Mit der chronischen Gehirnerkrankung geht meistens eine auffällige Wesensveränderung der Betroffenen einher. Das stigmatisiert sie. Jüngere Patienten schaffen es jedoch immer wieder, aus ihrer unheimlichen Welt des Vergessens und der Orientierungsnot auszubrechen. Mit viel Kreativität und Fantasie erobern sie sich Lebensqualität zurück.
Zugang zur Normalität
Die Ausstellung «Demenz – Eins nach dem anderen» dokumentiert unter anderem den vielschichtigen Kampf des 66-jährigen Franz Inauen gegen sein Schicksal. Er erhielt 2013 die Diagnose Demenz. Inauen verarbeitet seine Erfahrungen, Hoffnungen und Gefühle schreibend, dichtend und zeichnend. Seine Werke sind in Buchform unter dem gleichnamigen Titel der St.Galler Ausstellung erschienen. Inauen stammt aus Appenzell und lebt heute mit seiner Familie in Luzern.
Ein Video-Loop in der Ausstellung zeigt den Patienten Hauerter aus der Sonnweid, der Betreuungsstätte für Demenzkranke in Wetzikon. Hauerter wischt mit einem Gartenbesen unermüdlich kunstvolle Muster in den Kies auf den Gehwegen des Heims. Dabei entstehen kunstvoll geschwungene Rippen, Linien und Gräben. In der Waaghaus-Ausstellung sind noch viele andere kreative Werke von Demenzpatientinnen und -patienten zu sehen, die Einblicke in die Lebenswelten der Patienten verschaffen und so für ihre Situation auch Verständnis erheischen.
Demenzkranke, vor allem jüngere, werden durch ihr gesellschaftliches Umfeld noch zu oft ausgemustert; weil man nicht weiss, wie mit diesen Menschen umgehen, werden Beziehungen abgebrochen und Kontakte eingefroren. Richard Taylor, ein vor zwei Jahren verstorbener US-amerikanischer Psychologieprofessor, erhielt mit 58 Jahren die Diagnose Demenz. Er war einer der ersten, die über ihre Krankheit schrieben und so die Öffentlichkeit zu sensibilisieren versuchten.
Auf einer der Schrifttafeln in der St.Galler Ausstellung bringt er das Problem, mit dem die Demenzkranken konfrontiert sind, auf den Punkt: «Wir brauchen keine Pharma-Zeutika, sondern Sozio-Zeutika. Eigentlich müsste der Arzt auf das Rezept die Telefonnummer von jedem schreiben, der in einer vergleichbaren Situation ist: Ruf ihn an, verabredet euch. Damit du siehst: Leute mit Demenz sind normal. Sie sind wie du.»
Die beiden auf Demenz spezialisierten Pflegefachfrauen Ulla Ahmann und Cristina De Biasio Marinello haben die Wanderausstellung nach St.Gallen gebracht und in Zusammenarbeit mit Monika Jagfeld, Leiterin des Museum im Lagerhaus, und Karolina Staniszewski vom Amt für Gesellschaftsfragen St.Gallen eingerichtet. Die beiden sind auch Gründerinnen des Selbsthilfevereins Mosaik, unter dessen Namen die Ausstellung bis Sonntag, 5. November, zu sehen ist.
Demenz und Beruf
Wie steht es um die berufliche Situation von jüngeren Menschen mit der Diagnose Demenz? Es komme sowohl auf den Beruf als auch auf die betriebliche Position des Demenzkranken an, sagen die Pflegefachfrauen. Bei einem Lokführer sei eine Weiterbeschäftigung aus Sicherheitsgründen wohl nicht mehr möglich. Das treffe auf alle Tätigkeiten zu, bei denen es um die Einhaltung präziser Vorgaben und Abläufe gehe. Das könnten sowohl technische wie auch administrative Berufe sein.
Die Ausstellung ist heute Freitag und morgen Samstag von 10 bis 17.30 Uhr und am Sonntag bis 13 Uhr geöffnet. Heute Freitag findet um 18:30 Uhr eine Begegnung mit Franz Inauen statt. Am Sonntag spricht um 14:30 Uhr die Demenzaktivistin Helga Rohra zum Thema «Ja zum Leben trotz Demenz!»
mosaik-demenz.ch
«Es kommt auch darauf an, wie sich der Arbeitgeber verhält», sagen die Expertinnen. «Zeigt er Verständnis für das Handicap, lassen sich meistens auch Möglichkeiten finden, von der Krankheit betroffene Mitarbeitende in der gleichen oder in einer anderen Funktionen im Betrieb weiter zu beschäftigen.»
Für Demenzkranke im Arbeitsprozess stelle sich die Aufgabe, zuerst einmal mit ihrer Situation zurechtzukommen. Das brauche Zeit. Viele tauchten nach der Diagnose zuerst einmal ab und würden sich erst nach und nach wieder sammeln und versuchen, ihre Zukunft neu zu organisieren. Das sei auch eine Frage der Selbstsicherheit. Es gebe immer wieder junge Demenzkranke, die sich nicht mehr zutrauten, weiterzuarbeiten.
In der Ausstellung gibt es zum Problem Arbeit das Beispiel einer früheren Pflegefachfrau, die nach der Diagnose Demenz nicht mehr in ihrem angestammten Beruf weiterbeschäftigt wurde, obwohl sie selbst hätte weiterarbeiten wollen. Das Spital, bei dem sie angestellt war, teilte ihr eine einfachere, administrative Arbeit zu. Irgendwann ging das aber auch nicht mehr. Die Frau zog sich aus dem Berufsleben zurück und vertritt heute die Ansicht, dass es für jüngere Demenzkranke keine berufliche Beschäftigung mehr gibt.
Im Zusammenhang mit der Berufsausübung falle auch die Art der Demenz ins Gewicht, sagen die beiden Co-Präsidentinnen von Mosaik. Eine Art der Krankheit könne beispielsweise eine Verhaltensveränderung bei den Betroffenen bewirken, die den Umgang mit Arbeitskolleginnen und -kollegen sehr erschwere. Bei anderen Demenzarten wiederum stehe die Vergesslichkeit oder die starke Beeinträchtigung der Sprache im Vordergrund. «Eine wirklich funktionierende Lösung bei der Weiterbeschäftigung eines Demenzkranken ist immer eine individuelle. Es braucht das Zusammenspiel zwischen dem Arbeitgeber, der Beschäftigungsart und Demenzart sowie der Persönlichkeit des Demenzkranken», sagen die Pflegefachfrauen.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.