Heute ist der Aufbau der Stadtausgabe und aller Regionalausgaben des St.Galler Tagblatts so: vier Mantelbünde (Ausland/Inland/Schauplatz, Focus, Sport/Wirtschaft und Ostschweiz) und ein unterschiedlich grosser Lokalteil als fünfter, manchmal auch sechster Bund.
Ab 7. Juli sieht die Zeitung so aus: zwei Mantelbünde und der Lokalteil als dritter Bund.
Eine einschneidende Änderung – auch wenn im Mantel, wie Chefredaktor Philipp Landmark auf Anfrage sagt, «sinngemäss» weiterhin dasselbe Angebot wie bisher enthalten sein soll. Der Aufbau dürfte dann etwa so aussehen: Im ersten Bund findet man Ausland-, Inland- und Wirtschaft sowie den Sport, im zweiten Bund die Ostschweiz-Seiten (samt Frontseite) sowie im Innern die bisherigen Focus-Inhalte wie Kultur, Wissenschaft und Lifestyle.
Grund: der Inseraterückgang
Auslöser für diesen Umbau ist der Inseraterückgang, bestätigt Landmark. In doppelter Hinsicht: Weniger Inserate, das bedeute zum einen weniger Material zum Füllen der vier Bünde und zum andern weniger Einnahmen. «Darauf reagieren wir mit einer gewissen Straffung des Angebots.» Als «Notlösung» will Landmark den Umbau aber nicht sehen – zwei solid gefüllte Zeitungsbünde seien in der Anmutung jedenfalls attraktiver als vier dünne Bünde.
Dennoch ist mit Widerstand zu rechnen. Leserinnen und Leser sind erfahrungsgemäss insofern konservativ, als sie die Zeitung genau so wollen, wie sie bis jetzt war, und Änderungen grundsätzlich als Verschlechterungen wahrnehmen.
Umso erstaunlicher ist es, dass das Tagblatt bereits ab 7. Juli (Ferienanfang) in neuer Gestalt erscheinen soll, die Neuerungen aber erst Mitte Juni kommuniziert werden. Die Begründung von Chefredaktor Landmark: «Wir sind noch am Erarbeiten zahlreicher Details. Erst wenn das definitive Konzept steht, wollen wir damit an die Öffentlichkeit.»
Regionkultur statt Stadtkultur?
Zu diesen Details gehören gemäss den noch internen Plänen die Kulturseiten. Sollten die Befürchtungen eintreffen, so droht in verschiedener Hinsicht eine Verschlechterung der Kultur-Berichterstattung im Blatt.
Zum einen: Focus verliert seine Bund-Aufschlagseite, damit haben auch die häufigen Kulturthemen auf der Focus-Startseite künftig einen weniger prominenten Platz.
Zum zweiten: Die Seite «Zoom» dürfte verschwinden. Sie war explizit für ein junges Lesepublikum gedacht, bewegte sich zwar oft im Seichten, war aber immer mal wieder auch für eine Überraschung gut – Geniestreiche wie der halbernst angelegte und mit Witz verschriebene Bier-Blindtest in den «Zoom»-Anfängen blieben allerdings selten.
Zum dritten und vor allem: Zur Diskussion steht, die heutigen lokalen Kulturseiten in den beiden grössten Kopfblättern – «St.Galler Kultur» und «Kultur Thurgau» – zu streichen und durch eine Seite «Regionkultur» im Mantelteil zu ersetzen.
Das wäre ein Jammer. Warum?
Kulturelle Humuspflege
Die St.Galler Kultur, im Jargon «Stadtkultur» genannt, und die Thurgauer Kulturseite verkörpern das, was man gerne die «Kernkompetenz» einer Regionalzeitung nennt: Sie sind nah beim Publikum und bei den kulturellen Akteuren. Sie widerspiegeln das tägliche Kulturgeschehen, bieten Vorschauen und Termine, Interviews und Kritiken. Sie sind, mit zwei Worten, verlässlich und informiert.
Diese Woche zum Beispiel war auf «St.Galler Kultur» ein umfangreiches Porträt der Tänzerin Beatrice im Obersteg zu lesen, wurden die neuen Ausstellungen in der Galerie Paul Hafner und im Nextex besichtigt, Simon Enzlers «Dernière» und das bevorstehende Programm von «Musig of de Gass» verhandelt usw. Keine Weltsensationen – aber kulturelle Humuspflege und Orientierungshilfe fürs Publikum. Hier haben die kleineren und mittleren Kultur-Anlässe ihren Platz, die nur eine Lokalzeitung – wer sonst? – wahrnehmen kann.
So war es denn auch gedacht, 1998, als unter Chefredaktor Gottlieb F.Höpli die Seite erfunden wurde: Statt überall verstreut zu sein über die Lokalseiten, erhielt die städtische Kultur ihren festen Platz und eine eigene, professionelle Redaktion. Und gab damit ihrerseits der Hauptstadt-Zeitung ein stärkeres kulturelles Profil.
Alles egal?
Eine «Regionkultur» mit dem Blick auf die ganze Ostschweiz samt angrenzendem Ausland mag attraktiv sein – aber diesen kulturellen «service public» wird sie nicht mehr leisten können.
Egal? Oder doch nicht? Grund zum Protest, bei den Kulturschaffenden, beim Kulturpublikum in der Stadt und im Thurgau? Was ist ihnen, was ist Ihnen die lokale Kulturberichterstattung wert?
Höchste Zeit für eine Petition «Rettet die Stadtkultur».
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
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