, 29. Juni 2016
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Als frau die Kamera in die Hand nahm

Die Frauenbewegung der 1980er Jahre nahm auch das Kino ins Visier – bis dahin eine Beinah-Männerdomäne. Protagonistinnen von damals berichten am Freitag im Kronenbühl Rehetobel von ihren Erfahrungen und zeigen Videos und Filme.

«Der Aufstand gilt dem Patriarchat.» Oder: «Frauen können es auch.» Es war eine aufgewühlte Zeit, eine Zeit der lautstarken Proklamationen und des Kampfs. «Selbstermächtigung» ist das schöne Wort, das Margrit Bürer immer mal wieder benutzt, wenn sie von dieser Zeit erzählt: von den circa 1980er Jahren und dem Aufbruch der Frauen im Schweizer Film beziehungsweise ihrem Einbruch in eine ausgeprägt männlich und hierarchisch geprägte Sparte. Wer sich daran erinnern lassen (und sich fragen will, wie es heute um die Geschlechterverhältnisse im Kino steht), der oder die pilgert am 1. Juli ins Kronenbühl in Rehetobel.

Soziokulturelle Videoanimation in ihren Anfängen:
Kronenbühl Rehetobel, Freitag, 1. Juli, 20 Uhr
kronenbuehl.ch

Margrit Bürer, heute Leiterin des Kulturamts von Appenzell Ausserrhoden, hat damals in Zürich mit anderen zusammen Pionierarbeit geleistet, unter anderem mit einer feministischen Frauenvideogruppe, die die Kamera selbst in die Hand nahm und ihre Sicht auf die Leinwand brachte – aber auch ihre Visionen. Einer der Filme nannte sich «Mondblutfeiern» und zeigte ein fiktives Ritual mit Menstruationshütten – so plausibel, dass man und frau damals wie heute an einen wirklichen Dokumentarfilm glaubte.

Bürer selber realisierte mehrere Filme, darunter Alles Arbeit über die Berufssituation junger Frauen und Noch führen die Wege an der Angst vorbei, einen Dokfilm über die Ängste von Frauen vor Vergewaltigung. Stets wurde im Kollektiv gearbeitet, und stets war der Widerstand des Patriarchats beträchtlich: Der «Angst»-Film polarisierte an den Solothurner Filmtagen extrem und erhielt vom Bundesamt für Kultur keine Fördergelder, weil er «keine Lösungen aufzeige»; ein Argument, über das sich die Filmerin heute amüsiert und immer noch wundert. Im Kronenbühl werden Filmausschnitte zu sehen sein, und Margrit Bürer und Béatrice Breitschmid sprechen über ihre damaligen Erfahrungen.

Eine weitere Protagonistin der Filmszene war Sus Zwick; eine Kompilation ihrer Videoarbeiten gibt es als Werkschau hier:

 

Das Kronenbühl, der junge Kulturraum mit Weitsicht Richtung Alpstein, bietet im August ausserdem ein musikalisches Matinée-Programm, zuerst mit französischer Musik «für Fortgeschrittene» (13.8.), dann mit Patagonischem von Café Deseado (20.8.) und schliesslich «Musikalische Miniaturgeschichten» (27.8.). Danach kann man jeweils ins Tal zurück oder noch höher hinauf wandern.

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