, 24. September 2017
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FCSG vs. Thun 3:0 – St.Gallen grüsst von Platz 2

Der FC St.Gallen hat es tatsächlich geschafft und sich mit einem Sieg gegen den FC Thun Platz 2 geholt. Wer beim Summen der Champions League-Hymne das Spiel Revue passieren lassen will: Der SENF-Ticker zum Nachlesen.

Die St.Galler Heimkurve «Espenblock» besingt ihre Liebe zum FCSG. (Bild: zvg)

(Bild: zvg)

FCSG – FC Thun 3:0

Abpfiff – Der FC St.Gallen schlägt Thun mit 3:0. Er tut dies ungefährdet, wobei vermerkt sei, dass die Berner bis zur roten Karte Gelmis spielbestimmend waren. Man reist nun in einer Woche als Zweitplatzierter nach Bern. Uns fehlt es gerade an Gründen, uns bemitleiden zu können. Drum gibt’s heute Abend „P.S. I love you“ und James Blunt. FCSG, You’re beautiful. Tschüss und bis zum nächsten Mal.

Minute 90 – R.S. und R.S. fallen in eine Identitätskrise. Zum zweiten Mal gut gespielt. 3:0 gewonnen. Platz 2 erobert. Das nächste Spiel ist ein Spitzenkampf. Wir wissen gar nicht, wie wir damit umgehen sollen. Noch nie haben wir das Honorar von Dr. O.W. so gerne gezahlt.

Minute 89 – „Steht auf, wenn ihr St.Galler seid.“, hallt es durch die Arena. Wir würden ja gerne aufstehen, haben aber einen journalistischen, also investigativen und seriösen Auftrag. Nehmen dann einen Schluck vom Bier.

Minute 88 – Danijel Aleksic grätscht beim Stande von 3:0 heroisch nach dem Ball. Das ist definitiv nicht „üsen FCSG“.

Minute 87 – „Das isch üsän FCSG“ ertönt es aus dem Espenblock, das ganze Stadion klatscht mit. Wir sind ja versucht, zu sagen, dass zum Glück hier eben nicht der „übliche FCSG“ spielt.

Minute 80 – Auf den Leinwänden im Stadion erscheint die Blitztabelle. St.Gallen auf Platz 2. Einem Champions League-Platz. Beim FC Linth 04 wusste man das offenbar schon, nicht umsonst lief da die Champions League-Hymne!

Minute 76 – „Glaub de Ben Khalifa, aber i bi mir nöd sicher“ vergibt die Chance zum 4:0. Wenn ich Contini wäre, würde ich mir jetzt die Haare raufen.

Minute 75 – Ajeti geht, Ben Khalifa kommt. Vielleicht suchte ich zwei Minuten händeringend nach einer Pointe und fand sie nicht. Vielleicht liegt die Antwort aber auch irgendwo zwischen den Zeilen. Dazu müssen Sie über Ihr Denken hinausgehen und Ihren Geist dem Unglaublichen öffnen. X-Factor, das Unfassbare. Präsentiert vom SENF-Liveticker.

Minute 72 – Leserin N.E. übermittelt derweil die Zitate ihrer besseren Hälfte S.F.: „Etz hemmer fäng gar kei Angst meh, da isch Siegermentalität.“ Das Ticker-Team schaut sich fragend an? Für R.S. und R.S. gilt seit jeher: „Angscht und Geld hämmer kei.“

Minute 70 – Livebilder von der Ticker-Delegation auf der Pressetribüne.

Minute 69 – Aus Italien erreicht uns eine Botschaft von R.S.: „I ha Träne i dä Auge, i chas immer no nöd glaubä.“

Minute 65 – Nur knapp 12’000 Zuschauer werden Zeuge des zweiten Siegs des FCSG in Folge. Selber schuld.

Minute 62 – Lopar wird unter Bedrängnis hoch angespielt, leitet den Ball technisch anspruchsvoll weiter in einer beängstigenden Selbstverständlichkeit. Auf der Pressetribüne schaut man sich ungläubig staunend an. Der FCSG würde derzeit auch die Rentenreform sicher nach Hause bringen.

Minute 61 – Sowieso ist das alles etwas seltsam. Die grössten Unruhen der letzten zehn Jahre, eine Fast-Blamage im Cup und eine Woche später steht der FCSG auf Platz 2.

Minute 60 – Eine Stunde gespielt und das Stadion steht. Irgendwie finden wir uns in dieser neuen Situation noch nicht so zurecht. Ein erfolgreiches Spiel folgt auf ein erfolgreiches Spiel. Wann gabs das zuletzt?

Minute 55 – 3:0! Und nun haben wir alles gesehen. Buess schlenzt das Plastik aus 18 Metern in den Winkel. Buess, dem wir ja eigentlich nicht das Ästhetische attestieren. Auf dem Platz ein eher unangenehmer Zeitgenosse, der den Kampf mutmasslich dem Kunstvollen vorzieht. Doch dieser Tage scheint alles möglich.

Minute 54 – Leser A.S. aus K. schreibt derweil „dada-mässig, weiter so“. Auf Rückfrage präzisiert er: „alles ein wenig bizarr, nicht immer logisch“. Damit können wir sehr gut leben.

Minute 53 – Ein weiterer Rückkehrer betritt das Feld. Costanzo läuft zum ersten Mal für Thun gegen St.Gallen auf. Ob ers länger macht als Gelmi?

Minute 52 – Tafer hatte als aufstrebendes Talent bei Olympique Lyon im FIFA 08 auf der PlayStation2 ein echtes Gesicht. Dann hat man es geschafft. Das ist, als würde dir Ramona zurücksnapen.

Minute 50 – Europapokaltraum, der

Minute 46 – Tor, 2:0! Wir haben noch kurz die Sonnenbrille in der sündhaft teuren Lous-Vuitton-Tasche verstaut, ein neues Bild auf Instagram gestellt und einige verzweifelte Likes bei Fame-geilen HSG-Frauen platziert und verpassen fast den Auftakt der zweiten Halbzeit. Den eröffnet Tafer feierlich mit dem 2:0. Ein kompromissloser Abschluss aus 10.74 Meter.

Pause – Immer noch nicht wieder im Pausenprogramm: die Kiss-Cam. Wir sind weiterhin enttäuscht.

Pause – Im Pausenprogramm werden Kinder gefragt, was sie denn mal werden möchten. Reflektiert, wie ich eben bin, beantworte ich die Frage für mich. Ich bin noch unentschlossen, gefangen in einer geistigen Existenz voller Talente. Eingrenzen kann ich es trotzdem auf drei Berufe: Prinzessin, Detektiv bei der Oscar-prämierten Sendung „K11“ oder Hausabwart.

Pause – Die Kollegen vom Adrenalin-Team bei Toxic.fm haben in ihrer Pausenanalyse gerade darauf verwiesen, dass wir hier jeden Pass analysieren würden. Wir wären das schriftliche Ebenbild ihrer mündlichen Aussagen. Wir überlassen es euch, darüber zu urteilen, bei wem das noch weniger zutrifft. Reinhören lohnt sich aber sicher!

Pause – St.Gallen führt zur Pause mit 1:0. Bis zur roten Karte Gelmis war der Gast besser. Dann aber traf Ajeti und St.Gallen übernahm die Kontrolle. Man ist aber gut beraten, mit dem 2:0 die Partie zu „killen“.

Minute 42 – Auf links ist der gewohnt auffällige Ajeti durch und scheitert gleich zweimal aussichtsreich beim Versuch, auf 2:0 zu stellen. Beim anschliessenden Eckball setzt sich Karin Hagi beim Kopfballduell durch, lenkt den Ball aber über das Tor. Dennoch: Letztmals so viel Körperkontakt genoss die Alleinerziehende 45-Jährige bei der Uzwiler Fasnacht, als der Automechaniker Urs M. nach dem zehnten Schnaps in die körperliche Offensive ging.

Minute 41 – Chapeau, Roy Gelmi. Geht freiwillig vom Platz, dass faire Verhältnisse, also elf gegen elf, herrschen. Hat aber auch taktische Veränderungen zur Folge. Das defensive Mittelfeld der Thuner bilden neu der rechte Oberarm Hedigers zusammen mit dem linken Oberarm Hedigers.

Minute 38 – Es ist teilweise offensichtlich, dass den Thunern ein Mann fehlt. Auf einer der beiden Aussenbahnen ist in der Regel immer ein St.Galler völlig frei. Würden die Espen hier konsequenter auf Seitenwechsel setzen, sie könnten sich mehr Chancen herausspielen.

Minute 37 – Eckball für St.Gallen. Der Ball kommt – wir staunen – gut in den Strafraum. Aber Haggui kommt leider knapp vor Ajeti an den Ball. Letzterer wäre bedeutend besser gestanden.

Minute 35 – Wiss wird verletzungsbedingt durch Yannis Tafer ersetzt. R.S., nun beinahe euphorisch, bemerkt anerkennend, dass Speaker Fischbacher bei der französischen Aussprache Tafers reüssierte.

Minute 31 – Auf der Pressetribüne fragt man uns, ob Wiss gefoult worden sei. R.S. grummelt: „Nöd gseh.“ Ich bin währenddessen in die neuste Wendy-Ausgabe – neu als E-Paper erhältlich – vertieft.

Minute 28 – Kukuruzovic passt auf Wittwer, der schlägt den Ball in die Mitte, wo erst ein St.Galler am Ball vorbeidrischt, Aleksic dann auf Wiss zurücklegt, der aber meterweit übers Tor schiesst. „Bergpreis“, höre ich mal wieder meinen ehemaligen Trainer rufen.

Minute 26 – Und wenn Sion heute übrigens YB schlägt… Äh, gegen YB gewinnt, dann hätten wir in einer Woche einen Spitzenkampf in Bern. Möglich wäre das Erobern der Tabellenspitze. Während der Länderspielpause.

Minute 24 – Auf der Gegentribüne hängt übrigens eine Art Fahne, auf der jemand um Roy Gelmis Trikot bittet. Ob das noch was wird? Wir leiden mit…

Minute 21 – Das 1:0 ist eines, das dann heute Abend im SRF als Billard-Tor bezeichnet werden wird. Den Freistoss von St.Gallen kann Thuns Goalie noch abwehren, der Ball prallt zu Haggui, der köpft ihn an die Latte, von der Latte springt er zu Ajeti und der trifft schliesslich.

Minute 18 – 1:0 für den FCSG! Ajeti und Aratore doppelpassen sich über links durch. Gelmi will Aratore am Torschuss hindern. Er tut dies nicht regelkonform, worauf Schiedsrichter Erlachner die rote Karte zückt. Den folgenden Freistoss aus 17 Metern verwertet Ajeti beim zweiten Nachschuss.

Minute 13 – Die Thuner beginnen gefälliger als der FCSG. Sonderbar, schont Trainer Urs Schönenberger seine Stammspieler doch für das Kräftemessen nächste Woche im Londoner Highbury. Nelson Ferreira sitzt genauso auf der Bank wie auch Mauro Lustrinelli, Selver Hodzic und Silvan Aegerter.

Minute 10 – Auch Buess sieht Gelb. Sein Pass auf Ajeti bleibt hängen, er will den Ball zurückerobern, trifft aber nur des Thuners Schienbein.

Minute 10 – Mehr neongelbe Farbtupfer auf dem Platz als in sämtlichen Französischbücher meiner Schulzeit. Je ne sais pas.

Minute 7 – Kaum notieren wir den geringen Ballbesitz der Espen, machen sie sich auf, das zu ändern. Alain Wiss mit gutem Forechecking, das den Rest der Mannschaft daran zu erinnern scheint, dass man hier nicht zwingend defensiv spielen sollte. Die Konsequenz: Die erste gelbe Karte für Thuns Glarner, Stefan.

Minute 4 – Ballbesitz. Die Grünen mit etwa 20 Prozent.

Minute 1 – Denkanstoss in St.Gallen. Grün-Weiss beginnt von rechts nach links. Kein Rechtsrutsch also in der Ostschweiz. Toni Brunner gefällt das nicht.

15 Uhr 56 – Zum Administrativen: Es tickern heute R.S. und R.S., R.S. weilt derweil in Italien. Er besucht eine Hochzeit. Im Lifestyle-Magazin „Intouch“ dürften wir nächste Woche Näheres erfahren. Apropos Magazin: Die neuste Ausgabe des SENF-Magazins gibt es rund ums Stadion. Für alle potenziellen, aber unentschlossenen Käufer: Auf Seite 103 findet sich ein Bild von Pamela Anderson, die auf einem Einrand den Klosterplatz überquert und dabei Ziegelsteine jongliert.

15 Uhr 53 – Guten Morgen aus dem Westen der Stadt. Vor zwei Stunden noch vertraut schmusend mit Slaviča in der Hollywood Bar, jetzt schon journalistisch tätig – der SENF-Liveticker. Anpassungsfähig wie ein Kameleon.
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