Vergessen nicht so manche Stars im Rampenlicht die Nischen? Nora Gomringer nicht. Just nachdem sie für ihren polyphonen Text Recherche den heurigen Ingeborg-Bachmann-Preis abgetischt hatte, erhielt sie die Einladung, nach St.Gallen in den Kult-Bau zu kommen, und fand mitten im Trubel des telegenen Literaturbetriebs die Zeit, dieselbe umgehend anzunehmen und das Kommen von Philipp Scholz, dem Schlagzeuger, anzukündigen.
Die Kombination von Jazz und Poesie hat nicht nur eine interessante Tradition mit tiefen Spuren im deutschen Sprachraum, sondern passt auch perfekt zum Kult-Bau, zum Salon, wo neben Lesungen und Debatten oft Konzerte stattfinden.
Nora Gomringer & Philipp Scholz: PENG! DU BIST TOT! Montag, 30. November, 20 Uhr, Noisma im Kult-Bau, Konkordiastrasse 27 in St.Gallen, Eintritt frei (Kollekte)
Nora Gomringers wuchtige und zugleich hochsensible Sprachperformance, «fatalyrisch» untermalt von Scholz‘ perkussiven Einwürfen, wird das Publikum ins Staunen versetzen: sowohl jene, welche die geistreichen mythologischen, intertextuellen und cinematografischen Anspielungen verstehen, als auch jene, die vielleicht nur einen Teil davon mitbekommen: Alle werden der Sprachmagie dieser Autorin, die in der Slam-Poetry-Szene und der Spoken-Word-Art gross geworden ist, erliegen.
Denn Nora Gomringer elaboriert keine Lyrik für die intellektuellen Hochseilakte an Germanistischen Seminaren; sie schreibt Texte, die einfahren, die vom Leben in vielen Perspektiven erzählen, Texte, die durchaus witzig, frech, launisch, sexy sein können, auch abgründig, traurig und im Kern tragisch – die aber immer lesbar bzw. vortragbar sein müssen. Sie sind nicht dazu da, die Leute lediglich zu unterhalten.
Der Titel ihrer jüngsten Textsammlung ist diesbezüglich programmatisch: Ich bin doch nicht hier, um Sie zu amüsieren (Voland & Quist, Berlin 2015). Zu sehr gehen Nora Gomringers Texte unter die Haut – da bleibt dem Publikum manches Lächeln im Ansatz und manches Lachen im Hals stecken. Ein Zeichen guter, starker Literatur: Sie trifft und betrifft.
Auf denn! Am Montag in den Kult-Bau gepilgert!
Bild: Judith Kinitz
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.