«Die Annahme des Initiativbegehrens wäre ein negatives Zeichen nach Bern», prognostiziert Stadtpräsident Thomas Scheitlin an der Medienkonferenz der Stadtregierung. Die dafür vorgesehenen Gelder würden später nicht mehr zur Verfügung stehen. «Das ist eine einmalige Chance!»
A1-Anschluss und Teilspange in 20 bis 30 Jahren
Das von der SP lancierte Volksbegehren will die Pläne für einen weitgehend unterirdischen zusätzlichen Anschluss an die A1 und eine anschliessende Teilspange Liebegg verhindern, die Argumente dazu hier und hier. Stadtrat und Stadtparlament lehnen die Initiative ab. Von den baulichen Massnahmen erhoffen sie sich für die Innenstadt eine erhebliche Entlastung vom motorisierten Verkehr und die Förderung des öV sowie des Langsamverkehrs. Das bedeute eine Steigerung der innerstädtischen Lebensqualität. Die Realisierung kann aber 20 bis 30 Jahre dauern.
Der Stadtpräsident und Stadträtin Patrizia Adam von der Direktion Bau und Planung konnten an der Medienkonferenz nicht sagen, auf wie viel Geld die Stadt vom Bund und voraussichtlich auch vom Kanton verzichten müsste, wenn trotz Annahme der Initiative die angedachten verkehrlichen Massnahmen doch noch irgendwann umgesetzt würden – voraussichtlich aber mehrere 100 Millionen Franken. Es sei noch kein Projekt vorhanden, sagt Scheitlin.
Anzunehmen sei, dass der Anschluss an die A1 weitgehend vom Bund finanziert würde und der Kanton einen beträchtlichen Anteil an die Teilspange zahlen würde. Die Verteilung erfolge nach Modulen. Bei einem Ja für die Initiative würde St.Gallen sicher als Geldempfängerin zurückgestuft. Was letztlich die Stadt selbst aufwenden müsste, wisse man vorerst nicht.
Lesen im Kaffeesatz also.
Den Appenzellern keinen Autobahnanschluss bauen
Die Initianten sehen im Areal Güterbahnhof eines der letzten städtischen Entwicklungsgebiete. Mit einer Nutzung für Wohnen und Gewerbe würde das Areal aufgewertet und das innerstädtische Zentrum erweitert. Der Anschluss des Güterbahnhofs an die A1 verhindere aber eine solche Entwicklung oder blockiere sie für Jahrzehnte. Anstatt den Appenzeller Pendlern einen neuen Autobahnanschluss zu bauen, sollte auf den öV mit der neuen Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen gesetzt werden, sagen die Initianten.
Dem hält der Stadtrat entgegen, dass mit einem Ja zur Initiative die Beseitigung des gravierenden verkehrlichen Engpasses auf der Achse Kreuzbleiche, St. Leonhard-Brücke, Geltenwilenstrasse und Teufener Strasse auf die lange Bank geschoben würde. Autobahnanschluss und Teilspange würden die Erreichbarkeit St. Gallens sicherstellen, für einen flüssigen, fahrplanstabilen und attraktiven öV sorgen und Sicherheit auf der Autobahn sowie im innerstädtischen Verkehr gewährleisten. Zudem steige damit die Lebensqualität in den verkehrsbelasteten Quartieren.
Autos verlassen beim Güterbahnhof die Autobahn
Die Initianten halten dem entgegen, dass durch die Realisierung der Teilspange der private Verkehr aus dem und ins Appenzellerland gefördert würde. Rund 85 Prozent der Autos verliessen nämlich beim Güterbahnhof die Autobahn wieder. Für die Stadt bedeute dies keine Verkehrsentlastung. Der Verkehr würde nur von der Teufener Strasse auf die Geltenwilerstrasse verlagert. Ein Anschluss an die A1 mache Autofahren attraktiver, dies generiere Mehrverkehr und widerspreche dem städtischen Reglement für eine nachhaltige Verkehrtsentwicklung.
«Wenn wir nichts machen, wie kommen wir dann zu einer Entlastung», fragt Städträtin Adam am Schluss der Medienorientierung. – Ja, wie? Vielleicht durch Sanierungsbauten im Kopf: weniger Motorisierung, weniger Bequemlichkeit, weniger Technologie und mehr Vernunft beim Ausleben der Mobilität.
Mehr zur städtischen Abstimmung vom 28. Fenruar: hier.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung