«Ein Grossteil der betroffenen Linien wird an die Kornhausstrasse, an die definitiven Haltekanten, verlegt», sagt Stadtingenieur Beat Rietmann am Freitag vor den Medien zur zweiten ÖV-Umgestaltung. Betroffen sind die Linien 3, 5, 6 und 10 sowie die Linie N2. Der Bau der neuen Wartebereiche an der Kornhausstrasse ist weitgehend abgeschlossen Die beiden Haltekanten werden in Betrieb genommen und bilden den ersten neuen Bereich des Bushofs.
Für die Linie 2/8 Hinterberg/Stocken und die Linie 11 Mörschwil sowie für die Postauto-Linie 210/211 Steinach-Horn gibt es neue provisorische Standorte an der Gutenbergstrasse. Bis zur definitiven Inbetriebnahme des Bushofs (vorausssichtlich im Sommer 2017) verkehren diese beiden Linie ab der St. Leonhard-Strasse, Seite Neumarkt.
Infos auf vielen Kanälen
Passanten und ÖV-Nutzende werden während der zweiten Umstellung elektronisch-digital begleitet. Auch die mobile Webseite der Stadt St.Gallen (m.bahnhofplatz.stadt.sg.ch) leistet dabei Unterstützung. Kommunikationsmässig top-ausgerüstete ÖV-Nutzende finden zusätzlich über die «MobileSG»-App via E-Mail und kostenlosen Push-Benachrichtigungen Hilfe.
Natürlich werden bei der Bahnhofplatz-Metamorphose auch jene Leute nicht im Stich gelassen, die hauptsächlich visuell und weniger digital durch die Welt gehen. Sie finden Informationstafeln vor Ort und erhalten einen leicht verständlichen bunten Flyer in die Hand gedrückt. Freundliches Informationspersonal, durch rote Jacken, T-Shirts, Hüte und orange Warnwesten gekennzeichnet, soll vom 9. bis 17. Mai verhindern, dass der Bahnhofplatz in ein «Dschungelcamp» ausartet.
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Für Blinde und Sehbehinderte gibt es ausserdem die Infoline 071 224 45 00 (zum Ortstarif). Sie informiert über Bushaltestellen-Verschiebungen, neue Standorte und gibt allgemeine Informationen über die Veränderungen auf Bahnhof und Bahnhofplatz.
Abbruch der alten Wartehallen
Und wie geht es weiter bei der Aufwertung und Neugestaltung des St.Galler Bahnhofs und Bahnhofplatzes? Nach der Verlegung der Buslinien startet der Abbruch der alten Wartehallen und Haltekanten sowie der Bus-Fahrleitungen zwischen Kornhausstrasse und Gaiserbahnhof. Voraussichtlich Anfang Juni wird mit den Bohrpfahlarbeiten für die Fundamente der neuen Wartehallen des Bushofs begonnen.
Im nördlichen Teil des Kornhausplatzes ist auf Ende Mai der Beginn der Arbeiten für den neuen Technikraum angesagt. Zwischen Mai und Dezember sollen die letzten Teile der neuen Gleisanlage der Appenzeller Bahnen auf dem westlichen Bahnhofplatz erneuert und als Doppelgleise ausgebaut werden. Die S21 nach Speicher-Trogen bleibt bis Ende 2016 am provisorischen Standort. Weiter wird der westliche Teil der Poststrasse neu gestaltet und mit dem Umbau des zentralen Bahnhofplatzes begonnen.
Rathausunterführung in den Startlöchern
Auf der Westseite des Dienstgebäudes des Bahnhofs St.Gallen wird voraussichtlich im August im Erdgeschoss ein Lebensmittelladen eröffnet. Ab Juni 2016 bis im Frühjahr 2017 entsteht in der Passage im Westflügel des Bahnhofgebäudes ein vergrössertes Reisezentrum mit Gepäckaufbewahrung. Das Erdgeschoss im Westflügel wird komplett umgebaut. In dieser Zeit sind die Zugänge geschlossen. Hingegen bleiben die meisten Geschäfte und das Reisezentrum während der gesamten Bauzeit geöffnet.
Am 9. Mai wird mit dem Bau des ersten Teils der Rathausunterführung begonnen, was zur Teilsperrung des nördlichen Zugangs führt. Gleis 6 und 7 bleiben über die Personenunterführung West zugänglich. Ebenso ist nur noch über die Unterführung West die Bahnhofsquerung von Norden nach Süden möglich. Gleichentags ist dafür die Schlösslitreppe wieder offen. Die Bauarbeiten finden unter laufendem Betrieb statt. Die Züge sollen wie gewohnt verkehren.
Von Dezember 2016 bis Dezember 2017 bleibt die Rathausunterführung ganz geschlossen. In dieser Zeit werden die Reisenden durch die Westunterführung geleitet. 2017 sind der Ausbau des Bahnhofgebäudes auf der Ostseite sowie der Bau der neuen Ankunftshalle angesagt.
Die Menschen hinter dem Bauprojekt
Der Ausbau von Bahnhof und Bahnhofplatz gehen planmässig voran. Dafür sorgen vor allem auch die Bauarbeiter mit ihrem täglichen Einsatz. Einer von ihnen ist der aus Spanien stammende Baumaschinenführer Gumersindo Dapia. Unter anderem fährt er einen 16 Tonnen schweren Pneubagger über die Baustelle, die täglich von rund 75.000 Menschen überquert wird.
Dapia bei der Arbeit (Bild: Harry Rosenbaum)
Der «Working Class Hero» ist jeden Tag bis ans Limit gefordert. Einerseits muss er mit dem schweren Gerät die Arbeitsvorgaben genau einhalten und wie ein Häftlimacher aufpassen, dass niemand von den Passanten und Passantinnen unter die Räder gerät. «Am schlimmsten ist es morgens, in der Rush Hour, wenn die Leute von den Zügen kommen. Viele sind gestresst, weil die Zeit auf dem Weg zur Arbeit knapp ist», sagt der Baggerfahrer.
«Ich denke, dass ein Teil der Leute gar nicht wahrnimmt, dass sie eine Baustelle überqueren. Sie schauen weder links noch rechts und hören wahrscheinlich auch gar nicht, was um sie herum passiert, weil sie ihre Kopfhöhrer auf haben und in einer anderen Welt sind. Sie gefährden sich dadurch selbst. Ich muss wirklich ständig aufpassen, dass nichts passiert.»
Am Abend sei er manchmal fix und fertig, vor allem wenn es zusätzlich bei der Arbeit streng gewesen sei, sagt Dapia. Zum Publikumsverkehr kämen auch noch die Busse der VBSG und die Fahrleitungen hinzu, worauf er achten müsse. – Trotzdem, Dapia fühlt sich gut. «Für die Baumaschinenführer ist die Personensicherheit ganz wichtig, weil es auf einer Baustelle immer Menschen hat, Arbeitskollegen oder wie am Bahnhofplatz viele Reisende. Damit muss man umgehen können.»
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