, 11. Februar 2016
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Areal Güterbahnhof: Lesen im Kaffeesatz

Was, wenn die St.Galler Initiative «Für ein lebendiges Areal Güterbahnhof ohne Autobahnanschluss» am 28. Februar angenommen wird? Dann gibts kein Geld vom Bund, sagte der Stadtrat diese Woche vor den Medien.

«Die Annahme des Initiativbegehrens wäre ein negatives Zeichen nach Bern», prognostiziert Stadtpräsident Thomas Scheitlin an der Medienkonferenz der Stadtregierung. Die dafür vorgesehenen Gelder würden später nicht mehr zur Verfügung stehen. «Das ist eine einmalige Chance!»

A1-Anschluss und Teilspange in 20 bis 30 Jahren

Das von der SP lancierte Volksbegehren will die Pläne für einen weitgehend unterirdischen zusätzlichen Anschluss an die A1 und eine anschliessende Teilspange Liebegg verhindern, die Argumente dazu hier und hier. Stadtrat und Stadtparlament lehnen die Initiative ab. Von den baulichen Massnahmen erhoffen sie sich für die Innenstadt eine erhebliche Entlastung vom motorisierten Verkehr und die Förderung des öV sowie des Langsamverkehrs. Das bedeute eine Steigerung der innerstädtischen Lebensqualität. Die Realisierung kann aber 20 bis 30 Jahre dauern.

Der Stadtpräsident und Stadträtin Patrizia Adam von der Direktion Bau und Planung konnten an der Medienkonferenz nicht sagen, auf wie viel Geld die Stadt vom Bund und voraussichtlich auch vom Kanton verzichten müsste, wenn trotz Annahme der Initiative die angedachten verkehrlichen Massnahmen doch noch irgendwann umgesetzt würden – voraussichtlich aber mehrere 100 Millionen Franken. Es sei noch kein Projekt vorhanden, sagt Scheitlin.

Anzunehmen sei, dass der Anschluss an die A1 weitgehend vom Bund finanziert würde und der Kanton einen beträchtlichen Anteil an die Teilspange zahlen würde. Die Verteilung erfolge nach Modulen. Bei einem Ja für die Initiative würde St.Gallen sicher als Geldempfängerin zurückgestuft. Was letztlich die Stadt selbst aufwenden müsste, wisse man vorerst nicht.

Lesen im Kaffeesatz also.

Den Appenzellern keinen Autobahnanschluss bauen

Die Initianten sehen im Areal Güterbahnhof eines der letzten städtischen Entwicklungsgebiete. Mit einer Nutzung für Wohnen und Gewerbe würde das Areal aufgewertet und das innerstädtische Zentrum erweitert. Der Anschluss des Güterbahnhofs an die A1 verhindere aber eine solche Entwicklung oder blockiere sie für Jahrzehnte. Anstatt den Appenzeller Pendlern einen neuen Autobahnanschluss zu bauen, sollte auf den öV mit der neuen Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen gesetzt werden, sagen die Initianten.

Dem hält der Stadtrat entgegen, dass mit einem Ja zur Initiative die Beseitigung des gravierenden verkehrlichen Engpasses auf der Achse Kreuzbleiche, St. Leonhard-Brücke, Geltenwilenstrasse und Teufener Strasse auf die lange Bank geschoben würde. Autobahnanschluss und Teilspange würden die Erreichbarkeit St. Gallens sicherstellen, für einen flüssigen, fahrplanstabilen und attraktiven öV sorgen und Sicherheit auf der Autobahn sowie im innerstädtischen Verkehr gewährleisten. Zudem steige damit die Lebensqualität in den verkehrsbelasteten Quartieren.

Autos verlassen beim Güterbahnhof die Autobahn

Die Initianten halten dem entgegen, dass durch die Realisierung der Teilspange der private Verkehr aus dem und ins Appenzellerland gefördert würde. Rund 85 Prozent der Autos verliessen nämlich beim Güterbahnhof die Autobahn wieder. Für die Stadt bedeute dies keine Verkehrsentlastung. Der Verkehr würde nur von der Teufener Strasse auf die Geltenwilerstrasse verlagert. Ein Anschluss an die A1 mache Autofahren attraktiver, dies generiere Mehrverkehr und widerspreche dem städtischen Reglement für eine nachhaltige Verkehrtsentwicklung.

«Wenn wir nichts machen, wie kommen wir dann zu einer Entlastung», fragt Städträtin Adam am Schluss der Medienorientierung. – Ja, wie? Vielleicht durch Sanierungsbauten im Kopf: weniger Motorisierung, weniger Bequemlichkeit, weniger Technologie und mehr Vernunft beim Ausleben der Mobilität.

Mehr zur städtischen Abstimmung vom 28. Fenruar: hier.

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