, 10. November 2015
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Asyl: Thurgau plant für den Worst Case  

Das Asyl-Drama in Europa ist noch nicht zu Ende. Immer mehr Flüchtlinge weichen auf die Schweiz aus. Euroland kann wegen des Verteilstreits unter seinen Mitgliedern den Massenandrang nicht unter Kontrolle bringen. Im Thurgau läuft jetzt eine Eventualplanung für den Fall, dass plötzlich 50.000 und mehr Asylsuchende an der Grenze stehen.

Das kantonale Sozialamt müsste dann schnell für rund 1.200 zusätzliche Menschen Platz schaffen. „Vor allem wären wir bei der Unterbringung und Betreuung stark gefordert“, sagt Amtsleiterin Florentina Wohnlich. Bis jetzt stehen dem Kanton rund 300 Plätze in sechs Durchgangsheimen zur Verfügung. Diese werden von der Peregrina Stiftung, einer Institution der Landeskirchen, betreut.

Bund will Situation in Empfangszentren entschärfen

Aktuell spitzt sich vor allem die Lage in den Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) zu, von denen eines in Kreuzlingen steht. Diese Zentren werden vom Bund betrieben und sind die ersten Anlaufstellen für Asylsuchende. Die Situation in den EVZ soll entschärft werden. Dafür sucht der Bund zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten in Schutzanlagen und anderen Einrichtungen. Auf dem Gebiet der Stadt Kreuzlingen und in der Gemeinde Sulgen bestehen solche Möglichkeiten.

In den Kantonen St. Gallen und Schaffhausen hat der Bund den EVZ vorgelagerte Voraufnahmezentren eingerichtet, wo Asylsuchende untergebracht werden, bis sie in einem EVZ befragt und registriert werden können. Zivilschutzangehörige betreuen diese Einrichtungen. Im Kanton Thurgau gibt es keine Voraufnahmezentren und vorerst auch keine Zivilschutzangehörigen für die Betreuung von Asylsuchenden.

Kapazitäten der Durchgangsheime werden erhöht

In einer ersten Phase erweitert das kantonale Sozialamt bis Ende Jahr die Kapazitäten der Durchgangsheime um 50 bis 90 zusätzliche Plätze. In einer zweiten Phase verteilt das Sozialamt nach einem vom Regierungsrat nach Massgabe der Einwohnerzahlen festgelegten Schlüssel die Asylsuchenden auf die Gemeinden. Amtsleiterin Florentina Wohnlich rechnet mit einer Zunahme der Flüchtlingszahlen, ist aber zuversichtlich, dass die Herausforderung bewältigt werden kann.

Kanton St. Gallen öffnet zusätzliche Unterkünfte

Im kommenden Winter werden in den Städten St. Gallen und Rapperswil-Jona für vier Monate je eine Jugendherberge für die Unterbringung von insgesamt 143 Asylsuchende bereitgestellt. In den bestehenden, auf den Kanton verteilten Zentren stehen 500 Plätze zur Verfügung, in den temporär geöffneten Zivilschutzanlagen Riethüsli in St. Gallen und Holz in St. Gallen-Kappel können maximal je 100 Plätze angeboten werden. Im Zentrum Thurhof gibt es zudem bis zu 27 Plätze für unbegleitete minderjährige Asylsuchende.

In Amden (maximal 120 Plätze) und Vilters-Wangs (maximal 150 Plätze) öffnen im Januar 2016 zwei weitere kantonale Zentren für Asylsuchende. Die Einsprachen wegen der baulichen Veränderungen an den bestehenden Gebäuden sind erledigt, der hartnäckige Widerstand in Teilen der Bevölkerung besteht aber weiterhin.

Analog der Eventualplanung im Kanton Thurgau plant auch der Kanton St. Gallen, bei der Verlagerung der Migrationsströme an die östliche Landesgrenze den Bund zu entlasten. Zivilschutzanlagen im Rheintal, im Werdenberg und im Sarganserland – allenfalls auch die geschützte Operationsstelle des Spitals Walenstadt – werden zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt.

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