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Back to the Future

Ei­nes Ta­ges fuhr ich mit mei­nem ge­lieb­ten ro­ten Tro­gen­erb­ähn­li durch die Stadt und ir­gend­wo bei der Hal­te­stel­le Spi­ser­tor ging mir ein Licht auf. Ich blick­te auf die Schau­fens­ter der Piz­ze­ria ge­gen­über. Ich er­in­ner­te mich ganz deut­lich, wo ich sol­che Ti­sche, sol­che Piz­za und so­gar sol­chen Ka­kao schon ge­se­hen hat­te. In der 10. Klas­se, in mei­ner Schu­le.

Wann die­ser Aha-Mo­ment ein­tritt, weiss man eh nie. Man läuft ein­fach her­um und ent­wirrt Fä­den. Und dann, in ei­ner Tram­kur­ve, kommt der ma­gi­sche «Klick»! Die meis­ten ha­ben wahr­schein­lich den Film Zu­rück in die Zu­kunft ge­se­hen, mit Mar­ty Mc­Fly und sei­ner Zeit­ma­schi­ne. So kam es mir auch vor, als hät­te es mich durch die­ses selt­sa­me Por­tal des Uni­ver­sums ir­gend­wo­hin ge­schleu­dert. Ich weiss in­zwi­schen, wo­hin. In die Ukrai­ne der Nuller­jah­re.

Da­mals er­öff­ne­ten in der Ukrai­ne sol­che Piz­za­ket­ten wie «Ce­len­ta­no». Ich er­in­ne­re mich an die­se Piz­za mit den di­cken Rän­dern, bei der man sich den Be­lag aus­su­chen konn­te. Es gab zwar über­all Mc­Do­nald’s, aber man hör­te all­mäh­lich auf, dort­hin zu ge­hen, weil es ein­fach un­ge­sund ist. Ich er­in­ne­re mich an mich selbst im et­was zu weit ge­schnit­te­nen Pull­over mei­ner Mut­ter. Heu­te sind sol­che Pul­lis wie­der in. Und ich er­in­ne­re mich an die­se da­mals so mo­di­schen schwar­zen Män­tel, an die win­zi­gen Hand­ta­schen. All das gab es in mei­ner Schul­zeit. Ein­mal soll­te ich mei­nen Pass ab­ho­len und da trug ich ge­nau ei­nen sol­chen Man­tel. Und in die klei­ne Ta­sche hat der Pass ge­ra­de noch so rein­ge­passt.

Und die Ho­sen mit Schlitz un­ten am Bein, leicht aus­ge­stellt. Und die Des­serts von da­mals – ei­ne ganz be­son­de­re Er­in­ne­rung. Hier nennt man das Cou­pe Dä­ne­mark. Ei­ne In­su­lin­bom­be. Und die­se Waf­fel­röll­chen, die nach oben ab­ste­hen. Die­se Form, die­ses Glas, in dem es ser­viert wird, wer­de ich nie ver­ges­sen. Das letz­te Mal ha­be ich so et­was in der Ukrai­ne vor dem Schul­ab­schluss ge­ges­sen.

Dann kam die Wirt­schafts­re­form. Fast mei­ne gan­ze Stu­di­en­zeit hin­durch war das wirt­schaft­li­che Wachs­tum so ra­sant, dass ich im ers­ten Stu­di­en­jahr ein Sti­pen­di­um be­kam und im letz­ten ein drei­mal so ho­hes. Es kam die Oran­ge Re­vo­lu­ti­on und al­le zo­gen nach Ky­jiw. Dar­über wur­den et­li­che Fil­me ge­dreht. In den 2010er-Jah­ren, ge­gen En­de mei­nes Stu­di­ums, kam die IT-Bran­che in die Ukrai­ne. Die Städ­te ver­än­der­ten sich bis zur Un­kennt­lich­keit: neue stil­vol­le Ar­chi­tek­tur, Third-Wa­ve-Ca­fés mit Fil­ter­kaf­fee und Che­m­ex-Kan­nen, Co­wor­king-Spaces an je­der Ecke … Yo­ga-Stu­di­os, Fit­ness­zen­tren, mo­der­ne Thea­ter und neue Fes­ti­vals, Vi­sa­frei­heit … Spä­ter muss­te man das al­les auf dem Mai­dan ver­tei­di­gen. Weil den Nach­barn ne­ben­an die­ses ra­san­te Wachs­tum nicht ge­fiel. Und 2014 be­gann der Krieg – der Kampf, der seit der Be­sat­zung nach dem Zwei­ten Welt­krieg nie auf­ge­hört hat­te. 2022 wur­de er nur sicht­ba­rer.

Die Schweiz wuss­te in die­sen 20 Jah­ren so gut wie gar nichts von der Ukrai­ne. Als wä­re die­se ge­wal­ti­ge Ent­wick­lung «hin­ter ei­nem Vor­hang» ge­sche­hen. Al­so fast die ge­sam­te Zeit seit der Er­klä­rung der Un­ab­hän­gig­keit.

Ich ha­be mit sehr vie­len Men­schen ge­spro­chen und vie­le be­stä­tig­ten mir: Ja, sie wuss­ten von nichts. Hin­ge­gen wa­ren rus­si­sche Nar­ra­ti­ve weit ver­brei­tet. Das scho­ckier­te mich am An­fang.
Aus ir­gend­ei­nem Grund war die gan­ze Ent­wick­lung in der Schweiz un­be­kannt. Ein­ge­weiht war viel­leicht ein ge­bil­de­ter In­si­der­kreis, der so et­was an Ta­gun­gen mit­be­kommt. 

Wenn je­mand jetzt nach Lwiw, Iwa­no-Fran­kiwsk oder Ky­jiw kä­me, kä­me es ihm ver­mut­lich vor wie New York. Nur mit der ty­pisch ukrai­ni­schen Gast­freund­schaft oben­drauf.

Wie weh es mir tat, dass die Men­schen hier «nichts wuss­ten». Das er­zeug­te bei mir ei­nen enor­men Schock und ko­gni­ti­ve Dis­so­nan­zen. Und ich fühl­te mich am An­fang wie ein «Gast aus der Zu­kunft».

Mit der Zeit wur­de es je­doch klar: Wir kön­nen so viel von­ein­an­der ler­nen und in un­se­ren Her­zen ist so viel Lie­be. Und wir sind ein­an­der so ähn­lich. Nur dass die Ukrai­ne schon in der Zu­kunft war. Sie weiss be­reits, was da­nach kommt, nach je­nem Cou­pe Dä­ne­mark aus den 2000ern.

Li­li­ia Matviiv, 1988, stammt aus Lviv in der Ukrai­ne. Die Jour­na­lis­tin, Es­say­is­tin und So­zi­al­ak­ti­vis­tin ist im Früh­ling 2022 in die Schweiz ge­kom­men und lebt der­zeit in St.Gal­len. Ol’ha Gn­eu­pel hat den Text über­setzt.

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Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

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Badhuette rorschach

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Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

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Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

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Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

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Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

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Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

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Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

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Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

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Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

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«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

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«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

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Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
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Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying