Wie malt man eine Höhlenzeichnung? Wie funktioniert Archäobotanik, was haben die Römer gegessen, wie schrieben die Mönche im Mittelalter? Schülerinnen und Schüler können das und noch viel mehr künftig im Programm «Lebendige Archäologie» selbständig herausfinden. Diese Woche informierte das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen (HVM) über die neuen Angebote.
Das Format für Schulklassen ist in die Dauerausstellung «Faszination Archäologie – Schätze aus St. Galler Boden» des HVM integriert. Es bietet ein lebensnahes Lernumfeld mit Themenschwerpunkten zu vier kulturgeschichtlichen Abschnitten: Steinzeit, Pfahlbauer, Römer und Mittelalter.
Die Kunstformen der Steinzeit
In den Lektionen über die Steinzeit werden die Kinder mit den unterschiedlichen Lebensweisen in den verschiedenen Steinzeiten, mit den klimatischen Verhältnissen und deren Veränderungen vertraut gemacht, lernen die Fauna und den Werkstoff Stein sowie Alltagsgegenstände dieser Zeit kennen, die aus Knochen- und Geweihteilen sowie aus Holz, Ton und anderen Materialien hergestellt worden sind.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Feuer. Die Schülerinnen und Schüler fertigen zudem ein eigenes Höhlenkunst-Bild mit natürlichen Farbpigmenten an. Und die gesamte Klasse graviert gemeinsam eine Schieferplatte mit Tierfiguren.
Ein weiteres Modul führt in die Pfahlbauzeit. Es behandelt nicht nur die Lebensweise der Pfahlbauer, sondern auch die Forschungsgeschichte, die Datierung der Fundstellen mittels Dendrochronologie sowie die Werkstoffe Kupfer, Zinn und Bronze. Schwerpunkt bilden Methoden und Alltagsgegenstände dieser Zeit. Für die Archäologie spielt die Methode der Archäobotanik eine wichtige Rolle, um mehr über das damalige Leben in Erfahrung bringen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt beim Lernen im Museum ist die Kleidung und die dafür verwandten Materialien, samt Herstellung einer Amulettkette. Auch hier geht es darum, in Teamarbeit Leben und Arbeiten der Pfahlbauer zu ergründen.
Vom Lifestyle der Römer
Gross ist der Sprung von den Pfahlbauern in die Römerzeit. Hier erfahren die Kinder, wie sich das Leben in der Provinz vom Leben in Rom abgrenzte, was zur damaligen Zeit zum Lifestyle gehörte, wie die Römer ihre Religion ausübten und wie ihr Münzwesen funktionierte. Weitere Schwerpunkte sind die Alltagsgegenstände dieser Hochkultur und das Schreiben. Ferner werden verschiedene Neuerungen, welche die Römer in das Gebiet der heutigen Schweiz brachten, näher beleuchtet – und die Spiele, mit denen sich die Römer vergnügten.
Schliesslich tauchen die Primarschulklassen auf ihrer Reise durch die Kulturgeschichte in das Mittelalter ein. Sie erhalten Einblick in die Lebensweise auf den Burgen, Schutz und Rüstung in dieser kriegerischen Zeit werden thematisiert. Jede Schülerin und jeder Schüler fertigt auch ein Buchzeichen aus Filz an und kann so ausprobieren, wie sich das Schreiben im Mittelalter anfühlte.
Lernort Museum
Das Format ist in 7 Lektionen unterteilt. Die ersten beiden Lektionen dienen der Einführung in den Lernort Museum beziehungsweise der Vorbereitung des Museumsbesuchs und finden in der Schule statt. Für die Lektionen 3 bis 5 kommen die Schulklassen mit der Lehrperson und einer Begleitperson ins Museum und arbeiten in Workshops. Die letzten beiden Lektionen wiederum finden in der Schule statt für Nachbearbeitung und Vertiefung.
Das Modul bildet gewissermassen einen Streichelzoo für Kulturgeschichte. Mit dem eigens entwickelten Format sollen alle Schulklassen angesprochen werden, sagen die Museumspädagogin Jolanda Schärli und die Kuratorin Sarah Leib. Konzept und Inhalt des Formats stammen von der Archäologin und Historikerin Ursula Steinhauser aus Trogen.
Learing by doing, das gilt auch im Museum. (Bild: pd)
«St. Gallen ist auf der archäologischen Landkarte kein weisser Fleck mehr», sagt Peter Schindler, Leiter der Kantonsarchäologie. «Wir sind aktiv.» Für Innovationen ist das Umfeld derzeit jedoch ungünstig. Das Kantonsparlament hat wider Erwarten empfindliche Einsparungen bei der Archäologie beschlossen (Berichte hier und hier). «Mich hat das betroffen gemacht», sagt HVM-Direktor Daniel Studer. «Wir nehmen Archäologie sehr ernst und wollen die Themen auch nach draussen tragen.» Trotz der Sparbremse sei aber der Innovationsgeist im HVM ungebrochen, wie das Programm «Lebendige Archäologie» zeigt.
Laut HVM-Direktor Studer kann «Lebendige Archäologie» mit Mitteln aus der Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, die dem Haus 250’000 Franken zusichert, finanziert werden. Trotzdem bereitet die Sparbremse den Museums-Leuten Sorge. Für alle grossen Würfe müsse das HVM Geld bei privaten Stiftungen und Sponsoren organisieren, sagt Studer. Das sei nicht einfach, weil mit grossem Aufwand die Ausstellungsprojekte bis in Detail ausgearbeitet werden müssten. Erst dann könnten mögliche Geldgeber für die Realisierung gesucht werden.
HVM ist unternehmerisch tätig
Das HVM ist bei der Geldbeschaffung selbst unternehmerisch aktiv geworden. Die fünf Restauratorinnen des Hauses arbeiten nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern zu Marktpreisen auch für fremde Auftraggeber. «Wir müssen dem Geld entgegengehen und ihm nicht hinterherspringen», sagt Studer.
Trotz der schweren Zeiten plant er eine grosse Ausstellungen über die Wikinger. Für die Realisierung sind die Jahre 2019 und 2020 auf dem Radar. «Dafür brauchen wir aber ein gutes Sponsoring», meint der HVM-Direktor, der Marktwirtschaft und Kultur in Einklang bringen muss und dabei öffentliche Erwartungen nicht ausser acht lassen darf. Die finanzielle Basis für das HVM und seine innovativen Projekte bildet gegenwärtig der Lotteriefonds; dort müssen Kredite projektweise neu beantragt werden. Wenn auch hier der Sparhebel angesetzt würde, wäre das der «Supergau» für das Museum.
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Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
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