, 27. Mai 2016
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Bilanz einer missratenen Saison

Die Saison 2015/16 ist vorbei, der FCSG schafft nach einer durchzogenen Leistung den Klassenerhalt. Die Senf-Experten blicken zurück auf eine weitere Übergangssaison.

Zu Beginn der Saison hatten wir vor allem Fragen: Wie wird unsere Abwehr in die neue Saison starten? Wie präsentieren sich die Neuzugänge? Welche Ziele kann der FCSG in dieser Saison verfolgen? Antworten hatten wir damals noch nicht. Zu unberechenbar waren die Espen schon in den zwei Jahren zuvor aufgetreten.

Nach fünf Spielen war dann eigentlich schon klar, wie die Saison werden würde. Nach dem Sieg gegen Luzern – dem ersten von insgesamt drei 1:0-Erfolgen gegen die Innerschweizer – stand der FCSG auf Platz 4. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: Es wird wieder eine unansehnliche Saison. Ohne Ambitionen nach oben, ohne grosse Gefahr nach unten. Wenig später legte nach rund vier Jahren Jeff Saibene sein Traineramt nieder und der zuvor als HSV-Jugendtrainer tätige Joe Zinnbauer übernahm für ihn. Wir hofften, dass er ein Feuer entfachen würde: «Anzünden! Los!» So lautete das einfache Fazit unseres ersten Blicks auf den Trainer.

Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben

Nach der Winterpause zog sich das bekannte Muster jedoch weiter, wie wir feststellen mussten: «Das ist zu wenig für ambitioniertes Liebäugeln mit Europa. Aber auch zu viel, um sich ernsthaft Abstiegssorgen zu machen.» Daran änderten auch die Neuverpflichtungen zur Saisonhalbzeit nichts. Danach ging es wie in den beiden Saisons zuvor bergab.

Zwei Probleme konnten wir in der Mitte der Rückrunde ausmachen: Die Verteidigung und die beiden ersten 15 Minuten beider Halbzeiten. Daran sollte sich bis zum Schluss wenig ändern. Im Gegenteil. Die Anzahl der Gegentore stieg stetig und zu den schlechten Anfangsviertelstunden gesellten sich praktisch alle anderen Spielabschnitte. Nur gerade vor der Pause trat der FCSG noch halbwegs positiv auf. So brach vor dem Heimspiel gegen den FC Zürich doch nochmal das grosse Kribbeln aus. Die Ostschweizer waren doch noch in den Abstiegskampf geraten und mussten dringend punkten.

Im Spiel gegen den FC Zürich zeigten die Espen für einmal jedoch eine starke Leistung und entledigten sich damit der Abstiegssorgen. Allerdings trug der FCZ mit einer desolaten Leistung nicht unerheblich dazu bei, dass die St.Galler drei Runden vor Schluss den Klassenerhalt auf sicher hatten. Wenig erstaunlich, dass jetzt genau der FCZ den Gang in die Challenge League antreten muss.

Die Tore fallen hinten statt vorne

Der Klassenerhalt vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass der FCSG eine missratene Saison gespielt hat. Insbesondere die Rückrunde war einmal mehr desolat. Die Statistik beweist es. Auch der Vergleich mit den anderen Teams ist wenig schmeichelhaft: Nur gegen den FC Luzern (neun Punkte) und gegen den FC Thun (sieben Punkte) holte der FCSG mehr als die Hälfte der möglichen zwölf  Punkte. Und nur gegen die Berner Oberländer gelang es den Espen, mehr Tore zu erzielen als zu erhalten. Auf die neue Saison muss sich einiges ändern, wenn man sich an den Europapokal- statt an den Abstiegsrängen orientieren will. Ein gesichertes Mittelfeld zwischen diesen beiden Polen gibt es bei einer Zehnerliga ohnehin nicht.

Zuallererst muss insbesondere in der Verteidigung für Stabilität gesorgt werden. Auch wenn der neu gefundene Fokus auf die Jugend beim FCSG grundsätzlich begrüssenswert ist, die abgelaufene Saison zeigt eben auch das Problem daran: Nach einer passablen Hinrunde folgte vor allem in der Defensive ein desolates Auftreten. Das Innenverteidigerduo Angha/Gelmi fiel nach der Winterpause regelrecht in ein Loch, aus dem es bis zum Schluss nicht mehr wirklich rauskam. Auch personelle Veränderungen brachten nur bedingt Besserung. Mit 66 Gegentoren stellen die Ostschweizer nach Zürich und Lugano die drittschlechteste Abwehr der Liga.  Für die nötige Stabilität braucht es wohl ein, zwei gestandene Spieler. Alain Wiss könnte so einer sein, nur war er aufgrund eines brutalen Fouls zu Beginn der Rückrunde lange verletzt. Und sowieso: Ob einer reicht, ist mehr als zweifelhaft.

Wenn die Espen aus einer gesicherten Defensive heraus agieren können, läuft es vielleicht auch offensiv wieder ganz von allein. Wahrscheinlicher ist aber, dass auch hier Änderungen nötig sind. Ein richtiger Knipser fehlt dem FCSG nach wie vor – lediglich 41 Treffer zeugen davon. Keine andere Mannschaft hat in der Saison 2015/16 so wenig getroffen wie die Ostschweizer – sogar der Absteiger FCZ schoss sieben Tore mehr.

Und dann die Trainerfrage

Nicht zuletzt muss auch Trainer Zinnbauer beweisen, dass er der richtige für den FC St.Gallen ist. In der SENF-Redaktion sind die Meinungen geteilt. Sicher ist: Die grossen Motivationskünste, die Zinnbauer nachgesagt werden, hat er bisher vermissen lassen. So schlecht, wie das Team jeweils aus der Kabine kam, scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die Gänsehaut, von der frühere Spieler nach Zinnbauers Ansprachen gesprochen haben, hatten in dieser Saison höchstens die Fans. Aus anderen Gründen.

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