«Kannst du von deiner Kunst leben?», ist eine Frage, die wohl schon allen Kunst- und Kulturschaffenden mindestens einmal zu Ohren gekommen ist. Es ist eine ziemlich zweideutige und auch fiese Frage. Einerseits könnte sie als Bestätigung darauf abzielen, dass der Künstler durch seine tollen Werke doch bestimmt ein stattliches Gehalt erzielt, das ihm ein Leben in Saus und Braus ermöglicht. Andererseits ist es eine rhetorische Frage, die auf die allgemein bekannten und leider auch gesellschaftlich akzeptierten prekären Lebensverhältnisse von Kunstschaffenden anspielt.
Tatsächlich ist es eine Branche, in der oft keine Arbeitsverträge existieren, keine Überstunden aufgeschrieben werden können und nicht selten sogar Gratisarbeit geleistet wird. Ein Jahreseinkommen von unter 40’000 Franken ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Wieviel soll Kultur kosten?
Wie also kann die finanzielle Lebenssituation von Künstler:innen und Kulturschaffenden verbessert werden? Wie kommen sie zu einem fairen Lohn? Wie erhalten sie eine wertschätzende Gage? Ist ein gerechter Lohn überhaupt möglich? Und: Gibt es einen Unterschied bezüglich Entlohnung zwischen einer professionellen Künstlerin, die permanent an ihren Werken arbeitet, und einem «Hobby-Künstler», der gelegentlich einen Auftritt im «Säli» der Quartierbeiz hat?
Solche und ähnliche Fragen haben am Donnerstagabend Dutzende Vertreter:innen der städtischen Kunst- und Kulturszene zum Thema «Faire Löhne – Wo stehen wir?» im Talhof St.Gallen diskutiert. Geladen wurden Repräsentant:innen verschiedener Kulturorganisationen wie Stiftungen, Theater, Konzertlokale, Berufsverbände oder der kantonalen Kulturförderung.
Diskutiert wurde in mehreren Kleingruppen in einer Art Workshop. Dabei ging es oft darum, überhaupt erstmal ein Bewusstsein zu schaffen, dass Kunst und Kultur einen Wert haben, der entsprechend entlohnt werden muss. Bei den Kunstschaffenden selber, aber auch in der breiten Öffentlichkeit. Hier ein Auszug hinsichtlich der Probleme und Herausforderungen für faire Löhne, gegliedert nach den einzelnen Kulturorganisationen:
Weitere Stimmen aus der Diskussion
Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass viele Kunstschaffende freiwillig zu niedrigen Löhnen oder sogar gratis arbeiten, da sie froh sind, überhaupt eine Auftrittsmöglichkeit oder ein Engagement zu erhalten. Christian Hörler von Visarte Ost betonte, Kunstschaffende seien oft Einzelkämpfer:innen, was die Diskussion über faire Löhne zu einem gesellschaftlichen Problem mache.
Dennoch hätten das Bewusstsein und das Selbstvertrauen bei Künstler:innen bezüglich Gegenforderungen zugenommen, stellt Johannes Rickli, Programmleiter des Konzertlokals Palace, fest. «Die Forderungen nach höheren Gagen haben zugenommen, aber leider sind weder die Subventionen noch das Publikum im gleichen Mass gestiegen.»
Für Etrit Hasler von Suisseculture Sociale, einem Verein, der Kunstschaffende in sozialen und wirtschaftlichen Notlagen unterstützt, ist deshalb klar: «Es braucht generell mehr Geld für die Kultur, andernfalls kommt es zu einem Leistungsabbau.»
Der Weg nach vorn: Mehr als nur Mindestlohn
Solange die Subventionen nicht steigen, dürfte sich bezüglich Lohn nicht viel ändern. Im Gegenteil, es könnte sogar dazu führen, dass Kulturlokale und Institutionen ihre Türen schliessen müssen. Den Förder- und Subventionstopf vergrössern kann letztendlich aber nur die Politik. Diese zeigt sich aber – wenn es nicht um Infrastrukturprojekte oder um die Wirtschaft geht – insbesondere in der Kultur eher knausrig. Dass Kunst und Kultur ebenfalls ein erheblicher Wirtschaftsfaktor sind, wird dabei oft vergessen.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Erkenntnis, dass es einer breiteren gesellschaftlichen Anstrengung bedarf, um die finanzielle Situation von Kulturschaffenden zu verbessern. Es reicht nicht aus, die Verantwortung allein bei ihnen zu sehen. Vielmehr muss die Gesellschaft als Ganzes anerkennen, dass Kunst und Kultur essenzielle Beiträge zum gesellschaftlichen Leben leisten und daher eine angemessene Entlohnung verdienen. Kunst darf uns gesellschaftlich nicht nur als Konsumgut wichtig sein, sondern sie muss auch einen Wert haben, der den Menschen, die sie produzieren, ein angemessenes Leben ermöglicht.
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