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Auch das Sittertobel hat einen Kater

Das grosse Fest im Sittertobel ist vorbei, zurück bleibt Dreck und Abfall – aber weniger als in den Jahren zuvor. Das liegt vor allem am Wetter, laut den Organisatoren aber auch am Zeltdepot. Trotzdem: Knapp 1900 Zelte blieben auf dem Gelände zurück.
Von  Urs-Peter Zwingli

Nicht nur die Festival-Gänger, auch das Gelände im Sittertobel hat mit den Nachwirkungen des Openairs zu kämpfen. Wo mal Wiese war, ist jetzt trockener, zusammengepresster Boden, mit Abfall versetzt.

Seit dem Ende des Festivals sind bis zu 1000 Personen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Davon sind rund 250 Oberstufenschüler, die das Gelände fetzeln. Der eingesammelte Abfall wird wenige hundert Meter weit ins Kehrichtheizkraftwerk gefahren und dort verbrannt.

Obwohl die Bilder 2015 vom Gelände harmloser sind als auch schon, entfacht der Abfall wieder Polemik. Das «Tagblatt» etwa schreibt am Dienstag online martialisch von einem «Schlachtfeld der Moderne».

«Genaue Zahlen habe ich noch nicht. Es ist aber sicher weniger Abfall als in den Jahren zuvor», sagte dazu Openair-Bauchef Mica Frei am Dienstag vor den Medien.

Frei bestätigt damit auch einen subjektiven Eindruck bei einem Rundgang am späten Sonntagabend. Klar, Abfall liegt immer noch überall rum: Pet-Flaschen, Esswaren, immer wieder auch dreckige, aber noch brauchbare Kleider und Schuhe. Verlassene Zelte stehen aber deutlich weniger auf dem Gelände als auch schon.

Kein Vergleich zu 2013, «vom Abfall her unser schlimmstes Jahr», wie Frei sagt. Die Abfallberge nach einem völlig verschlammten Festival sorgten damals auf saiten.ch für Diskussionen.

«Camping nicht vermiesen»

Die bessere Situation 2015 hat natürlich vor allem mit dem schönen Wetter zu tun: Das Openair blieb praktisch schlammfrei. So packen die Festivalgänger ihre Zelte viel lieber wieder ein, als wenn diese bereits im Matsch versunken sind. «Das gute Wetter hat einen massiven Einfluss auf das Verhalten der Besucher», sagt auch Frei.

Die Openair-Verantwortlichen sagen aber auch, dass das Zeltdepot von 20 Franken funktioniert. «Bei Zelten haben wir dieses Jahr einen Rücklauf von 85 Prozent, damit sind wir zufrieden», sagt Cyrill Stadler, Vizepräsident des Festivals. Das sind rund 10 Prozent mehr als noch 2014. Verteilt wurden 12’500 Depotmarken. Es blieben also dennoch knapp 1900 Zelte im Stittertobel stehen.

Darunter sind vor allem die weissen Plastik-Pavillons. Diese kosten knapp 30 Franken und sind derart billig konstruiert, dass sie nach dem Openair meist nicht wieder aufgebaut werden können. Viele landeten denn auch direkt vor dem Gelände im Container – nachdem das Depot kassiert wurde. Das Metall der Pavillonstangen wird getrennt entsorgt.

Das Zeltdepot weiter zu erhöhen ist derzeit nicht vorgesehen. «Der Zeltplatz auf dem speziellen Gelände macht das Openair einzigartig. Wir wollen den Besuchern das Camping nicht vermiesen», sagt Stadler.

Klar ist aber auch: Wenn es wieder einmal stark regnet und schlammt, dürften die 20 Franken nicht mehr gleich viel nützen wie dieses Jahr.

Beschränkungen auch in Frauenfeld.

Fertig aufgeräumt soll das Gelände nächste Woche sein. Danach wird der Boden aufgewühlt und die Wiese neu angesät. Nach acht Wochen soll das Sittertobel dann wieder grün sein.

Reagiert auf die Abfall-Diskussionen hat nun auch das Openair Frauenfeld, das vom 9.-11. Juli stattfindet: Es führt dieses Jahr die 3-Liter-Regel ein, die in St.Gallen seit Jahren gilt. Aufs Campinggelände in Frauenfeld dürfen einmalig 3 Liter Getränke in Pet oder Dosen mitgenommen werden. Das Thurgauer Festival musste im vergangenen Jahr nach einer Schlamm- und Abfallschlacht massive Kritik einstecken. Die 3-Liter-Regel soll nun die Abfallmenge auf dem Campingplatz verkleinern.

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