, 19. September 2013
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«Bei den Planern stand das Auto im Vordergrund»

St.Gallen ist keine Velostadt. Schuld seien die Hügel und das Klima, wird gesagt. Nicht nur. Schuld ist auch die St.Galler Verkehrspolitik. von Hakan Aki

Vor Jahrzehnten pedalten auch in St.Gallen noch Jung und Alt durch die Gassen und über die Hügel. Heute sind es noch gerade drei Prozent der Verkehrsteilnehmer, die sich aufs Fahrrad schwingen. Minusrekord in der Schweiz, wie der «Städtevergleich Mobilität» vom letzten Dezember zeigt, der die sechs grössten Städte der Deutschschweiz miteinander vergleicht. In Basel sind es 16 Prozent, in Zürich, der Stadt, die am zweitschlechtesten abschneidet, sind es immer noch sechs Prozent, die mit dem Velo unterwegs sind.

Die hügelige Topografie und das raue Klima seien an dieser Misere schuld, wird häufig gesagt. Das sei nur teilweise zutreffend, sagt Michael Städler, Gründungsmitglied der «Pro Velo St.Gallen»: Das bewiesen nicht zuletzt zahlreiche historische Fotos der «Velostadt St.Gallen».Im Bild ein solches Dokument: Die Aufnahme zeigt einen Velo-Corso beim St.Galler Brühltor im Rahmen der «Bodensee Internationale 1931», wie auf der Postkarte vermerkt ist.

Städler macht die Velomisere auch bei den Behörden aus: «Tiefbauamt und Polizei sind schwierige Verhandlungspartner», sagt er und bringt ein Beispiel: Wenn in Winterthur (Veloanteil im Verkehr: 13 Prozent) seinen Kollegen ein velotechnischer Mangel im Strassenbild auffällt, dann schwingen sich «Pro Velo», Tiefbauamt und Polizei auf die Räder, schauen sich das Problem vor Ort an und überlegen sich eine Lösung, die dann auch umgesetzt wird. «Bei uns in St.Gallen kommt das Anliegen auf eine Liste, die immer länger wird, und dort bleibt es», sagt Städler.

Weniger dramatisch sieht das Stefan Pfiffner, Leiter der städtischen Verkehrsplanung und auch zuständig für den Veloverkehr. Die Stadtbehörde habe rund 300 Schwachstellen im Langsamverkehr eruiert. Diese sollen nun im Rahmen des Agglomerationsprogrammes, das den ÖV und den Langsamverkehr speziell fördert, behoben werden. Für Sofortmassnahmen stünden in den nächsten drei Jahren 400‘000 Franken zu Verfügung. Allerdings gibt Stefan Pfiffner zu: «Wir haben im Bereich Langsamverkehr tatsächlich Nachholbedarf gegenüber anderen Städten in der Schweiz; vor fünf Jahren stand bei den St.Galler Verkehrsplanern das Auto noch im Vordergrund.»

Auch die St.Galler Polizei tut sich nicht als Velofreund hervor, wenn sie, wie diesen Sommer geschehen, mit einem Kamerateam von TVO im Schlepptau, Velofahrer büsst, die keine Klingel angebracht haben; oder wenn Sie, wie ebenfalls diesen Sommer geschehen, Velos abschleppt, weil sie auf dem Töffparkplatz vor der Fachhochschule stehen.

1 Kommentar zu «Bei den Planern stand das Auto im Vordergrund»

  • Carlo sagt:

    Den höchsten Anteil an übergewichtigen Kinder. 80% der Oberstufenschüler benutzen für den Schulweg in der Stadt den öV (mit entsprechender Kostenfolge für die Eltern (wegen abgelehnter JUSO-Initiative) und dann für das Gesundheitswesen).

    Wäre Veloförderung nicht auch eine Aufgabe des Bundesamts für Sport?
    Aber zum Minigolfplätze zählen haben sie genügend Ressourcen.

    Wo macht sich Hanselmann als Gesundheitförderungsapostelin bei Haag für attraktive und sichere Schulwege stark?

    Wo macht sich der städtische Direktor des Amtes für Schule und Sport bei der Bauamtsleiterin stark?
    Aber die haben eh nicht das Heu auf dem gleichen Boden, wie auch mit unserem Finanz- und Sozialminister.
    Geht es noch bis zu den nächsten Wahlen, bis sie ihn aus dem Stadtrat gemobbt haben?

    Da hoff ich eher auf einen frühzeitigen Rücktritt des Stadtpräsidenten, der lieber Agglopolitik auf Kosten der Stadtbevölkerung betreibt.

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