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Archäologie mit allen Sinnen

Das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen geht neue Wege und bietet die Archäologie den Primarschulen als abenteuerliches Erfahrungs- und Experimentierfeld an.
Von  Harry Rosenbaum , 
Schüler untersuchen Pollen aus einer Pfahlbauer-Siedlung, die Aufschluss darüber geben sollen, welches Getreide die Leute angepflanzt haben. Links Museumspädagogin Jolanda Schärli. (Bild: Harry Rosenbaum)

Wie malt man eine Höhlenzeichnung? Wie funktioniert Archäobotanik, was haben die Römer gegessen, wie schrieben die Mönche im Mittelalter? Schülerinnen und Schüler können das und noch viel mehr künftig im Programm «Lebendige Archäologie» selbständig herausfinden. Diese Woche informierte das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen (HVM) über die neuen Angebote.

Das Format für Schulklassen ist in die Dauerausstellung «Faszination Archäologie – Schätze aus St. Galler Boden» des HVM integriert. Es bietet ein lebensnahes Lernumfeld mit Themenschwerpunkten zu vier kulturgeschichtlichen Abschnitten: Steinzeit, Pfahlbauer, Römer und Mittelalter.

Die Kunstformen der Steinzeit

In den Lektionen über die Steinzeit werden die Kinder mit den unterschiedlichen Lebensweisen in den verschiedenen Steinzeiten, mit den klimatischen Verhältnissen und deren Veränderungen vertraut gemacht, lernen die Fauna und den Werkstoff Stein sowie Alltagsgegenstände dieser Zeit kennen, die aus Knochen- und Geweihteilen sowie aus Holz, Ton und anderen Materialien hergestellt worden sind.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Feuer. Die Schülerinnen und Schüler fertigen zudem ein eigenes Höhlenkunst-Bild mit natürlichen Farbpigmenten an. Und die gesamte Klasse graviert gemeinsam eine Schieferplatte mit Tierfiguren.

Ein weiteres Modul führt in die Pfahlbauzeit. Es behandelt nicht nur die Lebensweise der Pfahlbauer, sondern auch die Forschungsgeschichte, die Datierung der Fundstellen mittels Dendrochronologie sowie die Werkstoffe Kupfer, Zinn und Bronze. Schwerpunkt bilden Methoden und Alltagsgegenstände dieser Zeit. Für die Archäologie spielt die Methode der Archäobotanik eine wichtige Rolle, um mehr über das damalige Leben in Erfahrung bringen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt beim Lernen im Museum ist die Kleidung und die dafür verwandten Materialien, samt Herstellung einer Amulettkette. Auch hier geht es darum, in Teamarbeit Leben und Arbeiten der Pfahlbauer zu ergründen.

Vom Lifestyle der Römer

Gross ist der Sprung von den Pfahlbauern in die Römerzeit. Hier erfahren die Kinder, wie sich das Leben in der Provinz vom Leben in Rom abgrenzte, was zur damaligen Zeit zum Lifestyle gehörte, wie die Römer ihre Religion ausübten und wie ihr Münzwesen funktionierte. Weitere Schwerpunkte sind die Alltagsgegenstände dieser Hochkultur und das Schreiben. Ferner werden verschiedene Neuerungen, welche die Römer in das Gebiet der heutigen Schweiz brachten, näher beleuchtet – und die Spiele, mit denen sich die Römer vergnügten.

Schliesslich tauchen die Primarschulklassen auf ihrer Reise durch die Kulturgeschichte in das Mittelalter ein. Sie erhalten Einblick in die Lebensweise auf den Burgen, Schutz und Rüstung in dieser kriegerischen Zeit werden thematisiert. Jede Schülerin und jeder Schüler fertigt auch ein Buchzeichen aus Filz an und kann so ausprobieren, wie sich das Schreiben im Mittelalter anfühlte.

Lernort Museum

Das Format ist in 7 Lektionen unterteilt. Die ersten beiden Lektionen dienen der Einführung in den Lernort Museum beziehungsweise der Vorbereitung des Museumsbesuchs und finden in der Schule statt. Für die Lektionen 3 bis 5 kommen die Schulklassen mit der Lehrperson und einer Begleitperson ins Museum und arbeiten in Workshops. Die letzten beiden Lektionen wiederum finden in der Schule statt für Nachbearbeitung und Vertiefung.

Das Modul bildet gewissermassen einen Streichelzoo für Kulturgeschichte. Mit dem eigens entwickelten Format sollen alle Schulklassen angesprochen werden, sagen die Museumspädagogin Jolanda Schärli und die Kuratorin Sarah Leib. Konzept und Inhalt des Formats stammen von der Archäologin und Historikerin Ursula Steinhauser aus Trogen.

Learing by doing, das gilt auch im Museum. (Bild: pd)

«St. Gallen ist auf der archäologischen Landkarte kein weisser Fleck mehr», sagt Peter Schindler, Leiter der Kantonsarchäologie. «Wir sind aktiv.» Für Innovationen ist das Umfeld derzeit jedoch ungünstig. Das Kantonsparlament hat wider Erwarten empfindliche Einsparungen bei der Archäologie beschlossen (Berichte hier und hier). «Mich hat das betroffen gemacht», sagt HVM-Direktor Daniel Studer. «Wir nehmen Archäologie sehr ernst und wollen die Themen auch nach draussen tragen.» Trotz der Sparbremse sei aber der Innovationsgeist im HVM ungebrochen, wie das Programm «Lebendige Archäologie» zeigt.

Laut HVM-Direktor Studer kann «Lebendige Archäologie» mit Mitteln aus der Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, die dem Haus 250’000 Franken zusichert, finanziert werden. Trotzdem bereitet die Sparbremse den Museums-Leuten Sorge. Für alle grossen Würfe müsse das HVM Geld bei privaten Stiftungen und Sponsoren organisieren, sagt Studer. Das sei nicht einfach, weil mit grossem Aufwand die Ausstellungsprojekte bis in Detail ausgearbeitet werden müssten. Erst dann könnten mögliche Geldgeber für die Realisierung gesucht werden.

HVM ist unternehmerisch tätig

Das HVM ist bei der Geldbeschaffung selbst unternehmerisch aktiv geworden. Die fünf Restauratorinnen des Hauses arbeiten nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern zu Marktpreisen auch für fremde Auftraggeber. «Wir müssen dem Geld entgegengehen und ihm nicht hinterherspringen», sagt Studer.

Trotz der schweren Zeiten plant er eine grosse Ausstellungen über die Wikinger. Für die Realisierung sind die Jahre 2019 und 2020 auf dem Radar. «Dafür brauchen wir aber ein gutes Sponsoring», meint der HVM-Direktor, der Marktwirtschaft und Kultur in Einklang bringen muss und dabei öffentliche Erwartungen nicht ausser acht lassen darf. Die finanzielle Basis für das HVM und seine innovativen Projekte bildet gegenwärtig der Lotteriefonds; dort müssen Kredite projektweise neu beantragt werden. Wenn auch hier der Sparhebel angesetzt würde, wäre das der «Supergau» für das Museum.

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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