Kategorie
Autor:innen
Jahr

Arbeitstitel «Hektor»

Bald hat auch St.Gallen eine Eventhalle für knapp 1500 Personen. Walter Boos, Céline Fuchs und Marc Boltshauser sind in den Startlöchern.
Von  Corinne Riedener
Céline Fuchs, Walter Boos und Marc Boltshauer. (Bilder: Ladina Bischof)

Die Halle im Lattich-Quartier gilt als eines der Filetstücke der Zwischennutzung auf dem St.Galler Güterbahnhofareal und wurde 2016 in Betrieb genommen. Im Jahr darauf wucherte darin ein buntes Kulturprogramm, kuratiert von Ann Katrin Cooper und Tobias Spori. 2018 wurde Nathalie Bösch zur neuen Hallen-Chefin, das Gewicht lag nun stärker auf Begegnung und Soziokultur – Tagungen, Märkte und allerlei Feste fanden statt. Ende Oktober letzten Jahres kam mit dem Saisonschluss im Lattich der vorläufige Schlusspunkt: Die SBB suchte für ihre Halle wieder einen Dauermieter, alle Einrichtungen und Installationen in der Halle wurden zurückgebaut und verstaut – tabula rasa.

Das «sympathisch kratzige Sandkorn im sonst vielfach allzu geschmierten Kulturbetrieb», wie Saiten damals schrieb, war Geschichte. Allerdings nicht für lange. Bereits Anfang Jahr kursierten die ersten Gerüchte, dass sich wieder etwas tue in der Halle. Seit Ende April ist es offiziell: Walter Boos und Céline Fuchs übernehmen die Halle – Arbeitstitel Hektor, Namensvorschläge willkommen – und zwar für die nächsten zehn Jahre.

Alle sind herzlich ein­ geladen, sich bei der Namensfindung für die neue Halle zu beteiligen. Vorschläge bis 20. Mai an: w.boos@attack.ch, 079 476 48 87

Walter Boos ist Inhaber einer Firma für Beleuchtung und Bühnentechnik in St.Gallen und mischt seit zehn Jahren beim Kulturfestival St.Gallen mit, Céline Fuchs macht die Projektleitung bei band-Xost ist in der FM1-Musikredaktion, moderiert das Openair St.Gallen und ist im OK des Humorfestivals Arosa. Der Dritte im Bund heisst Marc Boltshauser; er ist der erste Angestellte der Halle und zuständig für den Betrieb und die Betreuung der Gäste.

Wie scharrende Pferde

Wir treffen Boos, Fuchs und Boltshauser an einem Aprilnachmittag auf der Metalltreppe vor der Halle. Nebenan in der Projektwerkstatt werden Velos probegefahren, vis-à-vis im gelben Lattich II wird die Dachterrasse inspiziert. «Walter hat das Projekt angerissen und mich auf der Stelle mitgerissen», erklärt Fuchs und lacht. Seit kurzem haben sie die definitive Zusage der SBB und arbeiten nun an den Plänen für die nötigen Bewilligungen. Bald kann es losgehen in der Halle. «Wir freuen uns enorm auf den Startschuss – wie scharrende Pferde in den Startlöchern.»

Dass das Projekt heute an diesem Punkt ist, haben Boos und Fuchs auch Rolf Geiger von der Regio Apenzell AR-St.Gallen-Bodensee zu verdanken. Er hat Ende 2018 einige Leute zusammengetrommelt, um über die Zukunft der Halle zu spintisieren. Boos hat sofort angebissen. Dann folgten: eine Gebäudestudie, etliche Abklärungen, Sitzungen und Gespräche mit Architekten und Baufachleuten, mit der SBB, mit Stadt, Kanton und Standortförderung. «Das Feedback war aber durchwegs sehr positiv», sagt Boos. «Alle wollen – das gibt uns ein gutes Gefühl und eine gewisse Sicherheit. Jetzt sind wir gespannt, was Stadt und Kanton zu diesem Projekt beitragen werden.»

Bevor es zu Missverständnissen kommt: Die Halle soll kein neues Palace, Kugl oder eine zweite Grabenhalle werden. Dafür ist sie mit einem Fassungsvermögen von 1400 bis 1500 Personen viel zu gross – und als geplante AG zu wirtschaftlich orientiert, was im Kulturbereich nicht unbedingt der Normalfall ist. Die Halle wolle die bestehenden Kultur- und Konzertlokale in St.Gallen weder konkurrieren noch ersetzen, betonen Boos und Fuchs. «Wir sind eine Event-Halle, ein Begegnungsort für die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen.»

Dass die Stimmberechtigten der Stadt St.Gallen im September 2014 die Initiative «Reithalle für die Kultur» mit 80 Prozent abgelehnt haben, war für viele ein Rückschlag, kommt aber Boos und Fuchs nun wohl zugute. Und dass es auch rundherum wuchert. Nebst dem «gelben UFO» (mehr dazu hier) sind hier auch das Kugl, die Projektwerkstatt, die Lichtausstatter von Konigs, das Urbane Grün Atelier und die HEKS-Gärten angesiedelt. Allein ist in diesem neuen Stadtquartier niemand.

Platz für alles Mögliche

Walter Boos, Céline Fuchs und Marc Boltshauser streben «einen guten Mix zwischen Fremdvermietung und eigenen Produktionen» an. An Ideen mangelt es ihnen nicht: Tanz- und Grillkurse, Yoga-Events, Craftbeer- und Foodfestivals, Modeschauen, Flohmärkte, Velo-Polo, Galadinners, Generalversammlungen, Schlechtwetterprogramm für Familien, Konzerte, Ausstellungen, Hochzeiten und Geburtstage, Theaterproduktionen, Vintagemärkte, Generationenturnen, Tagungen, ein Rollschuhparcours, angehängt an den Schulsport und so weiter. «Es soll für alles Mögliche Platz haben. Je nach dem können wir die Halle mittels Schienensystem auch halbieren oder dritteln», erklärt Céline Fuchs. «Wir werden mit verschiedenen Tarifen arbeiten, es wird auch einen Kultur- und Non-Profit-Tarif geben für Projekte, die finanziell zu kämpfen haben.»

Die AG ist noch nicht ge­gründet, die Suche nach Geldgeberinnen und Geld­ gebern läuft aber bereits. Wer Herzblut hat und ohne baldige Dividende leben kann, melde sich bei Walter Boos.

Richtig starten soll der Hallen-Betrieb Mitte oder Ende November – sofern alles nach Plan läuft. Zuerst stehen nämlich diverse Umbauarbeiten an. Im Moment ist die Halle noch ziemlich kühl und kahl. Der Bühnenbereich ganz hinten, wo dereinst auch der Backstage-Bereich sein wird, ist abgetrennt, vorne sind Netze gespannt und ein Spielfeld eingezeichnet. «Bis Ende April wird hier noch Velo-Polo trainiert», erklärt Walter Boos auf dem Rundgang durch die Halle und das Untergeschoss. Im kleinen Raum neben dem Eingang, wo später unter anderem das Kassen- häuschen Platz finden soll, liegen ein paar verschwitzte Handschuhe, Hosen und Helme. Gleich daneben soll eine breite Treppe entstehen, die hinauf in eine Galerie und hinunter in den Toiletten-, Duschen- und Garderobenbereich führt. Im Keller sollen neben den sanitären Anlagen auch zwei Multifunktionsräume für Seminare, Tanz- oder Yogagruppen entstehen.

Fünf Monate sind seit der ersten Hallen-Sitzung vergangen. «Eine anstrengende, aber auch lohnende Zeit», sind sich Boos und Fuchs einig. «Bis zur Eröffnung wird noch einiges passieren in der Halle – und hoffentlich auch drum herum. Die Nachbarschaft im Lattich-Quartier und das Zusammenleben und -arbeiten sind uns wichtig. Wir wünschen uns, dass das neue Stadtquartier weiter zusammenwächst, dass nicht nur das Neue einbezogen wird, sondern auch das Bestehende; das Kugl, Konigs und die Projektwerkstatt.»

Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol – Schafft es der FCSG in die Play­offs?

Nach dem 3:1-Hin­spiel-Er­folg steht die Tü­re zu den Con­fe­rence-Le­ague-Play­offs weit of­fen. Schrei­tet der FCSG hin­durch? Das Rück­spiel ab 20 Uhr live im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf