel an urbanen Engpässen wie vor dem Postschalter oder beim Aufgang der Unterführung Ost im Bahnhof auflauern, um Sie mit Marketinggewäsch einzulullen, das unentschlossen zwischen emotionalem Kitsch und schierer Plattheit chargiert.

«Finden Sie es auch gut, dass wir uns für (hier wahlweise ‹hungernde Kinder› oder ‹herrenlose Hunde› einfügen) einsetzen?» ist einer der beliebten Einstiegssätze, welcher die in Werbeabwehr Geschulten unter uns gleich in die Flucht schlägt, die weniger Geübten jedoch kurz stocken lässt – man ist schliesslich kein Unmensch.

Und schon stecken Sie mit einem Fuss in der Falle, aus der Sie sich oft nur freikaufen können, indem Sie den smarten Raubrittern erlauben, Sie per Lastschriftverfahren monatlich um mindestens zehn Franken zu erleichtern.

Ist ja für eine gute Sache, wenden Sie jetzt ein. Falsch gedacht, denn erstmal finanzieren Sie mit der vermeintlichen Spende bis zu eineinhalb Jahre lang die Firma, welche von den Hilfswerken und NGOs mit der Spendenjagd beauftragt wurde. Ganze 850 Franken lassen sich diese die sogenannten Dialoger, so heissen die Wegelagerer im Fachjargon, pro Tag kosten.

Wenn nun Organisationen wie Helvetas, Pro Infirmis oder der WWF bei Corris 500 Dialoger je einen Tag lang als Spendensammlerinnen und -sammler bestellen, kostet sie das 425’000 Franken, da muss dann schon einiges an Spenden generiert werden. Vor allem müssen diese lange genug fliessen, damit nicht nur die Wegelagerei refinanziert ist, sondern tatsächlich etwas für den eigentlichen Zweck abfällt.

Gemäss Art.5 des Polizeireglements ist Betteln in der Stadt St.Gallen verboten. Ich habe allerdings in unserer Stadt noch nie eine Bettlerin oder einen Bettler erlebt, die durch eine derart unangenehme Penetranz aufgefallen wären, wie die Dialoger.

Ich für meinen Teil bin fertig mit Hilfswerken und NGOs, die im öffentlichen Raum zum Spiessrutenlauf einladen. Es gibt zum Glück Alternativen; Institutionen, die mein Geld nehmen, ohne dass sie mich zuerst für dumm verkaufen.

Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten. Dieser Beitrag ist im Januar-Heft erschienen.

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