Saiten: Als «antikapitalistische Aussenseiter» so etabliert und vom Mainstream umarmt zu sein, wie fühlt sich das an?
Koljah: Widersprüchlich. Das finden wir manchmal gut und manchmal schlecht, wie es halt so ist mit Widersprüchlichkeiten. Aber wir haben es ja auch darauf angelegt. Es war eine bewusste Entscheidung, unsere Musik und die Strukturen auf ein professionelles Level zu heben.
Danger Dan: Ich mag das Wort Widersprüchlichkeit nicht mehr so. Mittlerweile würde ich es eher Gleichzeitigkeit nennen. Manche sagen, es sei widersprüchlich, dass wir einmal ironische Sachen machen, dann wieder traurige, politische, persönliche oder nur einfach noch Quatsch. Dabei ist diese vermeintliche Widersprüchlichkeit ja so prägnant für uns, dass es schon fast wieder konzeptuell wirkt, wie wir das alles vereinen. Deswegen bin ich für Gleichzeitigkeit.
In Das Trojanische Pferd geht es darum, dass ihr das Business «von innen zerstört».
Koljah: Ja, aber auch wenn man das System kritisiert, muss man irgendwie überleben… Wir können seit drei Jahren von unserer Musik leben und werden immer wieder gefragt, wieso wir antikapitalistische Texte machen, aber unsere Musik trotzdem verkaufen. Dabei würde ja auch niemand auf die Idee kommen, einen antikapitalistischen Bäcker zu fragen, wieso er seine Brötchen verkauft. Aus irgendeinem Grund wird das nur immer den Musikern vorgeworfen…
Die FPÖ hat euch vor dem Bubbledays-Festival in Linz als «linksextreme Hass-Band» bezeichnet und wollte euren Gig verhindern. Ich wäre ja stolz darauf – was habt ihr euch gedacht?
Danger Dan: Wenn sich Leute von der FPÖ über uns aufregen, ist das ein grosses Kompliment. Wäre ja scheisse, wenn die sagen würden «Yeah, die Antilopen Gang kommt, da müssen wir hin». Wir hoffen auch, weiter von der FPÖ abgemahnt zu werden, schliesslich war die Promo-Kampagne für uns unbezahlbar. Wenn es also noch mehr Leute gibt, die uns nicht mögen: unbedingt öffentlich machen – wir freuen uns drauf!
Was die AFD in Deutschland ist, ist die SVP in der Schweiz. Und das schon lange. Spürt man bei euch diesen «eidgenössischen Einfluss»?
Danger Dan: Man merkt auf jeden Fall, dass diese neue Rechte nicht mehr ganz so isoliert ist wie damals, als Pegida oder AFD noch junge Phänomene waren. Es gibt zum Beispiel immer mehr Gespräche und Diskussionen, wo Leute von der AFD und Leute von der SPD gleichzeitig reden dürfen. Am Anfang war das nicht so. Die Toleranzgrenze verschiebt sich, die AFD wird zur Normalität – das ist schon gruselig.
Auf den den goldenen Presslufthammer!
Ihr habt mit Fatoni und Juse Ju gearbeitet. Daneben gibt es Leute wie Audio88 & Yassin, Edgar Wasser oder Torky Tork. Würdet ihr sagen, der deutschsprachige Rap hat wieder einen stärkeren (links-)politischen Arm?
Koljah: Das ist eine Reaktion auf die politischen Verhältnisse. Wenn eine Partei wie die AFD stärker wird, rappen wahrscheinlich auch mehr Leute darüber. Wobei ich jetzt die, die du genannt hast, nicht unbedingt über denselben Kamm scheren würde. Alle haben ihre eigenen Ansätze.
Danger Dan: Ich glaube nicht, dass es eine politischere HipHop-Szene gibt. Die ist ja so vielseitig wie noch nie. Es gibt rechtsradikalen Rap, linksradikalen Rap, homophoben Rap, queeren Rap und so weiter. Das findet alles gleichzeitig statt. Und die meisten sind eh Arschlöcher, wie das bei Menschen nunmal so ist.
Ihr rappt aber durchaus politisch. Folgen euren Worten eigentlich auch Taten – seid ihr zum Beispiel aktiv gegen G20 momentan?
Koljah: Bei den Anti-G20-Protesten wird man mich definitiv nicht antreffen. Da halte ich nicht viel von. Die Kritik scheint mir einigermassen inhaltslos.
Panik Panzer: Ich finde sowieso diesen Zwang zur politischen Praxis immer etwas unangenehm. Dass man sich quasi rechtfertigen soll, wenn man nicht an jeder Demo präsent ist und alles mitmacht. Ein politisch denkender Mensch muss nicht zwangsläufig eine politische Praxis haben.
Ihr habt zu eurem neuen Album Anarchie und Alltag ein Punkrock-Bonusalbum herausgegeben mit neuen alten Songs. Es scheint, als liesse es sich auf der Nostalgiewelle ziemlich gut surfen in den letzten Jahren, auch im Rap. Ich persönlich habe manchmal etwa Mühe damit – wie seht ihr das?
Danger Dan: Man darf nicht verkennen, dass auch wir alte, kaputtgegangene Männer sind. Ich war vor 20 Jahren auch um einiges cooler als jetzt. Ich bin ja fast im Alter von Campino – ach was, er könnte mein Sohn sein!
Koljah: Es stimmt schon. Wenn man sich die grossen Festivals so anschaut und wer dort spielt, dann sind die grossen Headliner vielfach dieselben wie vor zehn Jahren. Aber es gibt auch gute Beispiele: Die Hosen, die letztens beim Rock am Ring gespielt haben, spielen zu zwei Dritteln neue Songs. Das ist dann keine blosse Nostalgie-Show.
Danger Dan: Es gibt ja auch viele neue Bands, Acts wie Haiyti zum Beispiel, die frischen Wind bringen und auch die grossen Slots kriegen. Diese Revival-Geschichten, die du ansprichst, finde ich persönlich jetzt gar nicht so schlimm. Die Beginner zum Beispiel. Da gibts Leute, die haben es härter verkackt.
Zum Beispiel?
Danger Dan: Die Antilopen Gang!
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