, 14. Juli 2015
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Auf das Ende der Ungewissheit

Am Sonntag beginnt für den FC St.Gallen die Saison 2015/16. Die Fans können es kaum erwarten – auch, weil sie endlich Antworten auf einige brennende Fragen wollen. Auf vier dieser Baustellen gehen wir ein.

  1. Kehrt Tranquillo Barnetta in die Ostschweiz zurück?

Zurzeit ist Barnetta in seiner Heimat. Wozu er in der Ostschweiz weilt, ist nicht ganz klar. Besucht er hier nur seine Familie und geniesst nebenbei die Vorzüge dieser wunderschönen Region? Kommt er nur zurück, um abermals seine Koffer zu packen? Oder kommt er zurück, um die Gier der St.Galler nach einer Identifikationsfigur zu stillen und einen Vertrag zu unterzeichnen?

Wir wissen es nicht. Und alle Spekulationen sind hanebüchen, solange es keine definitive Entscheidung gibt. Ebenso hanebüchen wie die Diskussionen, ob er «jetzt oder nie» zurückkehren sollte. Wir positionieren uns mit einem «später ist auch OK, aber lieber jetzt».

  1. Wer führt die Abwehr in der neuen Saison?

In der letzten Saison war die Defensive des FCSG, gelinde gesagt, ein Hühnerhaufen. Häufig reichte ein Gegentor, um komplett den roten Faden zu verlieren. Seit Montandons verletzungsbedingtem Rücktritt wirkt die Abwehr führungslos, zumal es Besle nicht gelang, die Zügel in die Hand zu nehmen und sich zu einem Führungsspieler zu entwickeln. Der Franzose wurde gegangen und gekommen ist – keiner.

Die Lücke, die in der Innenverteidigung klafft, soll durch die jungen Gelmi und Eisenring geschlossen werden. Es ist schon etwas paradox: Da schaffen es jahrelang kaum Nachwuchsspieler ins Fanionteam und dann sollen sie gleich die Führung der Abwehr übernehmen – ohne starken Routinier an ihrer Seite. (Nicht nur) wir fragen uns: Kommt das gut?

  1. Was dürfen wir von den Neuzugängen erwarten?

Nebst der Integration von Jungen war der FCSG auch auf dem Transfermarkt aktiv. Das grösste Fragezeichen stellt Martin Yves Angha-Lötscher dar. Der Rechtsverteidiger mit Schweizer Mutter und Vater aus dem Kongo war zuletzt bei 1860 München nur noch Reservist, lange verletzt. Er ist 21 Jahre alt und steht an einem Scheideweg in seiner Karriere. Kann er diese neu lancieren oder wird er ein ewiges Talent?

Im Mittelfeld wurde mit Alain Wiss ein Spieler geholt, der dort Staubsauger spielen, aber auch in den Abschluss gehen kann. Wiss’ Abgang nach acht Jahren tut den Luzerner Fans weh – und ihren Rivalen aus der Ostschweiz ganz gut.

Im Sturm soll Sandro Gotal Rechtsfall Karanovic ersetzen. Er bringt den Torriecher mit und spielt neu wieder nahe seinem Geburtsort Bregenz. Ob ihm das zusätzlichen Schwung verleiht? Wir sind gespannt auf die Neuen.

  1. Welche Ziele kann der FCSG 2015/16 verfolgen?

Nach dem sensationellen dritten Rang 2012/13 sind die Ansprüche gestiegen. Dölf Frühs gebetsmühlenartig wiederholtes Ziel, sich in der Liga zu etablieren, genügt vielen nicht mehr – die Erwartungshaltung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen «die Bodenhaftung nicht verlieren, wissen wo man herkommt» und «es ist doch nicht verboten, Ambitionen zu haben».

Wo der FCSG die nächste Saison beendet, können wir nicht voraussagen. Die Stimmung ist insgesamt nicht besonders gut, zumal man die Rückrunde komplett verpatzt hat. Aber: Man malte schon im letzten Sommer den Teufel an die Wand. Und es kam anders. Wir machen es uns deshalb einfach: Von Europacup bis Abstieg ist alles möglich.

Wie viel dem FCSG in der kommenden Saison zuzutrauen ist, müssen alle selber beurteilen. Es gibt halbvolle und halbleere Gläser, noch bevor überhaupt der Ball gerollt ist – und genau auf diesen Augenblick freuen wir uns am meisten. Darauf, ab Sonntag, 16 Uhr wieder mitfiebern, mitzittern, mitärgern und mitjubeln zu können. Und unsere Fragen zumindest teilweise beantwortet zu kriegen.

 

Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

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